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Eine Geschichte des Lachens - Teil 1

I Love Lucy, Vaudeville & die Geburt der Sitcom

21.08.2014 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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I Love Lucy
© CBS
I Love Lucy
Der erste Teil dieser Reihe springt ganz an den Anfang des amerikanischen Fernsehens zurück. Wie erblickte die Sitcom das Licht der Welt, welchen Einfluss hatte I Love Lucy & was sind die Trends der 1950er.

How I Met Your Mother endete dieses Jahr und auch Dauerbrenner wie The Big Bang Theory und Two and a Half Men gehören inzwischen eher zu den Großvätern unter den Sitcoms. Die großen amerikanischen Networks scheinen das Zepter der TV-Hits längst an die Cable-Anbieter verloren zu haben. Von den glorreichen Tagen mit Seinfeld und Friends können sich TV-Executives nur noch am Lagerfeuer erzählen. Qualitativ hochwertige Drama-Serien wie Breaking Bad, Game of Thrones und True Detective führen die Berichterstattung über Serien an. In der Nische leuchten ein paar Sterne wie Louie und Girls, die wenn überhaupt entferne Verwandte einer Über-Sitcom sind.

In dieser fünfteiligen Reihe wollen wir euch auf einen Streifzug durch das oft verkannte, aber mitnichten belanglose Sitcom-Genre nehmen. Was sind die Trends und Muster der vergangenen Jahrzehnte? Wie veränderte sich die Sitcom im Laufe der Zeit, und an welchen Stellen sind die Ideen und Wurzeln von damals immer noch spürbar? Wir wollen uns einzelne Sitcoms genauer angucken, ihre Funktionen und Wirkungen ergründen und Ursachen für ihren schlechten Ruf finden.

Wir beginnen die Geschichte, als das Fernehen an der Schwelle zum Massenmedium stand.

Von Stage zu Soundstage
Er ist das Jahr 1951. Lucille Ball und Desi Arnaz erhalten von CBS die kompletten Rechte an ihrer neuen Serie I Love Lucy. Im Gegenzug sind sie verpflichtet, einen Teil der Produktionskosten zu übernehmen und erklären sich mit einer geringeren Gage einverstanden. Warum? CBS glaubt nicht an den Erfolg der Serie. Denn sie bricht auf eine Weise mit den Traditionen, die das junge Fernsehen als in Stein gemeißelt ansieht. Zu Beginn der 1950er Jahre waren 80 Prozent aller TV-Inhalte Live-Übertragungen – in der Regel aus New York City. Der damalige CBS Vize-Präsident Harry Ackerman fasste die Denkweise der Vorstände in Worte: “We are primarily in the live TV business. We definitely wanted to shoot I Love Lucy live. But the sponsor made us go to film. You can say that we go into the film business at the whim of the sponsor.” Und dieser Geldgeber wurde wiederum von Lucille Ball und Dasi Arnaz überredet, auf Film zu drehen. Sie wollten einfach nicht ihren bisherigen Heimats- und Arbeitsort, Los Angeles, verlassen. Es wird erzählt, dass einige Team-Mitglieder die Schreie der Verzweiflung einiger (rechteloser) Vorstände noch aus weiter Ferne hören konnte, als sie sahen wie I Love Lucy zur erfolgreichsten Serie der USA wurde.
Darth Vader No
Sinnbildliche Darstellung der CBS-Executives als sie ihre fehlenden Rechte an I Love Lucy bemerkten

I Love Lucy machte nicht nur erstmals eine aufgezeichnete Sitcom zum Erfolg, sondern erfand auch das heute noch gebräuchliche Multi-Camera Setup. So konnte eine Folge in chronologischer Reihenfolge aufgezeichnet werde ohne das Publikum durch wiederholte Takes aus dem Lachen zu bringen. Und auch die Fernsehzuschauer hatten die Illusion der gewohnten Live-Übertragung, da nur selten Szenen wiederholt wurden. Eine der berühmtesten Szenen wurde seitdem in verschiedenen Serien parodiert, unter anderen Family Guy und… ja, My Little Pony.

I Love Lucy – Chocolate

Von Vaudeville zu Sitcom
Bevor I Love Lucy zum Überhit wurde und eine Reihe ähnlicher Serien nach sich zog, waren die live aus New York übertragenden Comedy-Programme gang und gäbe. Das Fernsehen wollte Hollywoods Filmemacher aus dem Fernsehgeschäft heraushalten, indem es sich durch Live-Übertragungen von Theaterstücken profilierte. TV-Größen wie Ed Sullivan, Jackie Gleason und Sid Ceasar kamen vom Radio, wo kurze Sketche an der Tagesordnung waren. Das Fernseh-Äquivalent war eine Erweiterung der Vaudeville-Shows mit den Vorteilen bewegter Bilder: Musik- und Tanzeinlagen wurden durch Monologe und Sketche ergänzt, in denen der Star in verschiedene Rollen schlüpfte.

Das Fernsehen war jung, und niemand brauchte viel Erfahrung, um es zu etwas zu bringen. So wurde der weitestgehend unerfahrene Sid Ceasar bei einem Lunch mit dem NBC Vize-Präsident gefragt, ob es statt etwas Parmesan auch eine halbstündige oder anderthalbstündige Show sein darf. Die 90-minütige Vatieté-Show Your Show of Shows lief ab 1950 vier Jahre lang höchst erfolgreich auf NBC.

Sid Ceasar – Your Show Of Shows, Birthday Sketch

Doch wie David Marc in Television of the Antenna Age schreibt: “Some of the comedy-variety stars, notably Jackie Gleason and Red Skelton, would remain on prime-time TV for decades, playing to their aging audiences. But, with the coming of the telefilm, the comedy genre of network choice became the sitcom.” Bis zum Jahr 1960 betrug der Anteil an Live-Übertragungen nur noch 36 Prozent, von denen ein großer Teil auf das Konto von Sport und Nachrichten ging. Gleichzeitig stiegen die Haushalte mit Fernsehgerät in einem Jahrzehnt von neun auf 85,9 Prozent. Das Zeitalter der Familien-Sitcom konnte beginnen.

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