Unbeliebter Bond-Film: Ein Quantum Trost ist viel besser als sein Ruf

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© Sony Pictures
James Bond 007 - Ein Quantum Trost
05.03.2020 - 17:00 Uhr
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Während Daniel Craig als James Bond von den Fans geliebt wird, ist sein zweiter Doppelnull-Auftritt bis heute maßlos unterschätzt. Ein großes Missverständnis.

Mit James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben erwartet uns der nunmehr 25. Eintrag in das ikonische Agenten-Franchise. Über 160 Minuten wird das Epos von Regisseur Cary Joji Fukunaga auf die Waage bringen, und zeigt sich dabei mit Anforderungen konfrontiert, die andere Filmemacher von vornherein in die Flucht geschlagen hätten.

Neben außerordentlichen Fan-Erwartungen und kommerziellen Tentpole-Ansprüchen unterliegt James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben natürlich auch einem unausweichlichen Schuldigkeit: Daniel Craig in seinem fünften und letzten Auftritt in der Rolle der Doppelnull einen gebührenden Abschluss zu bieten.

Ein Quantum Trost: Der unterschätzte Amoklauf der Daniel Craig-Ära

Lohnenswert ist es, noch einmal auf die Ursprünge dieses zeitgemäßen, verwundbaren James Bond aus Fleisch und Blut zu blicken. Während James Bond 007 - Casino Royale von Martin Campbell zur beachtlichen Renaissance taugte, erwies sich James Bond 007 - Ein Quantum Trost insgeheim als wahre Sensation innerhalb der Daniel Craig-Ära.

James Bond 007 - Ein Quantum Trost

Erkennen möchte die pulsierende Genialität eines James Bond 007 – Ein Quantum Trost hingegen kaum jemand. Stilistische Parallelen zur Jason Bourne-Reihe mit Matt Damon werden despektierlich als Nachahmung ausgelegt, während maximal durchschnittliche Werte auf Metacritic  oder Rotten Tomatoes  die stiefmütterliche Akzeptanz dieses tollwütigen Action-Berserkers von Marc Forster belegen.

Dabei ist James Bond 007 – Ein Quantum Trost die ungemein logische Konsequenz, die sich unweigerlich aus dem allseits (zu Recht, ja) bejubelten Vorgänger ergeben musste. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die James Bond aus seinen Begegnungen mit Le Chiffre (Mads Mikkelsen) und Versper Lynd (Eva Green) gezogen hat, haben ihn zu dem gemacht, wovor M (Judi Dench) bereits frühzeitig warnte: Eine außer Kontrolle geratene Waffe.

Ein gnadenloser Todbringer namens Bond, James Bond

Es geht dem Film daher auch weniger darum, eine möglichst ausgefeilte Geschichte zu erzählen, als vielmehr um den Zustand, archaischen Gefühlen vollkommen ausgeliefert zu sein. Zuträglich ist dieser Intention bereits die sequenzielle Konzeption, die James Bond 007 – Ein Quantum Trost zur ersten direkten Fortsetzung erklärt: Das Drängende und Drückende, welches die nahtlose Anknüpfung zu James Bond 007 – Casino Royale in sich trägt, ist grimmige Methode.

Das Herz von James Bond wurde in tausend Teile zerschlagen, übrig geblieben ist nur noch ein verschwitzter, verdreckter, blutverkrusteter Amokläufer; ein wutschnaubender Todbringer, dessen Name offenkundig die einzige Übereinstimmung mit dem wohl berühmtesten MI6-Agenten der Popkultur ist: James Bond 007 – Ein Quantum Trost ist ein Abgesang auf die eigene Identität.

Marc Forster treibt der James Bond-Marke all den Leichtsinn, die Romantisierung, das Träumerische aus und lässt den allseits bekannten Stoff spannende Falten schlagen, die den Zuschauer bewusst ins Stolpern bringen. Nicht einmal ein selbstvergessenes Techtelmechtel ist dem ehemals virilen Raufbold hier vergönnt. Frauen, die Kontakt zu James Bond pflegen, schweben in Lebensgefahr. Sein Charme ist tödlich, wie M ihm berechtigterweise vorwirft.

James Bond 007 - Ein Quantum Trost

Die weitreichend gescholtenen, angeblich dilettantisch zerschnittenen Action-Sequenzen unterstützen Marc Forsters-Vision unterdies durchgehend. James Bond 007 – Ein Quantum Trost beschäftigt sich ausnahmslos mit dem rachsüchtigen Gemütszustand seines Protagonisten, was die hektischen, unkonzentrierten Set Pieces zum brodelnd-dynamischen Ausdruck seelischer Verletzungen werden lassen. Forsters Bond dringt über das Körperliche geradewegs in das Innere ein. Mit dem Kopf voraus.

Der Mythos James Bond wird zerstört, um ihn lebendig zu halten

James Bond leidet, kontinuierlich. Die überraschend überschaubare Laufzeit von etwas mehr als 100 Minuten verdichtet den Blick auf einen Mann, der Schmerzen nur mit neuen Schmerzen behandeln kann. Diese energetische Dekonstruktion eines augenscheinlich unantastbaren Mythos führt unseren Helden (oder Schurken?) schließlich in die bolivanische Wüste. Vor symbolischen Bildern sträubt sich Forster keinesfalls, sinnfälliger als diese ewige Einöde aber erscheint keine Aufnahme.

Denn genauso ausgedörrt und brach, wie die endlosen Weiten erscheinen, so leer und rastlos fühlt sich auch James Bond. Und trotzdem sind dort nicht nur Spuren von Leben im Sand, auch für James Bond besteht noch eine Chance, in genau dieses zurückzukehren. An anderer Stelle, irgendwann. Dieser wutschnaubende, radikale und ständig unter Strom stehende Kracher hat dafür endgültig die wichtigen und richtigen Weichen gestellt.

James Bond 007 – Ein Quantum Trost ist heute Abend um 20:15 Uhr auf Vox zu sehen.

Wie steht ihr zu Ein Quantum Trost?

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