Jahresrückblick 2012

Meine Lieblingsschauspielerin 2012 - Meryl Streep

© Concorde

Die Schauspiellegende Meryl Streep wurde dieses Jahr mit allerlei Preisen für ihre Leistung im Biopic Die Eiserne Lady geehrt, allen voran gab es den Oscar für die Beste weibliche Hauptrolle. Neun Monate nach deutschem Kinostart des Dramas von Phyllida Lloyd kann ich immer noch nicht anders, und küre den Hollywoodstar zu meiner Schauspielerin des Jahres 2012. Zu stark war ihre Performance als von Demenz gezeichnete Spitzenpolitikerin auf dem Abstellgleis.

Dank einer tollen Maske schafft es Meryl Streep, die eiserne Lady Margaret Thatcher in verschiedenen Lebenslagen gleichermaßen überzeugend zu verkörpern. Besonders berührt haben mich dabei die Szenen, in der sie sich als alte Frau in ihrer Londoner Wohnung immer noch vorstellt, ihren geliebten Gatten an ihrer Seite zu haben, obwohl Denis Thatcher bereits seit einiger Zeit nicht mehr unter den Lebenden weilt. In jeder Sekunde habe ich Meryl Streep sowohl die an fortschreitender Demenz leidende alte Dame als auch die ehemalige konservative Spitzenpolitikerin abgekauft. Dabei fühlte ich mich an die ähnlich starke Leistung des legendären Orson Welles in Citizen Kane von 1941 erinnert, in dem das Enfant Terrible 26-jährig in seiner Rolle als Pressemogul Charles Foster Cane auch dann überzeugen konnte, als er den Verleger bei einem Wutausbruch im hohen Alter verkörpert hat.

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Meryl Streep ist für mich die größte Schauspielerin ihrer Generation. Bereits als junge Frau prägte sie mit ihrem sensiblen und emotionalen, aber niemals übertriebenen Spiel Klassiker wie den Antikriegsfilm Die durch die Hölle gehen von Michael Cimino oder das Scheidungsdrama Kramer gegen Kramer, für das sie sich 1979 an der Seite von Dustin Hoffman ihren ersten Oscar erspielt hat. Zahlreiche Dramen und Epen wie Sophies Entscheidung oder Jenseits von Afrika folgten in den 1980er Jahren, bevor sich die aus dem Bundesstaat New Jersey stammende Schauspielerin mit Filmen wie Der Tod steht ihr gut oder Mamma Mia! auch der leichteren Komödie zuwendete und so auch auf diesem Gebiet ihre unglaubliche Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen konnte. Mit Am wilden Fluß wagte sie 1996 sogar einen Ausflug ins Actiongenre.

Mit unglaublichen 17 Oscarnominierungen und drei Siegen (Awardsdatabase.oscars.org) hält Meryl Streep einen unerreichten Rekord in Hollywood. Diese Ehrungen sind alle völlig verdient, da die mittlerweile 63-jährige Schauspielerin es stets schafft, in ihre Figuren einzutauchen und sie glaubwürdig und authentisch zu verkörpern, ob nun eine biestige Moderedakteurin in Der Teufel trägt Prada oder eben die britische Premierministerin Margaret Thatcher, die bis heute eine der umstrittensten Politikerinnen Europas geblieben ist. Dies liegt an vielen kontrovers diskutierten Entscheidungen wie beispielsweise der Entsendung britischer Truppen auf die Falklandinseln.

Meryl Streeps Darstellung der ehemals mächtigen Politikerin ist ein Wagnis, da die echte Margaret Thatcher noch am Leben ist. Die Schauspielerin belässt ihrer Figur die nötige Würde sowohl als resolute und bisweilen verhasste Kämpferin, als auch als orientierungslose alte Frau, die allmählich die Kontrolle über sich verliert. Dabei braucht Meryl Streep keine großen Gefühlsausbrüche,es reichen einige wenige Blicke oder kleine Gesten und sie ist Margaret Thatcher. Als Meryl Streeps Figur nach ihrem erzwungenen Rücktritt für einen winzigen Moment die Fassung verliert und die Tränen in der Öffentlichkeit nicht mehr zurückhalten kann, fühlte ich mich an die Nachrichten des Jahres 1990 erinnert und glaubte, der echten Margaret Thatcher im Kino zuzusehen. Dabei war ich nur Zeuge einer weiteren herausragenden Performance der Ausnahmeschauspielerin Meryl Streep.

Was haltet ihr von Meryl Streep? Und welche Dame hat euch in diesem Kinojahr überzeugt?

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