Community
Gewalt & Film: Teil 4

Gewalt im Splatter-, Autoren- und Blockbuster-Kino

10.03.2014 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
6
30
Astro
© Tanz der Teufel (1981)
Astro
Nicht nur in den Subgenres des modernen Horrors, im Splatter- Terror- und exploitativen Film, reihen sich grausige Gewaltakte als inszenatorische Höhepunkte aneinander. Auch im Blockbuster-Kino und Autorenfilm findet sich explizit dargestellte Gewalt.

“In 1970 I walked out of the theater. I watched it right up until he drove the spike into the girls head, I was horrified and left the theater …  I’ve been so conditioned now that I find it almost comical and I think that is what is horrifying now.” Diese Feststellung, dass die Abgebrühtheit bei Horrorfilmen schlimmer ist als die Angst davor, stammt von einem Youtube-Nutzer, der damit The Wizard of Gore von Herschell Gordon Lewis kommentiert. Zugleich scheint die Beobachtung durch, dass im Medium Film die Messlatte intensiver Gewaltdarstellungen immer höher gelegt wird. Um der Gewöhnung an das bereits Gezeigte entgegen zu wirken, wurden bisherige Tabus gebrochen und die Darstellung immer expliziter. In der Folge wurde der menschliche Körper noch aggressiver attackiert und seine Zerstörung noch spektakulärer inszeniert. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre schwappte diese Entwicklung in das Autoren- und Mainstreamkino über. Steven Spielberg ließ den menschenhungrigen Weißen Hai auf Badegäste los, Martin Scorsese zerfetzte in seinen Kleingangster- und Großstadtballaden Gliedmaßen (Hexenkessel, Taxi Driver) und Sam Peckinpah entdeckte mit seinen Zeitlupen den ewigen Moment des Schmerzes (The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz, Getaway).

Gewalt und Langeweile
Mit den Neuverfilmungen Frankensteins Fluch (1957) und Dracula (1958) der Hammer-Studios schälte sich eine neue Filmgattung aus dem pointierten Grusel des Horrorgenres heraus: der Splatter- und Gorefilm. Zum ersten Mal war das Blut auf der Leinwand rot gefärbt und nicht mehr allein die Story lehrte einen das Fürchten, sondern auch die blutigen Spezial-Effekte. Schnell lösten sich die Produktionen von ihrem klassischen Horrorerbe und zeigten Gewalt gegen den menschlichen Körper in einem realistisch anmutenden Setting. In Filmen wie Blood Feast, Two Thousand Maniacs! oder The Wizard of Gore von Herschell Gordon Lewis wird das lustvolle Zerstückeln der meist weiblichen Körper wie einzelne Höhepunkte inszeniert. Die Handlung dient allein dazu, möglichst viel Konfliktpotenzial zu bieten. Zwischen den einzelnen Mordszenen aber herrscht eine quälende Langeweile, sodass sich Monotonie und schaurige Attraktion abwechseln.

Eine Weiterentwicklung, was die Kreativität und Menge der Gewaltakte angeht, stellten der exploitative Film und der Terrorfilm dar. In ersterem wurden dem Publikum meist aus schnell abgedrehten Produktionen aus Italien eine Kombination aus Sex und Gewalt dargeboten, bei der weibliche und männliche Körper das Ziel männlicher Aggression wurden. Regisseure wie Lucio Fulci (Ein Zombie hing am Glockenseil), Joe D’Amato (Black Emanuelle – Stunden wilder Lust, Man-Eater – Der Menschenfresser), Umberto Lenzi (Die Rache der Kannibalen) und Ruggero Deodato (Nackt und zerfleischt zogen durch ausgefallene Todesarten die Ekelschraube immer fester an. In Kannibalenfilmen wie Cannibal Holocaust (Nackt und zerfleischt) und Cannibal Ferox (Die Rache der Kannibalen) wurden neben auf Authentizität gebürstete Gräueltaten reale Tiertötungen eingeschnitten.

Die Serialität der Sterbens
Ebenfalls auf den Effekt des Realistischen setzten US-amerikanische Terrorfilme wie Blutgericht in Texas, Das letzte Haus links und Hügel der blutigen Augen. Häufig fallen hier hippieske Stadtleute Anfang 20 meuchelnden und degenerierten Hinterwäldlern oder herumstreifenden Gesetzesbrechern zum Opfer. Ihren Reiz ziehen die Filme daraus, dass die wohlbehüteten und satten Kinder der sogenannten Baby Boomer Generation, der geburtenstarken Jahrgänge der 40er und 50er Jahre, vom vergessenen und vom Wohlstand und Fortschritt ausgeschlossenen Rest der USA getötet und zum Teil aufgegessen werden.

“Movies of the Future” war das Motto der 1974 von Lloyd Kaufman gegründeten Independent-Filmproduktionsfirma Troma Entertainment. In Filmen wie Blood Sucking Freaks, eine Art verschärftes Remake des Wizard of Gore, Class of Nuke ’Em High – Die Klasse 1994, Muttertag – Ein Alptraum aus Blut und Gewalt und Atomic Hero – The Toxic Avenger wurde Splatter und schwarzer Humor zu einer makabren Melange zusammengetan. Hier ist es nicht mehr der plötzlich auftretende Schock, der den Reiz dieser Filme ausmacht, sondern das serielle, andauernde Zeigen gefolterter Körper oder anderweitig grausam verstümmelter Menschen. Eine Kombination verschiedener Elemente extremer Darstellung ist zudem das Subgenres des Naziploitation-Films, bei dem der Holocaust als eine unnahbare Kulisse des Schreckens fungiert. Als Beispiel sei Ilsa, She Wolf of the SS genannt, in welchem Frauen von einer sadistischen Lagerkommandantin zu Tode gefoltert werden. Hier vermag allein die Menge an brutaler Gewalt für einen Schockeffekt sorgen.

Das könnte dich auch interessieren

Kommentare

Mehr zum Thema

Angebote zu The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz & aktuelle News

Themen: