Doctor Strange 2 macht Wanda kaputt – und beweist, dass Marvel ein Frauenproblem hat

Doctor Strange in the Multiverse of Madness - Trailer (Deutsch) HD
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Wanda aka Scarlet Witch in Doctor Strange in the Multiverse of Madness
13.05.2022 - 15:08 UhrVor 4 Tagen aktualisiert
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Doctor Strange in the Multiverse of Madness stürzt Wanda aka Scarlet Witch in eine schlimmere Krise als WandaVision – und verwandelt die mächtigste Frau im MCU in ein sexistisches Klischee.

Es gibt viele Dinge, die man an Doctor Strange in the Multiverse of Madness kritisieren kann, wenn man mag. Zum Beispiel, dass im Kern des Films kein außer Kontrolle geratenes Multiversum stand, obwohl sowohl Titel als auch Trailer es suggerierten. Oder dass man dem Marvel-Blockbuster anmerkte, dass die Produktion durch mehrere Verschiebungen zunehmend chaotischer wurde.

Die größte Sünde, die Doctor Strange 2 begeht, reicht allerdings weit über die 126 Minuten Laufzeit hinaus. Der Film ist ein einziges Attentat auf den Charakter von Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen) – und beweist, dass die Sexismus-Probleme des MCU nicht mit Black Widow beerdigt wurden. Achtung, es folgen Spoiler für die Handlung von Multiverse of Madness.

Doctor Strange 2 wiederholt den Konflikt von WandaVision – nur extremer

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Wanda durchläuft seit ihrem ersten Auftauchen im MCU eine traumatische Situation nach der nächsten. Erst wird sie als Bösewichtin eingeführt, dann wird sie Mitglied der Avengers und verliert im tödlichen Kampf gegen Thanos mit Vision das bisschen Glück, dass sie sich in den letzten Jahren aufgebaut hat. Was die Hexe in der Disney+-Serie WandaVision dazu bringt, sich eine künstliche Realität zu schaffen, in der sie ein behütetes Familienleben mit Vision und zwei gemeinsamen Söhnen lebt.

Klingt nach Happy End, ist aber eigentlich ein Horroszenario. Denn damit das vermeintlich perfekte Leben mit idyllischer Nachbarschaft in der Kleinstadt funktioniert, hält Wanda die echte Bevölkerung von Westview in ihrer Wunschvorstellung gefangen. Erneut ist sie die Bösewichtin. Bis Wanda im Finale realisiert, welchen Schaden sie mit ihren Taten anrichtet. Am Ende der Serie scheint es, als wäre Wanda über ihre Flucht vor echter Traumabewältigung hinweg.

Nur um in Doctor Strange 2 mit ihrem alles überstrahlenden Wunsch nach einem harmonischen Familienleben weiterzumachen. Allerdings hat sie diesmal noch mehr Macht hat, weil sie im Besitz des Darkholds ist, eines schwarzmagischen Zauberbuchs. Um sich ihre Zwillinge aus einem anderen Universum zurückzuholen, hält Wanda Menschen nun nicht mehr nur gefangen, sie hinterlässt im wahrsten Sinne des Wortes Leichenberge.

Wanda Maximoff: Vom Avenger zur "hysterischen" Marvel-Mutter

Wanda scheint in Multiverse of Madness nichts aus WandaVision gelernt zu haben

Es ist schon irritierend genug, dass Wandas Evolution zur noch böseren Bösewichtin voranschreitet, als hätte es das Finale von WandaVision nie gegeben. Wirklich ärgerlich wird es aber, als Doctor Strange 2 Scarlet Witch als eindimensionale Karikatur einer "hysterischen" Frau zeigt, die ihre Gefühle nicht im Griff hat. Ihre Komplexität, ihre Vielschichtigkeit als Charakter und alles, wofür sie bisher gekämpft hat, wird auf ihren zum Wahn gewordenen Kinderwunsch reduziert.

Schon Black Widow wird in Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron in den Mund gelegt, dass sie sich wegen ihrer Unfähigkeit, Kinder zu bekommen, als "Monster" sehe. Wanda darf nun keine Identität, keine Gefühle, kein Leben abseits ihres Wunsches, Hausfrau und Mutter zu sein, mehr haben. Selbst ihre große Liebe Vision und ihr Bruder Pietro scheinen keine Rolle mehr zu spielen. Zu suggerieren, dass Mutterschaft alle anderen Aspekte, die zur Existenz einer Frau gehören, auslöscht, ist nicht nur beleidigend für eine Frauenfigur im größten Blockbuster-Franchise der Welt – sondern auch für jede weibliche Person im Kinosaal.

Multiverse of Madness macht eine Zukunft von Scarlet Witch im MCU fast unmöglich

Vielleicht fühlen sich viele der Entscheidungen, die für Wanda in Doctor Strange 2 getroffen wurden, deswegen wie ein Verrat an, weil Wanda eigentlich so ein toller, spannender Charakter ist. Auch wenn Multiverse of Madness offen lässt, ob Scarlet Witch die Zerstörung des Darkholds überlebt, ist davon auszugehen, dass wir sie nicht zum letzten Mal gesehen haben. Nur: Wie soll es von hier aus weitergehen?

Für alle, die Doctor Strange 2 schon gesehen haben: unsere Spoiler-Review

Doctor Strange 2: Spoiler Review in the Multiverse of Madness
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Wanda weiterhin als Antagonistin auftreten zu lassen, würde sich wie eine billige Wiederholung anfühlen. Wie oft kann jemand realisieren, dass er oder sie einen Fehler gemacht hat, um dann genau den gleichen Fehler wieder zu machen, aber mit noch dramatischeren Auswirkungen? Gleichzeitig fühlt es sich nahezu unmöglich an, Wanda erneut als Teil der Avengers zu sehen. Dafür sind ihre Taten in Doctor Strange 2 zu extrem.

Das MCU hat zwar bereits mehrfach bewiesen, dass Charaktere falsche Entscheidungen treffen und anschließend rehabilitiert werden können. Gerade wenn sie unter dem Einfluss einer bösen Macht standen. Doch Wanda hat nicht nur aus vollkommen egoistischen Gründen mehrere Superheld:innen und Magier:innen ausgelöscht, sondern auch versucht, America Chavez zu töten – ein Kind! In den Comics wechselte Wanda Maximoff immer wieder zwischen Gut und Böse. Ob diese moralische Ambivalenz langfristig auch für das MCU funktioniert? Bisher sieht es nicht so aus.

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