Star Trek: Discovery - In Folge 15 steht die Föderation am Abgrund

Star Trek: Discovery: Sonequa Martin-Green als Michael Burnham
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Mit der 15. und letzten Folge der 1. Staffel, Will You Take My Hand? bzw. Nimm meine Hand, bringt Star Trek: Discovery die Handlung um den Krieg mit den Klingonen überraschend glatt zum Abschluss und hat sogar noch Zeit für eine Andeutung, was die Mannschaft um Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) in der 2. Staffel erwarten wird.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Frisch zum Captain gekürt, beweist Spiegel-Georgiou (Michelle Yeoh) auch im Umgang mit der Brücken-Crew, dass sie wenig von den Vorstellungen der Föderation hält: Fast jeder wird im Vorbeigehen ein wenig herabgewürdigt, sodass beinahe Wehmut nach den Zeiten Captain Lorcas aufkommen könnte. Aber als Menschenflüsterin wurde die Ex-Diktatorin ja auch nicht eingestellt, und so stellt sie flugs ein Team aus Burnham, Tilly (Mary Wiseman) und Tyler (Shazad Latif) zusammen, um auf der klingonischen Heimatwelt Qo'noS bzw. Kronos den besten Platz für die Erkundung der militärischen Ziele mittels einer Sonde herauszufinden. Zuvor lässt sie sich die Gelegenheit nicht nehmen, L'Rell zünftig in ihrer Zelle zu verprügeln, was diese allerdings auch nicht kooperativer stimmt.

Die Suche auf Qo'noS führt das Landeteam über einen heruntergekommenen Außenposten der in Star Trek: Discovery nicht mehr ganz so quietschgrün leuchtenden Orioner in ein nicht minder zwielichtiges Etablissement, das als eine Mischung aus Bar, Casino, Stripclub und Bordell fungiert. Während Georgiou, wie als Spiegeluniversumsbewohnerin nicht anders zu erwarten, die Informationsbeschaffung über die Route der fleischlichen Genüsse wählt, versucht es Tyler via Glücksspiel, zu dem er dank seiner Klingonisch-Kenntnisse rasch Zugang findet. Dessen Verlauf bietet auch Gelegenheit für ein Zwiegespräch mit Burnham, indem sie offenbart, trotz all ihrer traumatischen Klingonen-Erfahrungen die Bewohner Qo'noS' als Personen wie du und ich zu sehen, die nicht zum Ziel der Föderation werden sollten.

Zur Einsicht gezwungen

Doch ebendiese Föderation hat dankbar Georgious Plan akzeptiert, ihre Prinzipien über Bord zu werfen und die Klingonen zurück in die Steinzeit zu bomben, wie Tilly feststellen muss, als sie in einem ihr anvertrauten Koffer eine Bombe anstatt einer Drohne findet. Trotz der also äußerst ernsten Lage ist allerdings besonders für Tilly noch genügend Zeit für einige Comedy-Einlagen. Ob dies wohl mit der Batman & Robin-Vergangenheit von Akiva Goldsman zusammenhängt, Ideengeber und Regisseur dieser Episode?

Verliefen die Ereignisse dieser vorerst letzen Folge von Star Trek: Discovery bis hierher in einem angemessenen Tempo, geht nach Tillys Entdeckung alles ebenso schnell wie überraschend reibungslos vonstatten: Der nunmehr völlig von den eigentlichen Idealen der Föderation überzeugten Burnham gelingt es in Windeseile, zunächst Admiral Cornwell, dann auch Georgiou von ihrem schandhaften Plan abzubringen. Anschließend kann sie auch L'Rell überzeugen, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Klingonen von ihrem Vernichtungskrieg abzubringen. Mit dem Auslöser der Bombe als Argumentationsverstärker in der Hand demonstriert L'Rell Stärke und ruft die Häuser zur Einigung auf, die daraufhin ihre Schlachtschiffe kurz vor Angriff auf die Erde heimbeordern. Auch Ash Tyler verschreibt sich der Völkerverständigung, nimmt Abschied von Burnham und zieht zu den Klingonen.

In einer abschließenden Rede bei einer Zeremonie, die die überlebenden Besatzungsmitglieder ehrt, macht Burnham dann sowohl der Föderation als auch den Zuschauern in äußerst direkten Worten noch einmal klar, wofür diese steht, und dass mit all den unüberlegten Handlungen nun endgültig Schluss sei. Doch wo die 1. Staffel von Star Trek: Discovery bis hierhin so unspektakulär endete, wie sie bombastisch begann, lassen es sich die Verantwortlichen zum Abschluss nicht nehmen, eine Art Post-Credits-Szene noch vor den Abspann zu setzen: Auf dem Weg nach Vulkan, um den neuen Captain abzuholen, erreicht die Discovery ein Notsignal, als dessen Absender sich die leibhaftige Enterprise entpuppt!

Was bringt die Zukunft?

Diese letzte Szene verstärkt dann auch den Eindruck, den die Folge als Ganzes hinterlässt: Die Showrunner scheinen froh zu sein, den Klingonenkrieg endlich hinter sich lassen zu können, um in der nächsten Staffel dann auch durch Taten zu zeigen, wie die Föderation wirklich ist, anstatt es wie in Staffel 1 von Star Trek: Discovery nur mantraartig aufsagen zu lassen. Auch die Hauptfiguren selbst wirken ähnlich kriegsmüde, zumindest wäre dies die beste Erklärung für die doch äußerst pragmatischen Reaktionen von Cornwell, Georgiou und L'Rell auf Burnhams Appelle.

Dem plötzlichen Waffenstillstand fallen jedoch einige interessante Entwicklungen anheim, sollten der Klingonen-Konflikt und seine bestimmenden Akteure in Staffel 2 nicht mehr aufgegriffen werden: Werden wir je erfahren, wie es Tyler mit seiner Doppelnatur bei den Klingonen ergeht, oder wie L'Rell ihre Regentschaft gestaltet, mit welchen Widerständen sie zu kämpfen hat? Wenn nicht, fühlen sich diese Handlungsstränge ebenso wie der von Captain Lorca und Spiegel-Georgiou mehr wie ein Mittel zum Zweck an, den Zuschauern Burnham und die Föderation nahezubringen. Letzteres dürfte allerdings lediglich bei absoluten Star Trek-Neulingen nötig sein, für alle anderen ist es wenig überraschend, dass es sich bei ihr nicht um einen skrupellosen Verein handelt, dem jedes Mittel recht ist.

Positiv gesehen stehen Star Trek: Discovery für die 2. Staffel nun so gut wie alle Möglichkeiten offen, nachdem die Showrunner Season 1 noch nach den ursprünglichen Ideen Bryan Fullers gestalten mussten, obwohl dieser die Serie noch vor Drehbeginn verlassen hatte. Schön wäre es allerdings, wenn das Aus-dem-Hut-Zaubern der Enterprise hauptsächlich dazu diente, die potentiellen Zuschauer über die fast einjährige Pause bis zur 2. Staffel interessiert zu halten, und nicht die Andeutung eines großen Nostalgie-Schwenks in Season 2, der die Eigenständigkeit der Discovery und ihrer Besatzung der beliebten Imitation vergangener Zeiten opfert. Dass die Serie genügend Potential hat, zu einem ebenso zeitgemäßen wie eigenständigen Franchise-Eintrag zu werden, hat Staffel 1 auf jeden Fall angedeutet.

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