Snowden - Kritiken zum Whistleblower-Film mit Gorden-Levitt

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Snowden
22.09.2016 - 08:50 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Heute startet Oliver Stones Polit-Thriller (Edward) Snowden über den von Joseph Gordon-Levitt verkörperten Whistleblower in den deutschen Kinos. Wir haben eine Übersicht zu englisch-, wie deutschsprachigen Kritikerstimmen erstellt.

Edward Snowden erschütterte im Juni 2013 die Welt. Die Enthüllungen des einstigen NSA-Angestellten um die Überwachungspraktiken der US-Geheimdienste löste ein globales Echo aus, welches das Vertrauen in die Regierungsinstitutionen nachhaltig belastete. Mit seinem Polit-Thriller Snowden hat sich Oliver Stone (Savages) dem Thema angenommen. Der oftmals kontrovers besprochene Filmemacher verfilmte die Ereignisse um die Veröffentlichung Tausender als Top Secret eingestufter Dokumente und der anschließenden Flucht Edward Snowdens mit Joseph Gordon-Levitt (The Walk) in der Titelrolle.

Was sagen die Kritiker zu Snowden? Zustimmung oder Ablehnung? Zur Beantwortung dieser Frage haben wir uns in die Tiefen des Internets und auf englisch- wie deutschsprachigen Stimmenfang der Kritik begeben.

Vorerst die harten Fakten zu Snowden:

  • 17 Kritiker-Bewertungen mit einem Durchschnittswert von 5,6
  • 80 Community-Bewertungen mit einem Durchschnittswert von 6,6
  • 10 Kritiken und 10 Kommentare
  • 0 x Lieblingsfilm und 0 x Hassfilm
  • 606 Vormerkungen, 10 sind nicht interessiert

Das sagen die englischsprachigen Kritiker zu Snowden:

A.O. Scott schreibt in seiner Kritik für die New York Times  über eine gewisse Milde des Films, sowohl in seiner filmischen Umsetzung als auch der Dringlichkeit seiner Aussagen, stellt dies aber der möglichen Intention des Films (und Edward Snowdens) gegenüber:

[...] “Snowden” ist, für Mr. Stones Standards, ein auffallend nüchterner Film. Die Zurückhaltung zeigt sich sowohl in der Machart als auch in den politischen Aspekten. Es gibt ein paar wenige wilde, bravouröse visuelle Flüge und nicht viel im Hinblick auf wilde Verschwörungen. [...] Bei Zeiten fand ich mich im Wunsche, dass er weiter gehen würde - dass er sich wütender, verrückter, furchteinflössender anfühlen würde. Aber das hätte es leichter gemacht, an ihn zu rütteln und ihn auch möglicherweise abzulehnen. Dieser Film wird euch nicht notwendigerweise einschüchtern oder erzürnen und ich bin mir nicht sicher, ob er das will. Was er will - was Mr. Snowden selbst immer aussagt, zu wollen - ist, euch zu beunruhigen, euch mit Zweifel an den guten Absichten zu füllen an jene, die eure Daten sammeln und euch erzählen, es wäre zu eurem eigenen Schutz.

Rolling Stones  Peter Travers blickt kritischen Auges auf einen allzu heroisierten Umgang mit Edward Snowden und dem Thema Whistleblowing als solches und sieht die Milde bei den mitschwingenden politischen Fragen deutlich negativer, als noch sein Kollege von der NYT:

Er ist der Heilige Edward, der Cyber-Nerd, der im Exil in Russland lebt für das Verbrechen (oder den heroischen Akt) geheime NSA-Dokumente veröffentlicht zu haben, die zeigen, wie Unlce Sam (oder Big Brother) uns überwacht, jeden von uns, 24/7. [...] Der Regisseur unterdrückt seine wilde Seite, um die Fahne fürs Whistleblowen zu schwenken. Daran ist in der Theorie nichts falsch. In der Praxis saugt es das Leben aus einem Film, der uns tatsächlich weniger erzählt als Poitras Dok [bezogen auf die Dokumentation Citizenfour von Laura Poitras] es tat. [...] Enttäuschenderweise reduziert Stone einen ethischen Sumpf auf eine einfach verdaubare Frage: Sind die Vereinigten Staaten berechtigt, seine eigene Bürger im Namen der nationalen Sicherheit auszuspionieren? Größere, dornigere Implikationen werden ignoriert.

Als "kraftvolle Seherfahrung" und "die mitreißende Rückkehr einer unserer talentiertesten Regisseure" empfindet Ann Hornaday in ihrer Besprechung für die Washington Post  Oliver Stones neustes Werk:

[...] Diese stilistische Entscheidung nimmt der Dringlichkeit oder Zeitlosigkeit nichts: Snowden ist ein großartig handgemachter, fesselnder Film, der, während er keinen Hehl um die Bewunderung für die Handlungen und Motivationen seines zentralen Charakters macht, nicht in visuelle oder psychologische Extreme geht, um für seine Sache zu plädieren. [...] Knackig fotografiert von Anthony Dod Mantle und geschickt geschnitten von Alex Marquez und Lee Percy, schwingt sich Snowden zu einer nicht nur provokanten, sondern kraftvollen Seherfahrung auf, dank eines Schnittstückes am Ende des Filmes, welches atemberaubend in seiner Anmut und Fertigkeit ist.

Das sagen die deutschsprachigen Kritiker zu Snowden:

Julia Haungs sah für den SWR  einen "überzeugenden Film" und setzt das Thema der Überwachung in ein privates, persönliches Verhältnis, das im Film ebenfalls Thema sei:

Indem sich Stone Snowden als Privatmensch nähert, gelingt es ihm elegant, das persönliche Drama mit dem übergeordneten gesellschaftlichen zu verbinden. Viele Szenen spielen zwischen Snowden und seiner Freundin Lindsay. Sie zeigen, wie die Geheimdienste den Alltag von Menschen infiltrieren, ohne dass diese die leiseste Ahnung davon haben. Es scheint, als habe der Paranoiker Stone mit der Massenüberwachung ein Thema gefunden, das sogar seine kühnsten Verschwörungstheorien übertrifft. Das Ergebnis ist ein überzeugender Film, der nichts hinzuerfinden muss, weil die Realität schon Albtraum genug ist.

Alexandra Seitz von EPD Film  sieht in Oliver Stones Inszenierung von Snowden einen konservativen Erzähler, der keinen Hehl aus seiner politischen Positionierung mache, wodurch dem Film gewisse themenverwandte Feinheiten verloren gingen:

[...] Dabei verzichtet Stone zum Glück auf sein inszenatorisches Lieblingsmittel der manipulativen Sperrfeuermontage und gibt sich zur Abwechslung einmal als konventioneller, um nicht zu sagen konservativer Erzähler. [...] Letzteres gilt selbstverständlich nicht für die ideologische Position von Snowden; weder aus seiner linken Gesinnung noch aus seinem Sendungsbewusstsein hat Stone je einen Hehl gemacht, und seine Antwort auf die Frage, ob es sich bei Snowden um einen Terroristen oder um einen Freiheitskämpfer handelt, fällt eindeutig aus. Das bedeutet zugleich, dass Stone sich mit den Feinheiten der Problemlage rund um die Loyalität von Staatsdienern und/oder Staatsgeheimnisträgern nicht lange aufhält. Wenn das Gesetzmäßige verbrecherisch ist, ist Zuwiderhandlung legitim, meint Snowden (meint Stone) und verweist auf das nationalsozialistische System des legalisierten Unrechts. [...]

In der Kritik für Filmdienst  (Abo erforderlich) findet Tim Slagman anerkennende Worte für die realitätsgetreue Darstellung Snowdens durch Joseph Gordon-Levitt und sieht die Stärke des Films in der Offenlegung der Einwirkungen auf den Alltag durch Überwachungsprogramme:

Gordon-Levitt spielt Snowden mit der gleichen mysteriösen Mischung aus Kontrolle und Schüchternheit, aus leiser, aber tiefer Stimme und leicht verhuschtem, dann wieder konzentriertem Blick, die das öffentliche Image seines Vorbildes kennzeichnet. [...] Die nachhaltigsten Momente erzielt der Film, der auch unangenehm didaktische Augenblicke besitzt, genau dort, wo er dem Laien die Alltagsmacht offenlegt, die sich hinter Ausdrücken wie XKeyscore oder Prism versteckt. Zwei junge Kerle aktivieren am anderen Ende der Welt einmal die Webcam einer Frau, der sie beim Ausziehen zuschauen. [...]

Fazit zu Snowden:

Auffallend oft finden sich (unterschiedliche) Meinungen zu Oliver Stones Inszenierung von Snowden wieder. Während einige dem Regisseur die eher nüchterne Gangart seines neusten Films negativ auslegen, sehen andere den Macher von Werken wie JFK und Nixon, auf einem neuen Höhepunkt. Zu erwarten war die politische Polarisierung: Stone macht keinen Hehl aus seiner Positionierung, was schon in der Vergangenheit Anlass zu Kontroversen gab. Einigkeit herrscht immer dann, wenn es der Filmemacher schafft, die Auswirkungen von Überwachungsprogrammen ins Persönliche zu übertragen. Sein Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt findet durch die Bank lobende Erwähnung.

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