Leonardo DiCaprio und ein Eisberg aus Tränen: Warum ich Titanic und das Kino liebe

Kate Winslet und Leonardo DiCaprio in Titanic
© 20th Century Fox
Kate Winslet und Leonardo DiCaprio in Titanic
25.09.2019 - 13:35 UhrVor 9 Monaten aktualisiert
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Den Film, der die Liebe zum Kino entfacht hat, vergisst man nicht. Bei mir war das Titanic, den ich allein 1998 viermal gesehen habe. Die Erinnerung ist noch immer lebendig.

1998 war ein turbulentes Jahr für mich, denn es war das Jahr, in dem ich zum ersten Mal Titanic sah - und das Kino für mich entdeckte. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dieser Film das Leben meines 12-jährigen Ichs auf den Kopf stellte und meine Empfänglichkeit für romantisches Pathos wie einen Waldbrand entfachte. Dabei wusste ich in diesem Stadium meines Lebens noch rein gar nichts über Liebe.

Nein, Titanic war nicht der erste Film, den ich im Kino sah, aber bis heute ist er mein liebster. Meine jugendliche Begeisterungsfähigkeit von damals spielt dabei mindestens eine genauso große Rolle wie die nostalgischen Gefühle, die ich dem Mega-Blockbuster als Erwachsene entgegen bringe und nein, ich schäme mich für nichts.

Ein denkwürdiger Kino-Abend mit Titanic

Es war ein ziemlich kühler Abend im Januar 1998, der alles verändern sollte. Damals lebte ich in einem kleinen Kaff, das nächste Kino lag eine 20-minütige Autofahrt entfernt und ein Besuch von ebenjenem markierte dementsprechend ein seltenes Großereignis. Meine Mutter hatte grünes Licht gegeben, was sie vielleicht nicht getan hätte, hätte sie sich vorab richtig über Titanic informiert - aber dazu später mehr!

Titanic

So standen gegen 18 Uhr meine beste Freundin und deren Mutter bei uns vor der Tür, um mich abzuholen und die Reise ins entfernte Saarland konnte losgehen. Wir sahen Titanic in einem sympathischen Provinz-Kino mit nur einem Saal, der naturgemäß den ganz großen Film-Highlights vorbehalten war und in dem zwischen der Werbung und dem Hauptfilm tatsächlich noch ein Eisverkäufer (der Inhaber persönlich!) durch die Reihen ging.

Ehrlich gesagt hatte ich für dieses Drumherum allerdings keinen Nerv, denn ich war schon vorab ein wenig aufgekratzt und froh, als meine Begleiter mit Popcorn bewaffnet endlich auch ihren Weg in den Saal fanden, nachdem ich bereits seit gefühlt zwei Stunden Platz genommen hatte. Neben mir stapelten sich unsere Jacken, die beim Einsetzen des Abspanns immer noch nach frischer Luft rochen. Den tragischen Szenen im eisigen Meer verlieh das irgendwie eine besondere Note.

Dank James Cameron liebe ich das Kino

Natürlich war von Anfang an klar, was mit dem Schiff passieren würde. Ganz und gar nicht vorhersehbar waren die starken Emotionen, die ich diesem Drama entgegen brachte und die ich hauptsächlich auf die begnadete Erzählkunst James Camerons zurückführe.

So und nicht anders inszeniert man einen Film, der Millionen von Menschen fesseln und das Wasser in die Augen treiben soll. Nicht umsonst gilt daher auch heute noch: Wenn ich Titanic sehe, sind Leonardo DiCaprio und Kate Winslet für mich 3 Stunden lang die Könige der Welt, denen ich jederzeit die verdammte Tür (ja, es hätten beide drauf gepasst!) überlassen würde.

Am stärksten jedoch beeindruckte mich die Szene, in der die Bordkapelle beschließt, einfach weiterzuspielen und so in Würde dem Tod entgegenzutreten. Weit mehr nämlich als die späteren Tearjerker-Momente zwischen Jack und Rose sind sie Ausdruck eines aufrichtigen, eher beiläufig eingestreuten Humanismus, von dem ich glaube, dass viele Titanic-Kritiker ("Das ist doch bloß ein Frauenfilm!") ihn übersehen oder ignorieren.

Meine Ergriffenheit ob all dem zurückzuhalten, wurde von Minute zu Minute schwieriger und der Blick zur linken Seite, wo niemand saß, entpuppte sich als langfristig ungeeignete Lösung. In den finalen Minuten wurde mir dann alles egal, eine Sturmflut ist eben nicht so leicht aufzuhalten.

Umso geschockter war ich, als ich für einen kurzen Moment das vergleichsweise unbeteiligte Gesicht meiner Freundin ansah, zumal ich zu diesem Zeitpunkt schon lange in einem Meer aus meinen eigenen Tränen schwamm. Im Verlauf der Mittelstufe ging es mit unserer Freundschaft übrigens bergab, was im Nachhinein nicht besonders überrascht. Die Vorzeichen mussten nur gelesen werden.

Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in Titanic

Als wir das Kino verließen, fühlte ich mich, als hätte ich soeben einen Marathon absolviert, die Erschöpfung ließ sich an meinem knallroten Gesicht klar ablesen. Und die Turbulenzen waren noch nicht vorbei, denn wie ich jetzt erfuhr, hatte meine Mutter gegen 22:00 Uhr im Kino angerufen. Sie wusste nicht um die Überlänge des Films und machte sich Sorgen. Was für ein Abend!

Warum Titanic und ich zusammengehören

1998 sah ich Titanic noch einige weitere Male auf der großen Leinwand und nie war es geplant. Zum Beispiel besuchte ich eine Vorstellung im Rahmen unseres Sommerurlaubs auf Usedom - in einem spartanisch ausgestatteten, gleichwohl ausverkauften Kino mit Blechdach und während der Vorführung regnete es wie aus Eimern. Man möchte sagen: standesgemäß.

Vermutlich brauche ich es nicht extra erwähnen, aber in dieser Lebensphase war mein Zimmer mit Leo-Postern tapeziert und die Céline Dion-Single My Heart Will Go On erwarb ich vorzeitig in einem richtigen Plattenladen, als Amazon noch in den Kinderschuhen steckte. Den Song liebe ich genauso wie den Film, wie könnte man beides auch voneinander trennen? Mein Federmäppchen zierten derweil Leo-Aufkleber und einmal meinte meine Englischlehrerin, sie fände ihn "auch gut".

Für mich ist Titanic der letzte große Liebesblockbuster, das Ende einer Ära. Einerseits möchte ich zu gerne noch mal einen Film mit den selben oder wenigstens ähnlichen Augen sehen, andererseits bin ich froh, dass ich es nicht kann.

Was mir erst nachträglich bewusst wurde: Titanic hat mir - im Gegensatz zu den meisten Disney-Filmen - nicht einmal unrealistische Vorstellungen vom Leben vermittelt. Romantische Liebe ist heftig, aber kurz. Wer möchte der Beziehung von Jack und Rose schon gern jahrzehntelang folgen, wenn nur noch Schweigen, stille Verachtung und faule Kompromisse übrig sind?

Nicht falsch verstehen: Ich mag auch das mitunter spitzfindig als "Titanic-Sequel" bezeichnete düstere Charakter-Drama Zeiten des Aufruhrs, für das DiCaprio und Winslet rund eine Dekade später erneut als Paar unter ganz anderen Umständen vor der Kamera standen. Doch müsste ich mich auf einen Kinofilm festlegen, dem mein Herz gehört - die Wahl wäre eindeutig.

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