Neues Sci-Fi-Epos galt als unverfilmbar – drei große Veränderungen haben es möglich gemacht

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Foundation
26.09.2021 - 10:00 UhrVor 13 Tagen aktualisiert
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Mit Foundation ist ein neues Serienepos auf Apple TV+ gestartet. Die Verfilmung von Isaac Asimovs gleichnamigem Sci-Fi-Klassiker nimmt sich jedoch einige kreative Freiheiten. Wir blicken hinter die Kulissen.

Seit Freitag erobert Foundation den Streaming-Dienst Apple TV+ und entführt uns in eine faszinierende Science-Fiction-Welt. Hier bekommen wir atemberaubende Planeten zu Gesicht, während sich riesige Raumschiffe ihren Weg durch die unendlichen Weiten des Weltraums bahnen. Im Vergleich zu Isaac Asimovs gleichnamiger Literaturvorlage wartet die Foundation-Serie jedoch mit einigen entscheidenden Änderungen auf.

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Sci-Fi-Klassiker

Als ich vor ein paar Tagen mit Journalist:innen aus aller Welt an einem virtuellen Interview mit Serienschöpfer David S. Goyer und Schauspieler Jared Harris teilgenommen habe, waren diese Änderungen ein großes Thema. Die Filmschaffenden haben erklärt, warum sie sich dazu entschieden haben, bestimmte Details aus der Vorlage zu anzupassen. Nur so konnte Foundation ins 21. Jahrhundert gebracht werden.

Die Foundation-Serie bricht Asimovs Sci-Fi-Klassier auf

Die Ursprünge von Foundation gehen ins Jahr 1942 zurück. Bis 1950 veröffentlichte Asimov acht Kurzgeschichten, die später zur Foundation-Trilogie zusammengefügt wurden, ehe das Universum durch zusätzliche Romane erweitert wurde. Das damalige Publikum unterscheidet sich maßgeblich vom heutigen. "Ich wollte, dass sich alle Menschen in der Serie und den Figuren wiedererkennen", erklärt Goyer als Ziel.

Hier könnt ihr den Trailer zu Foundation schauen:

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Foundation wurde noch nie zuvor verfilmt. Für Goyer, der insbesondere als Drehbuchautor von Superheldenfilmen bekannt ist, haben sich dadurch spannende Möglichkeiten eröffnet.

Im Gegensatz zu Batman, Superman und Terminator, die wir schon in vielen Filmen, Serien und Comics gesehen haben, existieren von Foundation keine konkreten Bilder. Es gibt natürlich einige Buchcover. Ich wusste allerdings, dass wir die Serie für ein deutlich größeres Publikum machen.

Eine auffällige Änderung war schon lange vor dem Start der Serie klar: Foundation tauscht das Geschlecht von Gaal Dornick. Bei Asimovs ist die Figur männlich, in der Serie übernimmt die Schauspielerin Lou Llobell den Part. Gaal wird von dem Wissenschaftler Hari Seldon (Jared Harris) unter die Fittiche genommen, der den Niedergang des Imperiums prophezeit und sich dadurch einige Feinde macht.

Sogenannte Gender-Swaps, also der Tausch von Geschlechtern, haben wir in den letzten Jahren häufig erlebt. Ein prominentes Beispiel ist das Ghostbusters-Reboot, in dem Frauen die Rolle der geisterjagenden Männer übernommen. Oft führen diese Veränderungen zu Kontroversen. Für Goyer war die Sache aber klar: "Es gibt nichts, das sagt, dass die Figur unbedingt männlich oder weiblich oder ein anderes Geschlecht sein muss."

Für die Version von Gaal in seiner Serie verfolgte er ein bestimmtes Ziel:

Ich fand es sehr spannend, sie als Gegenteil des Imperiums aufzubauen. Das Imperium stellt in unserer Geschichte ein Art Patriarchat dar – Gaal steht ihm als Frau gegenüber. Das Geschlecht der Figur zu ändern, war eine der ersten Ideen, die wir hatten. Ich habe sie dem Asimov Estate gepitcht und sie haben die Idee unterstützt. Sie sagten sogar, dass auch Asimov selbst die Entscheidung befürwortet hätte.

Foundation steigert sich in den Fall des Imperiums hinein

In der ersten Folge lernen wir das Foundation-Universum durch Gaals Augen kennen. Sie ist die Protagonistin und begibt sich auf eine Reise ins Zentrum der Galaxie. Dabei sah sich Goyer mit einem großen Problem konfrontiert: Asimovs Werk ist anthologischer Struktur, was auf die ursprüngliche Veröffentlichungsform zurückzuführen ist. Für eine Serie, die über Jahre fesseln soll, fehlen die emotional verbindenden Elemente.

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"Ich habe sofort verstanden, warum es so lange gedauert hat, bis diese Bücher verfilmt wurden", gesteht Harris. "Die Bücher sind nicht besonders dramatisch. Viele der aufregenden Ereignissen passieren Off-Screen." Harris fühlte sich beim Lesen mehr an Platons Politeia erinnert. Asimovs Foundation ist eine Geschichte, die durch ihre großen Ideen und ihre philosophischen Gedanken lebt. Die Serie benötigte eine zusätzliche Ebene.

Goyer war es sehr wichtig, dass "die Figuren eine nachvollziehbare Reise machen." Dazu hat er Ereignisse genommen, die in der Vorlage nur beiläufig erwähnt werden, und sie zum Mittelpunkt der Handlung gemacht. "Der Untergang des Imperiums passiert im Buch zwar Off-Screen. Bei uns wird es aber die ganze 1. Staffel ausmachen." Asimovs Diskussionspunkte verarbeitet Goyer in Form von Figurenschicksalen.

Die Menschen schauen diese Serien, weil sie sich selbst in den Figuren wiedererkennen. Also habe ich mir Figuren ausgedacht, die Asimovs Themen verkörpern. Hoffentlich konnten wir dabei seine Philosophie und seine Gedanken beibehalten. Die zusätzliche Ebene, die wir hinzugefügt haben, ist also das Figurendrama.

Foundation: Drei neue Figuren erweitern das Sci-Fi-Epos

Um dieses Ziel zu erreichen, hat er sogar drei völlig neue Figuren geschaffen: Brother Day (Lee Pace), Brother Dusk (Terrence Mann) und Brother Dawn (Cassian Bilton). Sie bilden die Genetic Dynasty, die das Imperium kontrolliert und sich seit Jahrhunderten klont, um für immer an der Macht zu bleiben. Der Vorteil: Goyer kann ein charismatisches Gesicht wie das von Lee Pace (bekannt aus Halt and Catch Fire) beliebig oft zurückbringen. Pace wird somit zu einem beständigen Bezugspunkt für alle Zuschauenden.

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Gleichzeitig deckt er damit eines von Asimovs wiederkehrenden Themen ab: der Widerstand der Mächtigen gegen Veränderung. "Nichts bringt diese Art von Ego so gut zum Ausdruck, wie ein Mann, der sich immer wieder selbst klont." Neben der Frage nach Unsterblichkeit, beschäftigt sich Foundation eingehend mit dem Glauben. Harris macht das am Beispiel seiner Figur deutlich.

Die Wissenschaft ist für Hari Seldon eine Disziplin. Die Menschen, die ihm folgen, seine Wissenschaft aber nicht verstehen – sie glauben an Hari. Im Lauf der Serie sehen wir verschiedene Kulturen und erfahren mehr darüber, was sie bewegt. Die zentrale Frage ist: Was sind Menschen bereit, zu glauben, und was sind sie bereit zu tun, um ihren Glauben umzusetzen?
Trotz aller Änderungen gegenüber der Vorlage, behält Foundation die übergeordneten Aspekte von Asimovs Geschichte bei und funktioniert wie jede gute Science-Fiction-Geschichte als Spiegel. "Das Genre bietet sich immer als Kommentar auf die Welt an, in der wir leben", betont Harris. "Ich befürchte eher, dass die Menschen, die diese Parallelen ausmachen können, sich schon im klaren über die Probleme sind."

Er beobachtet in der Serie die gleichen Probleme wie in der echten Welt:

Was ich sehr spannend finde, ist, dass Menschen die Wissenschaft nicht hinterfragen, mit der sie vertraut sind und von der sie profitieren. Sobald aber jemand kommt und Dinge erklärt, wie wir zukünftige Ereignisse verhindern könnten, wenn wir nur ein paar unserer Gewohnheiten verändern würden, formt sich ein Widerstand.

Foundation läuft seit dem 24. September 2021 auf Apple TV+. Die 1. Staffel umfasst insgesamt zehn Episoden und wird wöchentlich auf der Plattform des Streaming-Diensts veröffentlicht. Hier könnt ihr den ersten Teil des Foundation-Interviews lesen.

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Was ist euer erster Eindruck der Foundation-Serie?

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