Ich liebe Fast & Furious, aber der 11-Filme-Plan macht mir Angst

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Vin Diesel in Fast & Furious 9
31.10.2020 - 09:00 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Nach Fast and Furious 9 und 10 wird Teil 11 die Reihe beenden. Das ist der große Plan von Vin Diesel und Co. Doch mir als Fan macht das vor allem Angst.

Fast and Furious endet nach 11 Filmen. Bis vor kurzem sah der Plan für das Action-Franchise noch 10 Teile vor. Nun wird die Reihe aufgespannt wie Dom Torettos Muskelshirt, wenn er sich über einen Motor beugt. Nach Teil 11 ist aber Schluss.

Mehr Fast and Furious-Filme? Da sollte mein Fan-Herz eigentlich in den nächst höheren Gang schalten. Auch die Beteiligung von Regisseur Justin Lin stimmt auf dem Papier positiv. Immerhin hob er die Reihe mit Teil 5 auf die Ebene der Blockbuster-Unterhaltung.

So gut wie jede Nachricht über die "großen Pläne" für das Ende von Fast and Furious treibt mir jedoch die Sorgenfalten in die Stirn. Das liegt nicht nur an meiner pessimistisch gestimmten Fantasie, sondern vor allem an den Realitäten der Filmindustrie in der Corona-Ära.

Fast and Furious 9 bis 11: Das sind die großen Pläne

Bis vor ein paar Monaten hieß es, dass Fast 8, 9 und 10 eine Art Trilogie zum Abschluss der Bolliden-Reihe bilden sollten. Im Februar verriet Vin Diesel seine Pläne für eine größere Saga. Ginge es nach ihm, sollte Teil 10 in zwei Filmen erzählt werden.

Han kehrt für Fast and Furious 9 zurück

Vergangene Woche meldete Deadline dann exklusiv den neuen Plan für Fast and Furious. Der sieht aus wie folgt:

  • Fast and Furious 9 kommt 2021 ins Kino
  • Fast and Furious 10 und 11 beenden die Hauptreihe.
  • Justin Lin führt bei allen drei Filmen Regie.

Im Bericht bringen die Branchenexperten den Vergleich zum letzten Avengers-Doppel Infinity War und Endgame. Universals größter Geldgarant in Filmform - größer als die Jurassic Park-Reihe - erhält einen gigantischen Abschluss. (Alle Fast and Furious-Filme in einer Box *)

Mehr Fast and Furious: Warum ausgerechnet jetzt der 11-Filme-Plan?

Dass das Fast and Furious-Finale nun ausgerechnet während der COVID-19-Pandemie verlängert wird, lässt auf pragmatische Beweggründe schließen. Studios wie Universal verlieren durch verschobene Kinostarts viel Geld. Im Falle einer Normalisierung bietet ein 11. Fast and Furious-Film eine sichere Bank.

Der Trailer für Fast and Furious 9:

Fast & Furious 9 - Trailer (English) HD
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Hinzu kommt der Endgame-Effekt. Vor nicht allzu langer Zeit schien das Konzept der zweiteiligen Film-Enden gescheitert. Bei Harry Potter und Twilight strömten die Fans ins Kino, bei Tribute von Panem enttäuschte das Finale Mockingjay 1 und 2 jedoch finanziell.

Wir hatten es fast hinter uns. Dann kamen Avengers: Infinity War und der Nachfolger Endgame. Im Grunde gehen die beiden Filme das "Finale" der Infinity-Saga ähnlich an wie es bei Twilight der Fall war. Nur gibt es endlose Schlachten statt einer endlosen Hochzeit.

Auf einmal war der Blockbuster-Zweiteiler wieder salonfähig und lukrativ. Kein Wunder also, dass Universal in Corona-Zeiten mit Fast and Furious aufspringt. Doch ist Avengers wirklich das richtige Vorbild für die Fast and Furious-Reihe?

Der Avengers-Plan und warum Fast and Furious 11 Sorgen bereitet

In den letzten Jahren wuchs die Fast and Furious-Reihe zu einer Größe heran, die sich irgendwann nur noch mit CGI-Anabolika erklären ließ. Die ersten Stufen davon haben mich noch verzaubert. Sofern Auto-Karambolagen und Faustschläge verzaubern können.

Franchise-Köpfe: Vin Diesel und Dwayne Johnson

Die Tuner-Saga futterte sich mit Neuzugang Dwayne "The Rock" Johnson Blockbuster-Maße an. Genügten im ersten Film noch zwei Autos und eine sinkende Bahnschranke für den Spannungsmoment, rollte in Teil 6 ein brennendes Frachtflugzeug über die längste Landebahn der Welt. In Fast & Furious 8 kam ein Atom-U-Boot zum Einsatz.

Von Film zu Film fällt es mir immer schwerer, die Reihe von gängigen Blockbuster-Megalomanen zu unterscheiden. Einzelne Set-Pieces bereiten Freude (etwa der Knast-Ausbruch oder der Baby-Fight im Flugzeug in Teil 8). Der mit Milliarden Dollar Einspiel einhergehende Größenwahn wirkt neben anderen Hollywood-Riesen allerdings durchschnittlich.

In Teil 9 geht es in den Weltraum, sagen zumindest Michelle Rodriguez und Ludacris. Was kommt als nächstes? Zeitreisen? Das könnte die Rückkehr von Han (Sung Kang) oder später Giselle (Gal Gadot) erklären. Aber wer braucht das Endgame der Fast and Furious-Reihe, wenn es schon Marvels Endgame gibt?

Wenn die Fast and Furious-Reihe etwas nie hatte, dann einen Plan

Justin Lins Beteiligung beruhigt, weil er einen Faible für handgemachte Action und große Gefühle besitzt. Er ist der vermutlich einzige Regisseur, den ich einen gelungenen Abschluss der Reihe zutrauen würde.

Giselle und Han

Nur scheint sich das Franchise diesmal wider seiner eigenen Instinkte zu entwickeln. Wenn die Filme eines nämlich nie besaßen, dann einen Plan für die Zukunft. Viele Fast and Furious-Filme begeistern mit einer absurden Gabe der Improvisation. Hauptdarsteller verschwinden zwischenzeitlich. Zeitlinien werden neu sortiert. Bösewichte verwandeln sich in Buddys. Das zählt zum soapigen Reiz der Actionreihe: Wilde Twists, die höchstens nach zu viel Bier oder zu wenig Schlaf abgenickt werden.

Das hebt die Reihe auch vom Marvel Cinematic Universe, James Bond, Jurassic World und Star Wars ab. Viele Franchises bemühten sich zuletzt um eine serielle Erzählung für ihre Sequels. Aber keiner gelingt das so chaotisch, übertrieben und melodramatisch wie der Fast and Furious-Reihe. Das zweiteilige Ende mit Ansage wirkt vor diesem Hintergrund wie ein weiterer Schritt der Normierung eines einzigartigen Blockbuster-Vehikels.

Alle Sorgen führen zum selben Ende

All diese Gründe rollen seit Ankündigung des 11. Teils über meine Synapsen. Sie stauen sich als unscharfe Sorgen über die Zukunft einer Filmreihe, die mir in den letzten 10 Jahren mehrfach den Glauben an den Hollywood-Blockbuster zurückgegeben hat. Jedes Mal, wenn ich diesen Stau auflösen will, lande ich beim selben Gedanken: Diese Reihe hat ihren logischen Schlusspunkt schon erlebt. Sie hat ihn ignoriert und sucht nach Ersatz.

Der Sonnenuntergang der Fast and Furious-Reihe war eine Improvisation mit tragischem Hintergrund: der Unfalltod von Paul Walker. In Teil 7 sahen wir, wie sich die Wege von Brian O'Conner (Walker) und Domenic Toretto (Vin Diesel) trennten. Damals konnte ich mir ein Filmleben ohne Fast and Furious nicht vorstellen. Heute wirkt dieser traurige und gleichzeitig perfekte Sonnenuntergang wie eine verpasste Chance.

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Was erwartet ihr vom "richtigen" Ende von Fast and Furious?

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