Mein Herz für Serie

Firefly-Plastikdinos, Raumschiffe & Wilder Westen

Adam Baldwin, Nathan Fillion und Gina Torres
© FOX
Adam Baldwin, Nathan Fillion und Gina Torres

Eigentlich mag ich weder Science Fiction noch Western. Daher habe ich, um ehrlich zu sein, keine Ahnung, was mich in erster Linie dazu gebracht hat firefly-‒-aufbruch-der-serenity zu sehen. Noch dazu Jahre, nachdem die Serie abgesetzt, Fan-Petitionen längst vergessen und auch der daraus entstandene Film schon wieder alt waren.

Honey, you live on a spaceship
Gut, ich mag Joss Whedon (Marvel’s The Avengers). Vielleicht war das ein Grund. Immerhin hat er mit buffy–im-bann-der-damonen meine Jugend geprägt, als es noch nicht in war, von Vampiren gestalkt und wir sie stattdessen gestaked haben. Mehr als einmal hat er bewiesen, dass er ein Meister darin ist, glaubwürdige, interessante und noch dazu einzigartige Charaktere zu erschaffen – meine große Schwachstelle. Wenn mir Charaktere in einer Geschichte gleichgültig sind, dann ist mir die Geschichte gleichgültig, egal wie spannend sie sonst sein mag. Aber Joss Whedon hat es schon immer hinbekommen, dass ich mich für jede noch so unwichtige Figur interessiert habe. Genau dieses Wissen war es, was mich letztlich überzeugt hat, diesem zugegeben etwas seltsamen Konzept jenseits meiner kleinen Serienseifenblase eine Chance zu geben. Wie sich das entwickelt hat, könnt ihr euch denken.

Find a crew, find a job, keep flying
Was haben zwei Kriegsveteranen (Nathan Fillion und Gina Torres), ein Söldner (Adam Baldwin), ein Doktor (Sean Maher), eine Mechanikerin (Jewel Staite), ein Pilot mit Liebe zu Plastik-Dinosauriern (Alan Tudyk), ein Priester (Ron Glass), eine Edelprostituierte (Morena Baccarin) und ein geistig verwirrtes Mädchen (Summer Glau) gemeinsam? Sie alle bilden die Crew, die auf dem kleinen Firefly-Transportschiff Serenity fragwürdigen Zustands, durchs All tuckert, auf der Suche nach schnell verdientem Geld- egal ob legal oder illegal. Um es in den Worten des Kapitäns zu sagen „Du hast einen Job, wir erledigen ihn. Egal um was es geht.“

Das Jahr ist 2517, die Menschen bevölkern das All, da die Recourcen auf ihrem ehemaligen Heimatplaneten aufgebraucht sind. Anders als bei üblichen Sci-Fi-Serien gibt es jedoch weder Aliens noch ist alles edel, technologisiert oder hochglanzpoliert. Im Gegenteil. Gerade am Rande der von der übermächtigen Staatsmacht Allianz kontrollierten Welten herrschen Zustände, die stark an die amerikanische Pionierzeit erinnern. Es ist dreckig, altmodisch, gewalttätig und gefährlich. Pferde und Laserwaffen, Hologramme und Südstaatenslang, asiatischer Flair gepaart mit rauen Wild-West-Ambiente sind zusammengefasst in einem wilden Mix aus fernöstlicher und westlicher Kultur. Gesprochen wird Englisch, geflucht Mandarin, ganz im Stil der beiden verbleibenden Supermächte.

Hier knallen Konzepte aufeinander, die kein Mensch normalerweise miteinander in Verbindung bringt. Aber welche Schöpfung des Vaters aller Vampirjägerinnen ist schon so richtig normal?
Joss Whedon pitchte Firefly mit „neun Menschen, die in die Dunkelheit des Weltraums starren und neun verschiedene Dinge sehen“. Joss Whedons Firefly-Geschichten sind charakterbasiert, nicht handlungsfixiert. Wir können uns während keiner einzigen Episode über den Mangel an Action beschweren, sie ist aber nicht nur Mittel zum Zweck. Sie sind Lückenfüller für grandiose Dialoge, die nicht nur gesprochen, sondern auch gelebt werden von ausgefallenen Charakteren, die oft mehr Fehler als Vorzüge haben und doch nicht weniger liebenswert sind. Sie sind es, die Firefly zu etwas Besonderem und the ’Verse zum Leben erwecken.

Egal ob das Geschwisterpaar Simon und River Tam (Sean Maher und Summer Glau), die aus unbekannten Gründen vor der Allianz fliehen, der verbitterte Veteran und Kapitän Malcolm „Mal“ Raynolds, der eher durch seine Wutausbrüche bekannt ist, als durch seine Menschlichkeit oder die Edelprostituierte Inara Serra, mit der er, trotz eindeutiger Anziehung, im ständigen Clinch liegt. Sie alle fügen sich zu einer surrealen und sehr dysfunktionalen Familie zusammen, der ich gerne zusehe, wie sie sich von einem Fleckchen im Weltraum zum Nächsten kämpfen. Egal welchen Ärger sie untereinander haben, sie halten zusammen, wenn es darauf ankommt. Und das tut es. Oft.

Ah, curse your sudden but inevitable betrayal!
Es ist schwer in Worte zu fassen, was Firefly eigentlich genau ist. Es hat Elemente aus den verschiedensten Genren. Comedy, Action, Science Fiction, Western … alles ist vertreten. Vielleicht war es genau die Schwierigkeit zu sagen, die schließlich den Todesstoß bedeutete. Wie vermarktet ein Sender etwas, von dem viele Leute nicht verstehen, was es eigentlich genau ist?

Von 14 Folgen wurden nur 11 ausgestrahlt und die noch nicht einmal in der richtigen Reihenfolge, was der Serie von Anfang an einen schlechten Start einräumte. Trotz der eher mäßigen Einschaltquoten waren die DVD-Verkäufe so hoch, dass Fox 2005 den Film Serenity – Flucht in neue Welten nachschob. So bekamen zumindest die Fans einen Abschluss der vielen offenen Handlungsstränge, die das plötzliche Ende der Serie mit sich brachte, während andere einen spannenden und amüsanten SciFi-Western bekamen.

Böse Zungen munkeln, dass der sogenannte Fluch der Summer Glau von Anfang an auf der Serie lastete, denn offenbar ist keines ihrer TV-Projekte mit einem langen Leben gesegnet. Jeder, der sich ihr Spiel und ihren Charakter ansieht, weiß aber, dass es kaum ihre Schuld gewesen sein kann, denn mir würde spontan niemand einfallen, der die Rolle der hochintelligenten, verwirrten River Tam so gut spielen könnte, wie sie. Der Cast lebte seine Rollen, lebt sie teilweise noch heute. Fanliebling Nathan Fillion trauert gemeinsam mit den Fans um sein Lieblingsprojekt und wird es nicht müde, in aktuellen Projekten wie Castle immer wieder Easter Eggs zu verstecken oder als Capt’n aufzutauchen.

Im Prinzip wusste ich, auf was ich mich einlasse, als ich angefangen habe, Firefly zu sehen: Ein sehr kurzes Vergnügen. Trotzdem hat es den Abschied nicht leichter gemacht und ich trauere, Jahre zu spät, um eine großartige Serie. Aber wie heißt es schon im Titelsong?

You can’t take the sky from me
There’s no place I can be
Since I found Serenity

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
folgen
du folgst
entfolgen
Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen für GamePro.de und brauche dafür sehr viel Kaffee.
Deine Meinung zum Artikel Firefly-Plastikdinos, Raumschiffe & Wilder Westen