Elegische bis schräge Filme

Jim Jarmusch - Independent-Ikone wird 60 Jahre alt

Jim Jarmush am Set von Limits Of Control
© Universum
Jim Jarmush am Set von Limits Of Control

Heute vor genau 60 Jahren erblickte der Autor, Regisseur und Gelegenheitsschauspieler Jim Jarmusch in der Kleinstadt Cuyahoga Falls im amerikanischen Bundesstaat Ohio das Licht der Welt. Mit elegischen bis schrägen Filmen wie der länderübergreifenden Großstadtballade Night on Earth oder der schwarz-weißen Westernmeditation Dead Man konnte er sich als stilbildende Ikone des unabhängigen Kinos behaupten, der auch einem Ausflug in leichtere und massentauglichere Gefilde wie Broken Flowers seine ureigene Handschrift aufdrückte.

1980 debütierte der damals 27-jährige studierte Literat und Filmwissenschaftler mit dem Low-Budget-Drama Permanent Vacation über die Jugend eines schwer erziehbaren Teenagers in Manhattan zwischen Gefängnisaufenthalten und Subkultur. Dies war zugleich der Abschlussfilm seines Regiestudiums an der New Yorker Universität, in dem unter anderem die Regielegende Nicholas Ray (… denn sie wissen nicht, was sie tun) zu seinen Lehrern zählte. Mit seinem nächsten Film Stranger Than Paradise konnte Jim Jarmusch nicht nur größere Aufmerksamkeit erzielen, sondern fand auch seine eigene Filmsprache. Lohn war unter anderem ein Nachwuchspreis bei den Filmfestspielen von Cannes.

Lange, totale Einstellungen dominieren die in langsamem Tempo inszenierten Filme von Jim Jarmusch, in denen oft befreundete Musiker wie Tom Waits oder Iggy Pop Auftritte als Schauspieler haben. Eine gewisse Melancholie durchdringt die Schilderung der banalen bis besonderen Alltagssituationen, von denen die Filme des Regisseurs handeln. Oft sind sie eingefangen in schwarz-weiße oder blasse Bilder und unterlegt mit einem punkigen bis avantgardistischen Klangteppich seiner eben genannten Freunde und vergleichbarer Künstler wie etwa Neil Young. Dessen Tournee mit seiner alten Band Crazy Horse dokumentierte der Regisseur 1997 unter dem Titel Year of the Horse, nachdem er drei Jahre zuvor bereits um die psychedelische Musik des Kanadiers die Westernmorität Dead Man mit Johnny Depp gestrickt hatte.

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Nachdem er als redseliger Ganover seinen Zellengenossen den letzten Nerv in der lakonischen Gangsterkomödie Down by Law – Alles im Griff geraubt hat, taucht Roberto Benigni 1991 auch in dem vielleicht berühmtesten Film von Jim Jarmush auf, dem Episodendrama Night on Earth, das mit einer imposanten Starbesetzung eine Nacht aus der Sicht mehrerer Taxifahrten auf unterschiedlichen Kontinenten zusammenfasst. Die Episode mit dem italienischen Komiker, der als lüsterner Fahrer einen Geistlichen in den Tod treibt ist brüllend komisch und kontrastiert die anderen, eher schwermütig angelegten Geschichten aus Helsinki, Paris oder Los Angeles. Besonders anrührend gelang dem Regisseur und Autor die Fahrt durch seine Wahlheimat New York, in der a als verhinderter deutscher Clown Helmut das Steuer lieber seinem Fahrgast überlässt.

Es folgte Jim Jarmuschs eigenwillige Gangsterfilmvariante Ghost Dog – Der Weg des Samurai, in dem Auftragskiller Forest Whitaker seine Arbeit nach dem Ehrenkodex der Samurai verrichtet und der lässige Episodenfilm Coffee and Cigarettes, in dem sich die schauspielerischen Stammkräfte des Regisseurs im blauen Dunst ein redseliges Stelldichein geben. Die meist improvisierten Dialoge sind ein weiteres Markenzeichen von Jim Jarmusch, der dafür bekannt ist, seinen Darstellern viel Freiraum bei der Rollenentwicklung zu lassen und oft nur eine Spielsituation schafft, die Tom Waits und Co. selbständig ausfüllen dürfen. Bill Murray gelang dies in Broken Flowers wie zu erwarten ohne große Mühe. Der Schauspieler trägt den Film über einen alternden Womanizer auf der Reise in die Vergangenheit mit seiner stoischen Ruhe fast im Alleingang.

Seit dem Psychodrama The Limits of Control mit Isaach de Bankolé, einem weiteren von Jim Jarmusch gern besetzten Schauspieler, sind mittlerweile drei Jahre vergangen. Mit Only Lovers Left Alive arbeitet der Regisseur momentan an einem neuen Projekt. Es soll sich um dabei um einen Vampirfilm mit Tilda Swinton handeln, der sich aktuell in der Postproduktion befindet. Wir hoffen auf ein weiteres gelungenes Werk und gratulieren Jim Jarmusch zu seinem heutigen Jubiläum.

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