Fear the Walking Dead enttäuscht trotz gigantischer Bierflasche als Heißluftballon

Fear the Walking Dead - Staffel 5, Folge 6: Der kleine Prinz
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Fear the Walking Dead - Staffel 5, Folge 6: Der kleine Prinz
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Zwei Folgen vor dem Midseasonfinale hat Fear the Walking Dead keinen klaren Bösewicht, keine Gegenspieler, keine in sich konsistenten Charakterentwicklungen, keine moralisch komplexen Szenarien und auch sonst nur ansatzweise interessante und vor allem glaubhafte Konflikte geschaffen, die eine Handvoll Episoden mit einem roten Faden verbinden können.

Bisher ist niemand gestorben. In einer ZombisSerie. Selbst Luciana (Danay Garcia) lebt noch.

Zwei Folgen vor dem Finale ist klar: Die Showrunner Ian Goldberg and Andrew Chambliss müssen ihre Posten räumen. AMC war bereits in der Vergangenheit nie zimperlich im Umgang mit den kreativen Gestaltern von The Walking Dead-Serien. Nun ist es wieder so weit. Es ist höchste Zeit für frisches Blut.

Die drei wichtigsten Erkenntnisse der neuen Folge:

  • Althea (Maggie Grace) verschweigt ihren Flirt mit Isabelle und somit auch die gesamte Storyline um die Helicopter-Gruppierung, als hätte es diesen Handlungsstrang nie gegeben.
  • Althea, eine Videojournalistin, baut stattdessen ein Flugzeug wieder zusammen.
  • Heißluftballons sind dagegen die Rettung.

Schlechte Dialoge in Fear The Walking Dead

Fear The Walking Dead hat null Substanz. Jede Unterhaltung ist geprägt von bedeutungsschwangeren Metaphern, die die Charaktere weise klingen lassen sollen. Würde sich das auf Morgan begrenzen, könnte man wenigstens noch von charaktermotivierten Ansätzen sprechen. Doch alle Figuren sprechen inzwischen ohne Ausnahmen wie amateurhafte Motivationssprecher auf Kaffeefahrt.

Es existieren schlichtweg keine normalen Gespräche in dieser Serie. Jeder Satz klingt wie ein gut gemeinter Ratschlag eines Therapeuten, der auf einen moralischen Durchbruch hofft. Wäre ich Teil der Serie, ich hätte mich schon lange freiwillig von einem Zombie beißen lassen, um dieser Qual zu entkommen.

Hinzu kommt die massive Handlung, die durch diese langweiligen und leeren Szenen durchgeboxt wird:

  • Morgan (Lennie James) sucht einen neuen Stock und hilft, ein Atomkraftwerk vor dem Super-GAU zu retten.
  • John (Garret Dillahunt) und Dwight (Austin Amelio) suchen nach Sherry (Christine Evangelista) und finden Hinweise, doch John handelt komplett entgegen seiner bisherigen Charakterzeichnung und belügt Dwight.
  • Alicia (Alycia Debnam-Carey) will die Kinder dazu überreden, mit ihnen zu kommen, doch die sind cleverer.
  • Althea flickt ein Flugzeug. Luciana steht auch irgendwo rum.
  • Strand (Colman Domingo) und Charlie (Alexa Nisenson) benutzen einen Heißluftballon als Lufttransport.

So viele Handlungsstränge und dennoch kommt dabei am Ende so wenig raus. Wenn die Serie nur einen davon mit Herz zu Ende denken und erzählen würde, wäre viel getan. Doch jede Idee wird nur ansatzweise verfolgt, lieblos umgesetzt und mit beliebigen Figuren erzählt.

Fear The Walking Dead: Der Morgan-Kult

Morgans unreflektierte und alles durchdringende Weltanschauung ist hier auch wieder zu spüren. Selbst Strand hat inzwischen seine Entwicklung zum zahmen Schoßhund vollzogen. Erneut schreiben die Autoren eine zwielichtige Figur um, sodass sie sich Morgans Philosophie anpasst und Gutes tut. Jeder erwachsene Ansatz des Erzählens geht durch diese naive Sicht verloren.

Dwight ist - wie John Dorie in der letzten Staffel - eine der letzten interessanten Persönlichkeiten der Serie, da er eine aufrichtige und glaubhafte Motivation vorweisen kann. Alle anderen Figuren sind in Morgans Gutmenschenkult untergegangen.

Zombie-Bissen für zwischendurch:

  • Daniel (Rubén Blades), die vielleicht letzte Hauptfigur neben Alicia mit Ausdruckskraft, bleibt weiterhin verschollen.
  • Die durchschnittliche Reichweite eines Heißluftballons dieser Größe ist (nach einer kurzen Google-Recherche) 20 Meilen bei gutem Wetter. Den Weg hätten Mo-Mo und Co. nicht gehen können?
  • Noch immer kein Lebenszeichen von den bösen Truckern, die das Hauptquartier zurückerobert haben.

Fear The Walking Dead ignoriert das eigene Potential

Kommen wir aber nun zum unweigerlichen Höhepunkt dieser Folge, der die Kreativen bis zum Ende der Serie jagen wird. Die Camper verlieren in den finalen Minuten der Folge die Hoffnung. Das Atomkraftwerk droht, die gesamte Region zu verseuchen, und die Reparatur des Flugzeugs schreitet nicht voran.

Doch was ist das am Horizont? Ist es ein Vogel? Ist es ein Helicopter? Nein, es ist ein Heißluftballon in der Form einer Bierflasche von Jim (Aaron Stanford) aus der letzten Staffel, mit dem Strand zwei Propeller zu den Überlebenden bringt.

Der Moment ist so ulkig, schrecklich inszeniert und ohne jedwede innere Logik, dass die Serie unter dem Gewicht dieser Szene zerbricht. Ein wahrer Jumping the Shark-Moment.

Dabei hat diese Staffel so viele potenziell spannende Storylines aufzuweisen. Mit dem Super-GAU hat Fear zum Beispiel sein eigenes Chernobyl-Szenario, welches in der Postapokalypse eine grauenvolle Realität darstellen würde. Doch die Serie zeigt sich gelangweilt von der Idee. Weder wird das Kraftwerk gezeigt, noch wird die gespenstige Radioaktivität als wahre Gefahr zu Ende gedacht.

Nichts ist klar in Fear The Walking Dead. Zum ersten Mal wird in dieser Folge erzählt, dass ein Berg den Weg zur Heimat versperrt und die Straßen keine Option sind. Trotzdem kam Dwight ohne Mühen in die Serie hereinspaziert. Unklar ist auch, wo die Figuren überhaupt sind, wieso alle feststecken und nicht einfach nach Hause können.

Ich bin mir sicher, dass es für all das hier eine Erklärung geben muss. Die Serie ist so inkompetent erzählt, dass meine Gedanken kreisen und nach anderen Möglichkeiten für dieses massive Scheitern suchen. Liegt es an den Bedingungen, die das Crossover diktiert? Liegt es am gekürzten Budget? Liegt es an den Verträgen der Schauspieler, die Todesmomente verbieten?

Es muss doch einen Grund geben! Habt ihr vielleicht eine Idee? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

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