Mein Herz für Klassiker

Ich, die Lümmel von der ersten Bank & Schlagerhits

Pepe Nietnagel (Hansi Kraus) und Oberstudiendirektor Taft (Theo Lingen).
© Constantin Film
Pepe Nietnagel (Hansi Kraus) und Oberstudiendirektor Taft (Theo Lingen).

Die Kritiken waren katastrophal, kirchliche Vereinigungen waren empört: Die Lümmel von der ersten Bank ist eine deutsche Filmreihe aus den späten sechziger und frühen siebziger Jahren. Sie dreht sich um die Klasse 10a des Mommsen Gymnasiums, die ihre Lehrer mit genial durchgeplanten Streichen zur Weißglut treibt. Die Kritiken waren schlecht, weil die Filme in ihrer klamaukigen Art keinen Kalauer auslassen, die Kirchen waren angefressen, weil das gerade aufkeimende antiautoritäre Gedankengut der 68er in den Filmen deutlich zu Tage tritt. An den deutschen Kinokassen waren die sieben Teile jedoch ein Riesenerfolg. Kein Wunder, konnte für die Filme doch eine ansehnliche Auswahl deutscher Fernsehstars versammelt werden: allen voran Theo Lingen, der als Schuldirektor eine leicht faschistoide Ausgabe von Turnvater Jahn darstellt. Mit von der Partie sind auch Hans Kraus, Uschi Glas, Ralf Wolter oder Hannelore Elsner.

Warum ich den Lümmeln von der ersten Bank mein Herz schenkte
Wie viele andere Kinder auch, dürfte ich, als ich jung war, nicht beliebig viel fernsehen. Meine Eltern hatten da ein sehr genaues Auge auf meine Einflüsse. Die Lümmel von der ersten Bank waren aber erlaubt. Vielleicht weil meine Eltern der gleichen Generation wie die Schüler der 10a entstammten und gerne in Nostalgie schwelgend mitguckten. Hauptsächlich lernte ich durch die Filme, dass Lehrer auch nur so bescheuert sind wie alle anderen Menschen. Das hatten meine Eltern wohl nicht bedacht. Ein zweites Mal schenkte ich den Filmen mein Herz als Teenager. Die Lümmel von der ersten Bank und andere deutsche Komödien aus den Siebzigern kamen regelmäßig in den dritten Programmen. Zusammen mit einem Kumpel verpasste ich kaum eine der Teenieklamotten – diesmal allerdings in vollem Bewusstsein der unfreiwilligen Komik der Reihe.

Warum auch andere die Lümmel von der ersten Bank lieben werden
Die Streiche der 10a um ihren Anführer Pepe Nietnagel (Hansi Kraus) mögen äußerst albern sein – na und? Sie sind lustig. Mir gefällt vor allem die Tatsache, dass die absurden Streiche immer exakt so funktionieren, wie ausgedacht und absolut nichts schiefgeht. Da geht es mir wie Hannibal Smith: ‘Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert’. Die Palette der Streiche reicht von eher harmlosen Aktionen wie einem Luftballon voll Zement (der natürlich vom Lehrer getreten wird) bis zu hanebüchenen Aktionen wie einem vorgetäuschten Sturz aus dem Fenster oder dem Einsperren des Lehrkörpers in einer mit Menschenflöhen versetzten Waldhütte.

Warum die Lümmel von der ersten Bank einzigartig sind
Es gibt Filme, die werden vor allem durch ihren genialen Soundtrack bekannt. Die sieben Teile der Lümmel von der ersten Bank sind das genaue Gegenteil solcher Filme. Die miserable Qualität der Filmmusik ist wahrhaft einzigartig. Wer bei den 68ern an The Doors und Jimi Hendrix denkt, vergisst, dass zu dieser Zeit in Deutschland die Hochzeit des Schlagers war. So bekommen ‘Stars’ wie Heintje Simons oder Peter Alexander in den Filmen Gastauftritte und dürfen dann auch noch mitten in der Handlung anfangen, ihre neuesten Hits zu trällern. Zugegeben, es braucht eine ausgesprochen masochistische Freude am Fremdschämen, um das lustig zu finden. Zum Glück habe ich die.

Warum die Lümmel von der ersten Bank die Jahrzehnte überdauerten
Karottenhosen, Brillen mit dicken Rändern, Vokuhilas – Ich verstehe vielleicht nicht viel von Trends, aber eines weiß ich: Alles kommt irgendwann wieder. Das gilt auch für Sprache. Wenn anstatt cool wieder dufte oder knorke gesagt wird, anstatt Lehrer Pauker und anstatt Schule Penne, dann bin ich vorbereitet.

Wie haben die euch die Filme der Lümmel von der ersten Bank-Reihe gefallen?

Zum durchklicken noch eine kleine Auflistung der sieben Filme der Reihe:
Zur Hölle mit den Paukern (1968)
Zum Teufel mit der Penne (1968)
Pepe, der Paukerschreck (1969)
Hurra, die Schule brennt! (1969)
Wir hau’n die Pauker in die Pfanne! (1970)
Morgen fällt die Schule aus (1971)
Betragen ungenügend (1972)

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