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Taboo - Unser Recap zu Staffel 1, Folge 6

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© BBC
Taboo
13.02.2017 - 09:00 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Die Leichen stapeln sich langsam in Taboo. Und den meisten von ihnen fehlt irgendein Organ. Tom Hardys Situation spitzt sich zu und gibt Hoffnung auf mehr Zauberei.
Taboo hat sichtlich Spaß daran, die moralischen Auffassungen des Publikums auszutesten, wenn es um Empathie für den Protagonisten geht. In dieser Hinsicht bedient die 6. Episode weitestgehend bereits etablierte Handlungsmuster um Mord, ausgerissene Organe, sehr dominanten Sex mit der Schwester oder das Schmieden und Ausführen von durch und durch wahnsinnigen Plänen, die seinen eigenen (vermutlich inzestuös gezeugten) Sohn und hochexplosives Schießpulver beinhalten. Hier und da gibt es kleine Auffrischungen, vor allem in Bezug auf die Delaney-Familienverhältnisse, ansonsten ist hier alles beim Alten. Das muss nichts Schlechtes sein, allerdings geht Taboo mit seiner mysteriösen Geschichte so unbeholfen um, dass es teilweise zu einer reinen Belustigung verkommt.

Da wird Brace (David Hayman) auf einmal tatsächlich zum allwissenden Haushälter, ohne den offenbar kaum ein im 19. Jahrhundert angesiedeltes Drama auskommt. Seine Offenbarung James (Tom Hardy) gegenüber, seine Mutter habe versucht, ihn zu töten und sei deshalb in die Klapse gesteckt worden, duftet sowohl von der Inszenierung als auch vom Timing her unangenehm nach Seifenoper-Twist, sodass es ganz langsam schwerfällt, den Handlungsablauf nicht vor allem dank des anwachsenden Trash-Charakters zu genießen, was besser ist, als gar keine Freude mehr am Plot zu haben. Der Twist sorgt immerhin dafür, dass James nicht nur endlich physischen Sex mit seiner Schwester Zilpha (Oona Chaplin) hat, sondern dabei auch noch an seine Mutter denken muss; ist doch super. Außerdem macht diese Familienkonstellation irgendwie neugierig, wie die Serie das in den letzten beiden Episoden noch auflösen möchte.

Die Erkenntnis über die Geschichte zwischen James und seiner Mutter hat einen vielversprechenden Reiz, der gleichzeitig auch ein ganz großes Übel werden könnte: Die Erzählung von der versuchten Ertränkung könnte eine Anlehnung an den Mythos von Achilles und seiner Mutter Thetis sein. Die versuchte ihren Sohn bekanntlich durch ein Bad in heiligen Gewässern unverwundbar zu machen, übersah jedoch, dass seine Ferse durch ein Blatt bedeckt ist, sodass sie zu seiner ewigen Schwachstelle wurde. Die Gesamtsituation spiegelt sich durchaus bei Delaney, der mit einer göttlichen Allmacht umherstolziert und scheinbar nicht zu besiegen ist. Das Konzept einer Schwachstelle deutete Taboo jedoch ebenfalls mehrfach an, besonders, als er Lorna (Jessie Buckley) ganz explizit als "my weakness" bezeichnete. Handelt es sich bei der Geschichte mit seiner Mutter also womöglich um eine missglückte Achilles-Taufe? An sich eine spannende Idee, allerdings gruselt es mich jetzt schon vor dem Moment, falls solch eine Wendung als weiterer Twist verkauft wird.

Ob die East India Company um Stuart Strange (Jonathan Pryce) nun James' Schwachstelle gefunden hat oder nicht, in jedem Fall ist es eine angenehme Abwechslung, ihn ordentlich einstecken zu sehen. "Sir Stuart just wants you to know it's war. The gloves are off", bekommt Delaney mitgeteilt, bevor sein geliebtes Schiff in seine Einzelteile gesprengt wird. Wer hätte gedacht, dass die East India Company nach all den gescheiterten Versuchen, sich gegen James' Vorhaben zu wehren, tatsächlich nochmal erfolgreich handelt? Plötzlich wendet sich das Blatt zu Gunsten der Kompanie: Das Schiff wird zerstört, Delaney muss seine Schießpulvervorräte umlagern und womöglich wird ihm der Mord von Winter (Ruby-May Martinwood) in die Schuhe geschoben. Natürlich könnte es auch Delaney selbst im Vollrausch gewesen sein, irgendwie fühlt es sich aber nicht so an, als ob Steven Knight Kindermord auf die Liste von Delaneys Untaten setzen möchte, auch wenn er in einem Anflug von Mommy Issues auch schon fast Zilpha getötet hat.

Zilpha bleibt unerwarteterweise eins der größten Sorgenkinder von Taboo und bekommt auch in dieser Episode nicht die Gelegenheit, zu einer richtigen Person zu werden. Während ihr Bruder durch die geglückten Angriffe der East India und seine subtile Zuneigung zu Lorna immer menschlicher erscheint, bleibt Oona Chaplin dermaßen unterfordert, dass es weh tut und für die letzten beiden Episoden pessimistisch stimmt. Der Mord an Thorne (Jefferson Hall) war abzusehen, allerdings hätte ich geglaubt, dass damit endlich der Durchbruch ihres Charakters einhergeht. Stattdessen rennt sie direkt zu James und gibt sich schon fast comichaft unterwürfig ("Take that dress off. Take that fucking dress off now."), es bleibt also alles wie gehabt. Das so lange absolut gar nichts aus ihrer Figur herausgeholt wurde ist insofern besonders schade, als dass Oona Chaplins anscheinend permanent von Panik gejagte Blicke den Grundstein eines der spannendsten Gesichter der Serie bilden. Überhaupt wirken ihre zwanghaft kontrollierten, stets verängstigten Bewegungen zusammen mit ihrer unter Verschluss gehaltenen Leidenschaft so, als habe ihr Charakter noch jede Menge zu erzählen. Bleibt nur zu hoffen, dass das nicht nur Oona Chaplin, sondern auch die Autoren so gesehen haben.

Wie auch immer die letzten zwei Stunden dieser 1. Taboo-Staffel ablaufen werden, es wird in jedem Fall blutig. Es wird jetzt schon ordentlich gemetzelt, stets mit einem Bein in der Welt der Magie, oder zumindest in der Mythologie und den biblischen Sagen. Wenn James' Komplize nach dem Mord am Verräter feststellt: "Two possibilities. He sold you out, 'cause you cut off his thumb, or you cut off his thumb, 'cause you knew he was going to sell you out", dann ist es nur noch ein Steinwurf zur Bibel mit Delaney als etwas rabiaterer Version von Jesus, der ganz genau weiß, welcher seiner Jünger ihn verraten wird, wenn es darauf ankommt. Ob es sich dabei um "reason" oder "witchcraft" handelt, das wissen wir noch nicht so genau. Anhand dessen, was wir bislang gesehen haben, gibt es jedoch gute Gründe, sich auf noch ein bisschen witchcraft zu freuen.

"Leave this body where it can be found. You can keep the heart."

Notizen am Rande:

- Es wird an der Zeit, sich Sorgen um Godfrey (Edward Hogg) zu machen. Sehr unbedacht, sich direkt zu Delaney nach Hause zu begeben, um ihn zu informieren, schließlich steht sein Haus mit Sicherheit unter permanenter Beobachtung der East India. Tipp: Er schafft es nicht bis zum Ende der Staffel.

- Persönliches Highlight der Episode: George Chichester (Lucian Msamati) spricht über Sklaverei und alle anwesenden East India-Angehörigen sind peinlich berührt.

- Cholmondeley (Tom Hollander) wird ebenfalls von Folge zu Folge sympathischer. Dieses Mal erklärt er seinen Mitarbeitern so anschaulich wie möglich, was passiert, wenn man dem Salpeter noch ein bisschen Chlorat hinzufügt: "Think of it as like adding a baby to a marriage."

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