Spider-Man mit Tobey Maguire: Eine bessere Superhelden-Trilogie gibt es nicht

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21.06.2019 - 10:35 UhrVor 6 Monaten aktualisiert
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Anlässlich des baldigen Kinostarts von Spider-Man: Far From Home blicken wir zurück auf Sam Raimis bis heute unerreichte Spider-Man-Trilogie mit Tobey Maguire.

Natürlich gab es auch vor der Jahrtausendwende fantastische Superheldenfilme. Allein, was Tim Burton mit Batman und Batman Returns geschaffen hat, ist Zeugnis genug dafür, dass sich Comic-Panels mit verblüffendem Ergebnis auf die große Leinwand übertragen lassen. Um den aktuellen Boom an Comicverfilmungen zu verstehen, müssen wir trotzdem in die frühen 2000er Jahre blicken, denn dort wurde das moderne Superheldenkino geboren.

Zuerst waren da die X-Men, die pünktlich im Jahr 2000 ihr Kinodebüt ablieferten und nicht nur als bunte Actionfilme überzeugten, sondern ebenfalls zwischenmenschliche wie gesellschaftliche Themen abdeckten. Spider-Man folgte zwei Jahre später und sollte den Ansatz der X-Men-Filme perfektionieren: Sich der Wurzeln der Geschichte bewusst, orchestriere Sam Raimi einen Mainstream-Blockbuster, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte.

Drei Beobachtungen zu Sam Raimis Spider-Man-Trilogie

  • Nach dem Erfolg von X-Men perfektionierte Spider-Man den Superheldenfilm als Mainstream-Blockbuster für alle relevanten Zielgruppen.
  • Mit dem Engagement von Genre-Regisseur Sam Raimi ist Sony ein Risiko eingegangen, das sich in jeder Hinsicht ausgezahlt hat
  • Bis heute gibt es keine vergleichbare Superhelden-Trilogie, die in sich dermaßen stimmig und geschlossen ist wie Spider-Man.
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Ausgerechnet Sam Raimi sollte Anfang der 2000er Sonys kostspielige Comicverfilmung in Stellung bringen. Aus heutiger Perspektive verdutzt das Engagement durchaus, sind die großen Studios bei Franchise-Produktionen doch bemüht, den Eigensinn ihrer Regisseure in einen einheitlichen House Style zu pressen. Sam Raimi, der zuvor vor allem mit der wilden Evil Dead-Trilogie für Aufsehen sorgte, vollbrachte einen bemerkenswerten Balanceakt.

Auf der einen Seite ist in Spider-Man noch deutlich der Regisseur zu erkennen, der bei Evil Dead verspielt Horror und Comedy kollidieren lässt und mit praktischen Effekten bis heute unvergessliche Bilder schafft, von seiner Arbeit am düsteren, unangepassten Darkman ganz zu schweigen. Auf der anderen Seite wagte sich Sam Raimi in den 1990ern langsam, aber sicher an größere Studioproduktionen und schreckte auch vor dem Digitalen nicht zurück.

Sam Raimi, der eigentliche Held der Spider-Man-Trilogie

In Spider-Man konnte Sam Raimi seine Genre-Liebe in vielen kleinen Details zum Ausdruck bringen, während er gleichzeitig eine ausgefeilte Bildsprache entwickelte, die keinen Zweifel daran ließ, dass Tobey Maguires Peter Parker tatsächlich durch New Yorks Straßen schwingt. Wortwörtlich reißt die Bewegung in einer Szene eine Zeichnung von Spider-Man auseinander und katapultiert ihn leibhaftig in die realen Häuserschluchten.

Spider-Man

Dieser Moment hat selbst nach all den überlebensgroßen Bildern, die wir im Superheldenkino der vergangenen Jahre bestaunen durften, nichts von seiner Kraft verloren. Der Geist eines Comics erwacht auf der Leinwand zum Leben und uns bleibt nichts anderes übrig, als uns von der unglaublichen Bewegung mitreißen zu lassen. Danny Elfmans fantastischer Score ist daran auch nicht unbeteiligt.

Doch an diesem Punkt endete Sam Raimis Kunststück keineswegs: Ausgehend von seinen Comic-Wurzeln verwandelte sich Spider-Man in einen furiosen Actionfilm, in ein erschütterndes Drama und schlussendlich auch einen berührenden Liebesfilm. Das ultimative Kinoabenteuer und ein Blockbuster, der alle Zielgruppen abdeckt: Besonders die Fortsetzungen konnten auf diesem Grundgerüst hervorragend aufbauen.

Spider-Man als perfekt ausbalanciertes Superheldenkino

Ein guter Superheldenfilm zeichnet sich folglich nicht nur durch aufregendes Effekttreiben aus, sondern durch die Geschichte, die seine Figuren verbindet. Im Fall von Sam Raimis Spider-Man-Trilogie lässt sich diese Geschichte wohl am besten mit dem zentralen (Comic-)Zitat "Aus großer Kraft folgt große Verantwortung" zusammenfassen, das die Filme wie ein roter Faden zusammenhält und stets als Säule der zwischenmenschlichen Konflikte dient.

Spider-Man 2

Der Tod von Onkel Ben, die Liebe zu MJ und der Bruch mit Harry - das ist nur die Spitze des Eisbergs der zwischenmenschlichen Konflikte, die als Motor von Sam Raimis Spider-Man-Filmen dienen und trotz der spektakulären Aspekte das Erzählte erden. Selbst in den einzelnen Widersachern spiegelt sich dieser Ansatz wieder: Sie kommen nicht aus einer fremden Welt, um die Erde zu unterjochen oder New York zu zerstören.

Stattdessen werden Spider-Mans Gegenspieler aus einer zerreißenden Tragik heraus geboren, sei es Doc Ock in Spider-Man 2 oder der Sandman in Spider-Man 3. Die menschliche Komponente spielt dabei die wichtigste Rolle: Alle Figuren haben eine Verbindung zu Spider-Man und (!) Peter Parker, der mit den zwei Hälften seines Lebens jongliert und die größten Opfer im Stillen bringt.

Wenn Spider-Man fällt, fängt ihn New York

Und im Hintergrund von all dem atmet die Stadt. Der Puls von New York City ist förmlich spürbar, wenn sich Peter durch die Metropole hangelt, und geht eine schicksalhafte Bindung mit seinem Helden ein. Sam Raimi vermittelt hier ein beeindruckendes Gefühl für die Umgebung. Diese Welt dreht sich auch weiter, wenn die Kamera nicht hinsieht - irgendwelche Storys muss J. Jonah Jameson schließlich am nächsten Tag bringen.

Spider-Man 2

Eine der wohl denkwürdigsten Sequenzen der gesamten Trilogie, in der all die einzelnen Elemente der Filme perfekt zum Ausdruck kommen, ereignet sich in Spider-Man 2, wenn Doc Oc ins Wiedersehen zwischen MJ und Peter platzt. Es kommt zur einem furios inszenierten Kampf mitsamt Verfolgung, der auf dem Dach einer unkontrolliert in den Abgrund rasenden U-Bahn seinen Höhepunkt findet.

Nur unter Einsatz seiner letzten Kräfte gelingt es Peter, den Zug zum Stehen zu bringen. Danach bricht er erschöpft zusammen, wird jedoch von einer ganzen Stadt aufgefangen, die erkennt, dass es sich bei ihrem Helden nur um einen einfachen Jungen handelt - und dieses Geheimnis akzeptiert. In diesem Augenblick balanciert Sam Raimi so viele feine Nuancen, wie es nur wenigen Superheldenfilmen danach wieder gelungen ist.

Spider-Man 3, der fulminante Abschluss der Trilogie

Eine packende Actionszene, die aus der Dynamik der Figuren entsteht: Keine Lichtsäule der Welt, die sich über New York auftut, besitzt eine solch emotionale Wucht wie der U-Bahn-Kampf in Spider-Man 2, der das Kino in all seinen Facetten ausreizt. Auch der zu Unrecht gescholtene Spider-Man 3 schließt an diese Größe an und denkt viele der thematischen Motive der Reihe weiter - und vor allem zu einem Schluss.

Spider-Man 3

Die letzte Konsequenz versucht das Superheldenkino momentan überwiegend mit allen Mitteln zu umgehen - im MCU wurden zuletzt sogar Zeitreisen etabliert, um die größte Niederlage der Helden in einen Sieg umzukehren. Spider-Man 3 hingegen geht komplett in seiner Aufgabe als abschließender Akt einer Trilogie auf und führt die Figuren in einem eindrucksvoll arrangierten Finale zusammen, das uns am Ende wirklich erzählt, welche Verantwortung aus der großen Kraft resultiert.

Wie steht ihr zu den Spider-Man-Filmen mit Tobey Maguire?

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