Men in Black: International: Was beim Spin-off alles schiefgelaufen ist

Men in Black: International
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Men in Black: International konnte sich zwar dank Chris Hemsworth, Tessa Thompson und Liam Neeson mit einer großartigen Besetzung brüsten. Doch der Film fiel an seinem Startwochenende mit Schwung auf die Nase. Die Box Office-Zahlen sind enttäuschend, die Kritiker alles andere als angetan. Bleibt die Frage: Was hat Men in Black: International falsch gemacht?

Die wichtigsten Fakten zum Flop von Men in Black: International

Der Blick auf die Zahlen von Men in Black: International ist ernüchternd. Der Film war ein finanzieller Flop, sowohl zuhause in Nordamerika, als auch hier in Deutschland und dem Rest der Welt:

  • Zum Startwochenende spielte Men in Black: International in Nordamerika lediglich 28,5 Millionen US-Dollar ein, über 20 Millionen Dollar weniger als jeder der drei vorherigen Teile.
  • In Deutschland machte das Reboot nur 1,1 Millionen Euro Gewinn, was in etwa ein Viertel dessen ist, was Men in Black 3 vor sieben Jahren am ersten Wochenende einspielte.
  • Weltweit konnte das Reboot gerade einmal 102,2 Millionen Dollar einspielen. Zur Erinnerung: Das Budget des Films beläuft sich auf rund 110 Millionen Dollar ohne Werbekosten.

Zudem kommt der Film auch bei den Kritikern und vielen Fans eher mäßig bis gar nicht gut an. Auf Rotten Tomatoes dümpelt Men in Black: International bei einer Kritikerwertung von unschönen 24 Prozent herum. Hier auf Moviepilot erreicht er bei der Community gerade einmal einen Schnitt von 5,7 von 10 Punkten Punkten.

Warum ist Men in Black: International so eine Enttäuschung?

Das erste Spin-off der Men in Black-Reihe konnte mehrere wichtige (inhaltliche) Herausforderungen nicht meistern:

  • Sich in einer Zeit, in der niemand nach einem vierten Men in Black-Film verlangt hat, als eigenes Produkt mit Daseinsberechtigung zu etablieren.
  • Die wichtige Dynamik eines Will Smith und Tommy Lee Jones einzufangen. Zwar machen Chris Hemsworth und Tessa Thompson ihren Vorgängern alle Ehre, doch das emotionale Gegengewicht fehlt völlig.
  • Mit frischen, aktuellen und clever behandelten Themen aufzuwarten.

Doch wie konnte es dazu kommen, dass hier so eindeutige Anforderungen nicht erfüllt wurden? Mit einem Regisseur wie F. Gary Gray (Straight Outta Compton) und einer so charismatischen Besetzung hätte doch ein solider Erfolg garantiert sein müssen.

Das Branchenblatt The Hollywood Reporter sprach mit einigen anonymen Insidern, die an der Produktion beteiligt waren. Den dadurch zutage geförderten Informationen nach ist es kein Wunder, dass sich Men in Black: International für niemanden wirklich rund oder frisch anfühlt.

Men in Black: International war von Anfang an nur zweite Wahl

Men in Black: International fühlt sich an wie die zweite Wahl. Das liegt daran, weil er genau das ist. Ursprünglich hätte dieses Soft-Reboot nämlich kein reiner Men in Black-Film werden sollen, sondern ein ebenso ambitioniertes wie sicherlich herrlich schräges Crossover mit den 21 Jump Street-Filmen von Christopher Miller und Phil Lord.

Das bedeutete, dass sich Miller, Lord und Produzent Neal H. Moritz irgendwie mit den Verantwortlichen der Men in Black-Partei (darunter Steven Spielberg und Walter F. Parkes) einigen mussten. Doch die Verhandlungen zur Produktion scheiterten letztendlich und Sony beschloss, kein Risiko einzugehen. So begann die Arbeit an einem reinen Men in Black-Projekt.

Verwirrende Drehbuchbastelei und ein Privatkrieg zwischen Regisseur und Produzent

Men in Black: International mauserte sich im Laufe der Dreharbeiten zum absoluten Inbegriff der "Probleme aufgrund kreativer Differenzen". Am Ende wurde hier ein kleiner Privatkrieg zwischen Regisseur F. Gary Gray und Produzent Walter Parkes (der den ersten Men in Black-Film schrieb) auf den Schultern der Darsteller und des Films ausgetragen.

Der ursprüngliche Entwurf des Drehbuchs von Art Marcum und Matt Holloway war Insidern zufolge sogar wirklich gut. Das Skript habe wesentlich mehr Persönlichkeit gehabt, den Mut, anzuecken, und es sei außerdem zeitgemäßer gewesen. Die aktuelle Immigrations-Debatte sei diskutiert worden und der Bösewicht sei ebenfalls spannend gewesen.

Doch da Regisseur und Produzent völlig verschiedene Visionen verfolgten, durchlief dieses Drehbuch mehr als nur eine Änderung, und die Dreharbeiten mutierten zum Chaos:

  • Parkes hatte in Sachen Befehlsgewalt als Produzent das letzte Wort, weswegen Grays Ideen häufig nicht umgesetzt wurden.
  • Diese Streitereien gingen so weit, dass Gray das Projekt verlassen wollte, von Sony aber überzeugt wurde, zu bleiben.
  • Unter Parkes Aufsicht durchlief das Skript nicht nur in der Preproduction zahlreiche Rewrites, sondern auch während der Dreharbeiten.
  • Angeblich erhielten die Darsteller täglich neu überarbeitete Drehbuchseiten, weshalb Thompson und Hemsworth irgendwann eigene Dialogschreiber ins Boot holten.
  • Am Ende existierten zwei Versionen: Eine nach dem Schnitt von Gray, eine nach dem von Parkes. Letztendlich gewann die von Parkes.

So musste Men in Black: International zwar nicht wie ein X-Men: Dark Phoenix die so gefürchteten Reshoots mitmachen. Doch die permanenten Streitereien sorgten für Verwirrung bei den Darstellern und der Crew, und die ursprünglich wohl clevere Vision des Films ging völlig verloren.

Lustlosigkeit, Risikovermeidung und Desinteresse seitens Sony

In einer eindeutig vertrackten Situation am Set sollten eigentlich die Verantwortlichen des Studios schlichtend einschreiten. Dies geschah aber den Quellen des Hollywood Reporters zufolge nicht. Sony habe sich verhalten wie ein "abwesender Vermieter", wenn es in der Wohnung brennt.

Generell verfolgte Sony wohl hauptsächlich eine Strategie der Risikovermeidung. Die 110 Millionen Dollar Budget wurden von zahlreichen Sponsoren mitgestemmt, die Marketing-Kampagne verließ sich voll und ganz auf Hemsworth und Thompson (via The Hollywood Reporter), und wurde so günstig gehalten wie möglich.

Zuletzt gab selbst ein Verantwortlicher bei Sony offen zu, dass es "nie ein Verlangen, diesen Film zu sehen" gegeben habe, und er "eine größere Daseinsberechtigung gebraucht hätte." Trotzdem sei man mit den Men in Black noch nicht fertig. Man wolle sie in der Zukunft noch einmal zurückholen, "ob als Serie, auf einer Streaming-Plattform oder Film."

Es ist also völlig egal, ob Men in Black: International am Ende eine Nullrechnung für Sony wird oder gar ein Verlustgeschäft. Nicht einmal die alarmierenden Umstände am Set scheinen ein Warnsignal gewesen zu sein. Die Men in Black werden zurückkehren, ob wir wollen oder nicht.

Habt ihr Men in Black: International schon gesehen?

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