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Herz für Klassiker

Ich, Convoy & der dreckige Asphalt der Straße

13.01.2015 - 14:00 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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© Kinowelt Home Entertainment/moviepilot
Convoy
Mit Convoy kreierte Sam Peckinpah eine Ode an die Freiheit und schickte eine Gruppe von vor Testosteron strotzenden Haudegen in den Kampf gegen einen mies gelaunten Provinz-Sheriff. Eine Revolte, die mich schon als Kind vor den Bildschirm fesselte.

Sam Peckinpah war vor Convoy hauptsächlich wegen seiner düsteren Western in der Filmbranche bekannt. So schuf der Regisseur mit The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz einen Streifen, der mit atemberaubenden Bildern von einer Welt voller Gewalt und Gesetzlosigkeit erzählt. Die dort geschaffene Vorstellungen von Gut und Böse übernimmt Peckinpah auch in seinem Trucker-Film und lässt einen tapferen Mann gegen einen korrupten Gesetzeshüter antreten, der den ruppigen LKW-Fahrer schon seit Längerem im Visier hat.

Der tiefschwarze Asphalt liegt vor mir. Kilometerweit ragt der mit Dampf und Hitze erbaute Belag in das trockene Niemandsland des US-amerikanischen Bundesstaats New Mexico. Plötzlich ein leises Brummen, ein kurzes Zischen. Zunächst kaum wahrnehmbar, wird das unheilvolle Geräusche immer lauter, bis das Ungetüm endlich in meinem Blickfeld auftaucht. Angestrengt schnauft das mächtige Triebwerk des Trucks unter der gnadenlosen Sonne des Südstaats und kämpft sich so, Kolbendrehung für Kolbendrehung, immer weiter unbarmherzig nach vorne. Auf der Motorhaube prangt stolz eine verchromte Ente, welche sich im rauen Fahrtwind pudelwohl zu fühlen scheint und kraftvoll posiert. Etwas dahinter sitzt am Lenkrad Martin Penwald - besser bekannt als Rubber Duck, die Gummiente - und manövriert den eisernen Koloss gekonnt über die scheinbar unendliche Straße. Er genießt die Unberührtheit der noch wilden Natur und kostet mit jedem Atemzug von dem in Benzin getauchten Geruch der Freiheit. Die Ruhe wird gelegentlich durchbrochen vom elektronischen Rauschen des CB-Funks, der den Fahrern als kommunikatives Sprachrohr dient. So trifft er auch auf Spider Mike und Love Machine, die ebenfalls als Teil des komplexen Gütersystems die pulsierende Wirtschaft mit neuen Waren versorgen. Die drei Rabauken werden schließlich durch absichtlich falsch weitergegebene Anweisungen des Sheriffs dazu verleitet, schneller über den Asphalt zu rauschen, als es das Gesetz erlaubt. Prompt erkennt die rasch installierte Radarfalle des korrupten Beamten, der auf Grund seiner fiesen Art nur Dirty Lyle genannt wird, diesen Verstoß und bittet die wenig begeisterten Herren zur Kasse. Als der rassistische Polizist zudem noch Spider Mike, der schwarz ist, wegen Landstreicherei hinter Gittern bringen möchte, platzt den ohnehin schon erbosten Fahrern der Kragen und eine halsbrecherische Schlägerei bricht aus. Auch aus dem nahe gelegenen Truck Stop eilen weitere Kollegen Rubber Duck zur Hilfe und die nun straffälligen Kumpanen retten sich ins sichere Führerhaus ihrer PS-starken Maschinen. Damit brettern sie unter tosendem Gebrüll der aufheulenden Motoren auf den nahe gelegenen Highway. Der zu Beginn kleinen Kolone schließen sich im Verlauf der Handlung immer mehr Trucks an. Um Rubber Duck vor einer Verhaftung zu beschützen, bündelt der inzwischen große Convoy seine vereinten Kräfte und gerät in einen verheerenden Strudel der Kriminalität.

Warum ich Convoy mein Herz schenke

Convoy gehört, neben dem famosen Krieg der Sterne, seltsamerweise zu den wenigen Filmen, an deren erste Sichtung im Kindesalter ich mich noch bewusst erinnere. Ich saß auf der bequemen Couch im wie immer zu gut beheizten Wohnzimmer meiner Großeltern und wurde regelrecht hineingezogen in die schmutzige Welt der Trucker. Dabei halfen mir in jungen Jahren die klar gezeichneten Linien des Roadmovies, weshalb ich sofort fasziniert war von dem bedingungslosen Zusammenhalt der Fahrer untereinander, die in Scharen an die Seite von Rubber Duck eilten, um ihm und seinen Freunden zu helfen. Um den Klauen des Gesetzes zu entkommen, mussten die eigentlich gar nicht so bösen Trucker immer schwere Straftaten begehen - eine zerstörerische Dynamik, welche mir schon damals an die Substanz ging.

Warum auch andere Convoy lieben werden

Das wilde Abenteuer erzählt dabei mehr als nur die Geschichte eines mutigen Kampfs gegen das Gesetz, sondern lädt seine Zuschauer vielmehr zum gedankenverlorenen Träumen ein. Rubber Duck personifiziert auf rebellische Art die Freiheit, die sich ein jeder wohl schon irgendwann einmal in seinem Leben gewünscht hat. Ausbrechen aus dem eng geschnürten Korsett des Alltags und sich einfach der weitläufigen Straße hingeben. Dabei gibt es für die Gruppe keinerlei Gesetze mehr. Vereint im schützenden Mantel des Convoys sind sie wahrlich befreit und befinden sich in ihrer kleinen, anarchistischen Welt, in der wirklich alles möglich scheint. Ein Gedanke, der den schlafenden Abenteurer in uns weckt und dazu einlädt, ebenfalls die ausgetretenen Pfade unserer Konventionen zu verlassen - zumindest für 111 tolle Minuten.

Warum Convoy die Jahrzehnte überdauern wird

Genau wie die Brummi-Fahrer im Film, gehört Convoy als wahrer "Männerfilm" selbst zu einer Gattung, die vom Aussterben bedroht ist. Schweiß, Dreck und Testosteron sind die simplen Zutaten eines Streifens, der den Zeitgeist eines ganzen Landes einfängt und diesen in ungefilterter Reinform einem breiten Publikum bis heute gekonnt präsentiert. Dabei profitiert der Streifen von einem zeitlos guten Kris Kristofferson und einer faszinierenden Bildgewalt, die vor allem von den tollen Trucks ausgeht, bei denen jedes Modell auf subtile Weise den Charakter des Führers wiedergibt. Da Filme wie Convey heutzutage nicht mehr produziert werden, werden wir uns auch in einigen Jahren noch an dem turbulenten Ritt mit Rubber Duck erfreuen und immer wieder gerne in nostalgischer Erinnerung schwelgen.

"See, my daddy always told me to be just like a duck. Stay smooth on the surface and paddle like the devil underneath!"

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