Berlinale 2013

Kung Fu-Epos The Grandmaster enttäuscht Kritiker

08.02.2013 - 08:51 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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The Grandmaster
© Wild Bunch Germany
The Grandmaster
Gestern feierte die Berlinale mit Wong Kar-Wais The Grandmaster ihre Eröffnung. Das lang erwartete Werk des asiatischen Melancholikers rief gemischte Gefühle hervor. Wir haben die ersten Kritiken für euch.

Gestern Abend brach der Glamour über Berlin herein. Die 63. Berlinale wurde mit The Grandmaster von Jury-Präsident Kar Wai Wong eröffnet. In seinem ersten Spielfilm seit fünf Jahren befasst sich Wong mit dem legendären Wing Chun-Meister Ip Man (Tony Leung Chiu Wai), der später zum Lehrer eines gewissen Bruce Lee werden sollte. Jubelstürme konnte der Kung Fu-Film bei den Kritikern in Berlin nicht entfachen, eher im Gegenteil.

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Im Perlentaucher schreibt Thomas Groh: “Wong Kar-Wai, einst größter Hoffnungsträger einer neuen Poetik des Hongkong-Films, der filigran brüchige Filme wie Chungking Express und Fallen Angels drehte, Filme, die ihre Brüchigkeit auch der unsicheren Situation im Hongkong der 90er Jahre verdankten, ist mittlerweile längst im Großfilmmodus angekommen. Für die Welt interessiert er sich nicht und, steht zu befürchten, auch kaum mehr für seinen Film, sondern höchstens noch für den Schmelz des einzelnen Bildes, das zur rein nostalgischen Hinwendung erstarrt.”

“The Grandmaster kann nur dann nicht wie eine ermüdende Stilübung in Wong-Kar-Wai-Standards erscheinen, wenn man ihn von Anfang an als Gedächtnisfilm betrachtet”, hält Nino Klingler bei critic.de fest. “Denn trotz seines Rufes als visueller Poet beherrscht der Kantonese letztlich nur ein sehr begrenztes Repertoire an Bildtypen: Großaufnahmen vor allem, mal in Dunkelheit getaucht, mal ornamental zergliedert, mit dynamischer Geschwindigkeit und meist gleitender Kamera. […] Wong Kar-Wais beizeiten schöner, aber überlanger und emotional überraschend unraffinierter Streifen leidet an seinem selbstmitleidigen Schwelgen in Trauer. Alles Wichtige ist ohnehin schon vorüber, und die Gegenwart ist nur ein anderes Wort für rückwärtiges Sehnen.”

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Im Standard hebt Dominik Kamalzadeh die tänzerische Eleganz der Kampfszenen heraus, doch “nicht allen Schaustücken aus Wong Kar-wais Kung-Fu-Historiendrama, das am Donnerstagabend die 63. Berlinale eröffnet hat, gelingt es, so souverän Erzählung und Attraktion zusammenzuführen. […] Martial-Arts-Drama, Biopic und Geschichtsmelo in einem, verlieren sich die großen Erzählbögen darin mitunter in Sackgassen. Als Zuschauer ist man weniger involviert, als man sich das wünscht.”

“Die von uns, die Wong lieben und geduldig die jahrelangen Pausen zwischen seinen Filmen abwarten, verlangen eine besondere Größe von ihm”, gibt Stephanie Zacharek bei Film.com zu bedenken, die dem Film eine gewisse Sterilität unterstellt. “Wir wollen Filme, die überwältigen, aber feinfühlig sind, geschmeidig, aber stark, hypnotisch, aber selbstsicher. The Grandmaster versucht all das auf einmal zu sein und es ist vielleicht dieses Versuchen, das ihm ein Bein stellt. Aber eines bleibt konstant: [Tony] Leung fesselt die Kamera. Sein Gesicht ist geradezu ein eigener Film. Die Inszenierung um ihn herum ist nur eine Ausrede.”

Eine Übersicht über die Kritiken zu The Grandmaster findet ihr bei film-Zeit.de.

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