Haus des Geldes: Staffel 3 strotzt vor Kitsch und Klischees - zum Glück

Haus des Geldes, Staffel 3
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Haus des Geldes, Staffel 3
29.07.2019 - 13:36 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Die Netflix-Serie Haus des Geldes begeistert auch in ihrer 3. Staffel noch zahllose Streaming-Zuschauer, trotz Kitsch und Klischees. Doch warum schlagen die Herzen so laut für diese Serie?

Ich habe mich lange gegen Haus des Geldes gewehrt. Warum sollte ich mir irgendwelche unbekannten spanische Bankräuber ansehen wollen? Irgendwann wurde der Hype aber so groß, dass ich mir die Netflix-Serie dann doch vornahm. Ich wollte nur mal eine Episode "ausprobieren". Aus einer Folge wurden 21 und mit Begeisterung opferte ich eine Woche lang jeden Abend freudig den kriminellen Maskenträgern.

Jetzt ist die 3. Staffel von Haus des Geldes gestartet und bringt die pure Freude am Schauen zurück. Die acht Folgen habe ich natürlich längst durchgesuchtet und versuche nun zu verstehen, warum mich die Serie so mitreißt.

Drei Punkte beeindrucken mich dabei an Haus des Geldes insbesondere:

  • Haus des Geldes fürchtet sich nicht vor Klischees und großen Gesten.
  • Die Serie gibt nicht vor, mehr als reine Unterhaltung zu sein.
  • Keiner empfindet so viel wie die Spanier.

Haus des Geldes und der Reiz der großen Gesten

In Staffel 3 von Haus des Geldes gerät eine der 21 wichtigen Figuren - Lissabon (Itziar Ituño) - in eine brenzlige Lage (Achtung, ab hier leichte Spoiler zu Staffel 3): Auf der Flucht vor der Polizei versteckt sie sich und wird von einem Zivilisten gestellt. Sie bedrohen sich mit ihren Waffen gegenseitig. Als die in die Ecke Getriebene ihr Gegenüber mit Bestechung fast dazu überredet hat, sie laufen zu lassen, kommt dessen Frau hinzu und die angespannte Pattsituation wird auf drei erweitert.

Haus des Geldes, Staffel 3: Stand-off im Hühnerstall

Dieses Stand-off könnte glatt aus einem Actionfilm der 90er stammen ... wenn es nicht in einem Hühnerstall stattfinden würde. Doch genau diese Überzogenheit macht Spaß. Haus des Geldes kombiniert das B-Movie-Gefühl mit erstklassigen Schauwerten. Große Knarren, ikonische Masken, lebensbedrohliche Verletzungen, tränenreiche Tode. Die Serie liebt große Szenen, die an Kitsch grenzen.

Dass damit im Prinzip die Angst vor dem Klischee in Haus des Geldes nicht vorhanden ist, mag nicht jedem gefallen. Zugleich ist diese ehrliche Begeisterung für das Spektakel aber auch das, was einen großen Reiz der Serie ausmacht: Unterhaltung der Unterhaltung wegen.

Haus des Geldes: Die Unterhaltung steht an erster Stelle

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe es auch, mich in komplexen Formaten zu vergraben. Aber wenn Netflix' Dark mein heimisches Gehirnjogging ist, dann ist Haus des Geldes das ausgelassene Vergnügen im Freizeitpark.

Der Schwerpunkt reiner Unterhaltung verschiebt sich auch dadurch nicht, dass Haus des Geldes in Staffel 3 eine politische Komponente hinzufügt: Der neue Raubzug in der spanischen Nationalbank mag dadurch motiviert sein, dass der Professor (Álvaro Morte) und seine Crew gegen die Festnahme und Folter von Rio (Miguel Herrán) protestieren wollen.

Haus des Geldes: In Staffel 3 geht der Professor an die Öffentlichkeit

Aber letztendlich gestehen die Bandenmitglieder im Verlauf der neuen Haus des Geldes-Staffel sich und uns ein, dass sie den Überfall vor allem für sich selbst veranstalten. Bei so viel Aufrichtigkeit kann auch ich als Zuschauer leichter zugeben, dass Haus des Geldes für mich wie ein Adrenalin-Kick funktioniert.

Die pure Lust an Täuschungen und Überraschungen, an Episoden- und Staffel-Cliffhangern, an ausgefeilten Masterplänen, bei denen alles schiefläuft und am Ende doch irgendwie funktioniert, an Figuren mit Städte-Codenamen, toten Rückkehrern und volltönenden Begriffen wie "Plan Tschernobyl" - all das könnte unfreiwillig komisch wirken, wird aber mit solcher Überzeugung vorgetragen, dass auch ich nur mit vollem Einsatz mitfiebern kann.

Haus des Geldes und die ganze (spanische) Palette der Gefühle

Doch es sind nicht nur die Netflix-Gucker, die vor ihren Bildschirmen emotional werden dürfen, sondern auch die trotz ihrer Fehler sympatischen Figuren aus Haus des Geldes. Selbst die vernünftigsten Charaktere stehen ständig unter Strom und ticken hin und wieder aus. Die Emotionen brodeln stehts nah unter der Oberfläche. Mir fällt keine andere Serie ein, in der so viel geweint, gelacht, umarmt, ausgerastet, gefeiert und gelebt wird.

Haus des Geldes: Heiße Gefühle in Staffel 3

Schon allein, wenn wir uns die aberwitzige Kette unglücklich Verliebter in Staffel 3 ansehen, wird klar: Bei Haus des Geldes werden Gefühle großgeschrieben. Dass bei all den Raubzügen und Plänen die Liebe im Vordergrund steht, mag ausgelutscht klingen, ist aber der notwendige Dreh- und Angelpunkt (bzw. ganz buchstäblich: das Herzstück) der Serie.

In einer deutschen Serie könnte ich mir dieses hohe Level intensiver Empfindungen schwer vorstellen. Doch um - ganz im Sinne von Haus des Geldes - ein Klischee zu bedienen: Die heißblütigen Spanier fühlen eben alles eindringlicher. Und ich dadurch auch. Also her mit Staffel 4!

Andere können von mir aus sagen, dass Haus des Geldes übertrieben, klischeeüberladen, stereotyp, seifenopernhaft, überzogen und unglaubwürdig daherkommt - und hätten damit wahrscheinlich nicht mal ganz Unrecht. Doch ich sage: Bei Haus des Geldes macht all das einfach einen Heidenspaß. Egal, ob in der Bank oder im Hühnerstall.

Habt ihr auch so viel Spaß, wenn ihr Haus des Geldes schaut?

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