Komm zurück, Stefan Raab: Rette uns!

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TV total mit Stefan Raab
05.04.2020 - 09:00 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Stefan Raab hat die beste Idee für die Corona-Zeit: Er plant einen ESC-Ersatz für ProSieben. Das Fernsehen braucht jetzt große Ideen. Aber kann Raab sie liefern?

Mitte der Woche kündigte ProSieben an, einen europäischen Gesangswettbewerb für die Corona-Zeit auf die Beine zu stellen. Wie, davon war in der Pressemitteilung keine Rede. Wörter wie "speziell" und "Begeisterung" füllen das mehrzweckhallengroße Vakuum der Idee. Und eben dieser eine Name: Stefan Raab. Verheißungsvoller als jedes Konzept.

Ob er als Moderator bei dem Event am 16. Mai 2020 vor der Kamera stehen wird, ist unklar und eigentlich auch egal. Raab liefert die Idee und das Feuer, sie umzusetzen - und das in nur eineinhalb Monaten.

Wer Stefan Raab sehen will, sieht Stefan Raab

Die Sehnsucht nach der Rückkehr des Fernsehmachers ist in der Fernsehrepublik gigantisch. Wenn Zuschauer in das Faultier von The Masked Singer seine Bewegungsmuster, Stimmfarbe und Charaktermerkmale hineininterpretieren, funktioniert das Kostüm wie ein Rorschach-Test für TV-Nostalgiker.

Wer Stefan Raab sehen will, sieht Stefan Raab, allen logischen Hürden zum Trotz. Der Hype um die Identität des Faultiers wird ihm nicht verborgen geblieben sein.

Ersatz-ESC wegen Corona: Genau die richtige Zeit für das Raab-Comeback

Der Eurovision Song Contest in Rotterdam wurde aufgrund der Corona-Pandemie ersatzlos abgesagt, wie so viele andere globale und kontinentale Großveranstaltung auch. Dass Raab in sich nun den richtigen Mann für die Unterhaltungskrise erkennt, passt zu ihm und seiner Großspurigkeit, die ich, im Gegensatz zu vielen anderen, nie unangenehm fand.

Stefan Raab bei Schlag den Raab

Auch das gehört zur Persona Raab: Er macht es seinen Gegnern schwer, ihn zu mögen. Diese Rückkehr hat etwas vom Herabschweben eines Heilands. Der Fernsehmessias hilft uns in der Stunde der Not.

Pocher und Co.: Das Fernsehen in Corona-Zeiten ist eine Zumutung

Die irgendwie dahinimprovisierten, aus dem Boden gestampften Live-Shows mit Oliver Pocher waren am Anfang ja ganz schön und auch zweckdienlich. Einfach mal draufloslabern und Befindlichkeiten austauschen. Ohne Struktur und Anspruch an Unterhaltung. Hauptsache ein Rauschen. Klaas Heufer-Umlauf tat bei ProSieben buchstäblich das: Er lässt die Aufnahme seines Podcasts filmen.

Die Hinwendung der Sender zu Live-Shows ist der richtige Weg, es fehlt ihnen aber an Gestaltungsreichtum, Aufwand, Inszenierung und Dramatik. Also das, was uns zum Live-Fernsehen normalerweise zieht. Und wofür Raab-Shows wie Schlag den Raab, die Wok-WM und von mir aus auch die TV Total Stock Car Crash Challenge stehen.

Es herrscht Unterhaltungsdürre. Im Kino läuft nichts, von Live-Veranstaltungen im Theater, Konzerten, Fußball und Eishockey ganz zu schweigen. Das Event fehlt, ein Ereignis, das viele Menschen gleichzeitig beschäftigt und verlorene Seelen bindet in gemeinsamer Euphorie oder einfach irgendeinem Gefühl. Wir brauchen etwas, das gegen die triste Vereinzelung der Quarantäne ansendet, das die entlegenen Wohnzimmer dieser Welt vernäht.

Mit The Masked Singer fiel jetzt auch die letzte Show aus, die sowas noch bieten konnte.

Das Fernsehen braucht große Ideen: Kann Raab sie liefern?

Raabs Rückkehr auf die Fernsehbühne trägt eine eindeutige Geste: Er will es besser machen als die anderen, Gottschalk, Jauch, Mockridge, deren Spontan-Shows schon wieder beendet wurden . Er will vielleicht nochmal allen zeigen, wie richtig gutes Show-Fernsehen funktioniert, jetzt, wo wir es so dringend benötigen.

"Besondere Herausforderungen brauchen besondere Lösungen. An diesem Abend kommt Europa auf besondere, einzigartige Weise zusammen." Es sind noch Worthülsen, mit denen Raab seinen "FREE EUROPEAN SONG CONTEST" (#FreeESC) umschreibt.

Stefan Raab

Welche Lösungen hat er hat er tatsächlich? Vermag er das Fernsehen umzukrempeln wie einst um die Jahrtausendwende?

Treibt Raab das Fernsehen zu einer neuen Revolution?

Das Fernsehen kann in Corona-Zeiten einen schon lange notwendigen Entwicklungssprung unternehmen. Es muss jetzt aufbauen auf die dynamische Video-Call-Kultur der vielen Corona-Talks. Die sind grau und unsäglich öde, aber sie beweisen immerhin eines: Es ist möglich, spontan Menschen aus fernen Orten live in eine Sendung zuzuschalten - sehr viele und in kurzen Abständen. Es sieht vielleicht nicht schön aus, aber es geht.

Vielleicht übertreibe ich, aber war das nicht schon immer die Idealvorstellung des (Live)-Fernsehens? Die Verknüpfung des Einzelnen mit dem großen Ereignis? Das Live-Fernsehen stellt Nähe her und nichts brauchen wir bei verordneter sozialer Distanz gerade mehr als ein bisschen Nähe. Das Internet stellt dieses netzartige Community-Erlebnis schon lange bereit. Fernsehen, das Mainstream-Medium, kann es zentral anbieten, mit der Reichweite und sozialen Vibration eines EM-Halbfinals.

Die zwei größten Kommunikations- und Unterhaltungstechnologien Internet und Fernsehen wachsen in Corona-Zeiten zusammen. Es braucht jetzt jemanden, der diese neuen logistischen Vorteile mit Ideen und Konzepten füllt. Einen größenwahnsinnigen Fernsehmacher.

Der FREE EUROPEAN SONG CONTEST vereint Europa

Mit Stefan Raab verschwand 2015 auch der Bundesvision Songcontest aus dem deutschen Fernsehen, was ich damals sehr bedauert habe. Das Land rückte für 3 Stunden zusammen, man hörte mal was vom Saarland, erfuhr, welchen Musikgeschmack Thüringerinnen haben.

Einen europäischen Gesangswettbewerb zu errichten, während die europäischen Staaten ihre Grenzen schließen und eigentlich jedes Land eigene, übermächtige Probleme bekämpft, ist purer Wahnsinn. Aber es kann diesem Kontinent helfen, sich wieder bewusst zu werden, dass wir nicht alleine sind. Und wenn sich dafür wieder mal eine deutsche Band zum Affen machen und den standesgemäßen letzten Platz belegen muss.

Glaubt ihr, Stefan Raabs spontanes Comeback kann überzeugen?

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