Sci-Fi-Highlight bei Disney+: Prey hat den Schlüssel zur Rettung von Terminator

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Predator
10.08.2022 - 17:13 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Viele ikonische Filmreihen wurden in den vergangenen Jahren gegen die Wand gefahren. Prey, der neue Predator-Film bei Disney+, erweist sich endlich als gelungene Franchise-Neuerfindung.

Als Predator – Upgrade vor vier Jahren in die Kinos kam, waren die Hoffnungen groß, dass Regisseur Shane Black die Sci-Fi-Reihe mit einem kernigen Action-Blockbuster zu neuem Leben erweckt. Nach vernichtenden Kritiken, enttäuschten Publikumsreaktionen und schwachen Box-Office-Zahlen stellte sich jedoch heraus: Dieser Film hat das Franchise nicht wiederbelebt – er hat es komplett in den Boden gerammt.

Nur eine andere Filmreihe, die ebenfalls ihren Ursprung in den 1980er Jahren hat, konnte diese bittere Niederlage übertreffen: Terminator. Gleich zwei Mal scheiterte die Skynet-Übernahme in der vergangenen Dekade im Kino. Trotz Star-Power und Nostalgie fanden weder Terminator: Genisys noch Terminator: Dark Fate zur alten Größe der Zeitreise-Action zurück, die einst die Speerspitze des Blockbuster-Kinos markierte.

Aus der Asche von Predator – Upgrade ist ein kleiner, unscheinbarer Film gestiegen, der die Reihe neu definiert: Prey.

Prey erfindet bei Disney+ die Predator-Reihe neu

Obwohl der Titel die eigentliche Franchise-Zugehörigkeit verschweigt, strömt durch jeden einzelnes Bild dieses Survival-Thrillers die Predator-DNA – und noch viel mehr. Nicht nur der Terminator, sondern ganz Hollywood kann von dieser bewundernswerten wie mutigen Neuerfindung lernen. Prey trifft eine radikale Entscheidung und rettet selbstbewusst eine in Verruf geratene Marke.

Hier könnt ihr den Trailer zu Prey schauen:

Prey - Trailer (Deutsch) HD
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Ja, es braucht Mut, eine Reihe neu zu erfinden. Sehr viel sogar. Dass dieser in der Film- und Serienwelt rar ist, zeigen die vielen Reboots und Remakes, die sich kaum an eine entscheidende Veränderung gegenüber dem Original wagen. Kein Wunder, dass sich Legacyquels immer größerer Beliebtheit in Hollywood erfreuen. Selbst Jahre nach dem ursprünglichen Ende einer Geschichte können beliebte Figuren zurückkehren.

Star Wars und Jurassic Park sind zwei der größten Beispiele. Auch Terminator wollte mit der Rückkehr von Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton ein Stück vom Legacy-Kuchen abhaben. Doch die direkte Verbindung zum Terminator 2 – Tag der Abrechnung, dem Meisterwerk der Reihe, ist komplett verpufft. Hier wurde ein einmaliger Franchise-Joker gezogen und niemand wusste so richtig, wie man ihn ausspielt.

Prey tritt einen großen Schritt von Predator zurück

Die Predator-Wiederbelebung baut dagegen eine größtmögliche Distanz zu seinen Vorgängern auf. Die kreativen Köpfe hinter dem Projekt – allen voran Regisseur Dan Trachtenberg (10 Cloverfield Lane) und Drehbuchautor Patrick Aison (Jack Ryan) – sind einen großen Schritt zurückgetreten, um das Predator-Konzept neu zu denken. Plötzlich befinden wir uns im Jahr 1719 im Gebiet der Comanchen.

Geburtsstunde einer neuen Actionheldin: Amber Midthunder als Naru in Prey

Prey springt weit in die Vergangenheit an einen Ort, an dem Bögen gespannt und Tomahawk geschleift werden. Von automatischen Feuerwaffen und den Muskelmännern der 1980er Jahre ist nichts zu entdecken. Stattdessen lernen wir die entschlossene Naru (Amber Midthunder) kennen, die sich als Jägerin beweisen will und dabei nicht nur mit hungrigen Bären und französischen Trappern konfrontiert wird.

Im Gebüsch versteckt sich aber noch ein anderer Gegenspieler, den wir in einem solchen Setting noch nie gesehen haben: ein Predator. Obwohl wir als Zuschauende bestens über die Gefahr Bescheid wissen, die von den drei roten Laserpunkten ausgeht, ahnt keine der Figuren, was es damit auf sich hat. Durch seine Verortung in der Geschichte denkt Prey völlig neu über eines der ikonischsten Filmmonster nach.

Die Predator-Reihe entdeckt ihre eigene Neugier wieder

Da das Monster jedoch nur genauso spannend ist wie die Protagonistin, die ihm gegenübertritt, verbringt Prey zuerst sehr viel Zeit im Kreis der Comanchen und teilt sorgfältige Beobachtungen über deren Lebenswelt, ehe die zentrale Bewegung der Predator-Reihe die Handlung übernimmt: die Jagd. Zwei – auf den ersten Blick ungleiche – Parteien treffen in einem unerbittlichen Überlebenskampf aufeinander.

Der furchteinflößende Predator bahnt sich seinen Weg durch den Nebel

Obwohl Prey zu Beginn zwei völlig konträre Dinge vorstellt, findet im Verlauf des Films ein fließender Übergang statt. Auf den Puma folgt der Predator. Das einfühlsam erzählte Historienabenteuer verschmilzt mit der brutalen Science-Fiction-Action. Dazwischen denkt Prey über Grenzüberschreitungen und Eindringlinge in fremden Gebieten nach, während die Rolle von Jagenden und Gejagten mehrmals wechselt.

Das Comanchen-Setting ist nicht nur ein Gimmick, sondern bestimmt den gesamten Charakter des Films. Für die Predator-Reihe, die nur über eine sehr dünne Mythologie verfügt, ist das ein Segen. Wo der vorherige Teil wie ein einziges Missverständnis wirkte, von dem, was die Reihe sein soll, begeistert Prey mit Entdeckungslust und Neugier an den eigenen Möglichkeiten als anthologisch aufgezogenes Franchise.

Noch mehr Filmreihen sollten ihre Komfortzone verlassen

Es müssen nicht immer die gleichen Figuren zurückkehren und es muss auch nicht immer die gleiche Geschichte erzählt werden. Prey beweist sehr schön, wie der Kern einer Marke vielfältig eingesetzt werden kann, wenn man sich traut, die gewohnte Umgebung zu verlassen. Andere Reihen dürfen sich hiervon gerne inspirieren lassen, allen voran der Terminator, der dank Zeitreisen ähnlich flexibel ist wie der Predator.

Lange war es nicht mehr so aufregend, wenn sich der Predator aus dem Nebel geschält hat und drei rote Punkte die entscheidenden Sekunden zwischen Leben und Tod markierten. Stellt euch vor, ein Terminator trifft auf Samurai und der nächste Predator landet auf der postapokalyptischen Erde, nur um festzustellen, dass alles, was er jagen kann, tot ist. Es gibt noch so viele tolle Ideen, die erforscht werden können.

Prey streamt seit dem 5. August 2022 bei Disney+.

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