Netflix muss draußen bleiben - Festival von Cannes verbietet Originals (und Selfies)

25.03.2018 - 09:04 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Okja
© Netflix
Okja
Der Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes wird dieses Jahr keine Original-Produktionen des Streaming-Dienstes Netflix zulassen. Die Filme dürfen nur außerhalb des Wettbewerbes laufen.

Mit zaghaften Buhrufen wurde letztes Jahr das Netflix-Logo bedacht, als Joon-ho Bongs Okja in den Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes eintrat. Neben der kulinarischen Dystopie lief dort mit The Meyerowitz Stories eine weitere Netflix-Produktion von Noah Baumbach und mit Adam Sandler. Buhrufe kamen deshalb auch aus der Kinobranche und von jenen, die über sie schreiben und das Reinheitsgebot des Films durch den aggressiven Streaming-Anbieter gefährdet sahen. Die traditionellen Institutionen des Kinos hatte Netflix mit seinen Film-Originals nicht zu kapern. Cannes versuchte es 2017 trotzdem mal mit dem nassforschen Neureichen. Bei dem einen Mal wird es wohl vorerst auch bleiben, wie jetzt bekannt wurde.

In einem Interview mit Le Film Francais (via Hollywood Reporter ) kündigte Festival-Präsident Theirry Fremaux an, Netflix Orginals bis auf weiteres vom Wettbewerb auszuschließen. Preise gewinnen können Netflix-Filme so auf dem Festival nicht mehr, vorgeführt werden dürfen sie weiterhin. Fremaux bezeichnete die Öffnung des Festivals für Produktionen des Streaming-Dienstes im Rückblick als Fehler. Er habe gehofft, Netflix-CEO Reed Hastings mit der generösen Zulassung zu einer Prüfung seiner Strategie zu bewegen. Netflix sollte Kinoluft schnuppern, bald Originals nicht nur Abonnenten zeigen und das Kino als Verwirklichungsform des Mediums anerkennen. Um des Filmes Willen.

Ich dachte, ich könnte Netflix überzeugen, sie [die Wettbewerbsfilme] im Kino zu veröffentlichen. Ich war vermessen, sie haben abgelehnt.
Stattdessen hatte Netflix versucht, die Regeln des Festivals zu umgehen und seine Filme für eine Woche in französischen Kinos zeigen wollen, um einen Fuß auf den edlen Festivalteppich zu kriegen. So wird es schon bei den Oscars teilweise von Netflix gehandhabt, was Steven Spielberg kürzlich erst kritisierte.

Auch die Vermarktungsplattform Cannes sei den Netflix-Verantwortlichen wichtig, vielleicht auch das Flair, wie Fremaux weiter ausführte.

Okja
Die Netflix-Leute liebten den Roten Teppich und würden sich gerne mit anderen Filmen präsentieren. Aber sie verstehen, dass die Unnachgiebigkeit ihres Models dem unseren widerspricht.

Den Ausschluss von Netflix aus dem Cannes-Wettbewerb begründet Fremaux auch mit dem Wesen der Filme, die Netflix produziert. Netflix und auch Amazon würden Filme erzeugen, die Hybriden seien, weder Film noch Fernsehen. Dieses Wesen verändert sich nicht zuletzt durch die Plattformen, auf denen sie gezeigt werden. "Kino triumphiert noch immer in diesem Goldenen Zeitalter der Serien." Doch: "Die Geschichte des Kinos und die Geschichte des Internets sind zwei verschiedene Dinge."

Auch Selfies müssen draußen bleiben

Die "Grandeur" des Festivals verwüsten würde auch die Unart des Selbstporträts, so Fremaux. Die unangemessene Störung erzeugt von der Selfie-Praxis würde "in die Erfahrung des Roten Teppichs und des Festivals als Ganzem eingreifen." Zudem würde der Promi-Verkehr durch die sich selbst porträtierenden Gäste ins Stocken geraten. Damit wird Cannes dieses Jahr zur Streaming- und Selfie-freien Zone.

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Was haltet ihr von dem Ausschluss?

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