The Dead Don't Die: Daneben ist The Walking Dead ein zuckersüßer Kindergeburtstag

Iggy Pop in der Zombiekomödie The Dead Don't Die
© Universal
Iggy Pop in der Zombiekomödie The Dead Don't Die
Moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
folgen
du folgst
entfolgen
Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.

In The Dead Don't Die mordet zwar niemand mit fremder Menschenhaut auf dem Gesicht. Trotzdem hat Jim Jarmusch (Paterson) eine erstaunlich niederschmetternde Zombiekomödie vorgelegt.

Da können Adam Driver, Bill Murray und Tilda Swinton noch so amüsante Zitate auf die untergehende Welt loslassen: Der Eröffnungsfilm des Festivals von Cannes 2019 bietet neben abgetrennten Zombieköpfen und frischem Menschengedärm vor allem einen resignierten Blick auf ein Land in den täglichen Untergangswehen. Daneben wirkt The Walking Dead wie eine zuckersüß optimistische Tagträumerei.

Drei Dinge, die ihr über The Dead Don't Die wissen solltet:

  • Iggy Pop spielt einen Zombie, der nur "Coffee" brabbelt.
  • Tilda Swinton hat sich ins Casting zur Neubesetzung von Galadriel aus Der Herr der Ringe verlaufen.
  • Adam Driver spielt mit und es fällt ein Star Wars-Witz. Ob beides in derselben Szene, müsst ihr selbst herausfinden.
  • Alle Infos zum Festival Cannes 2019 in der Übersicht.

Worum geht es in The Dead Don't Die?

The Dead Don't Die beginnt wie jeder andere Zombiefilm auch. Oder fast. Irgendwas stimmt nicht in dem kleinen Städtchen Centerville. Die Sonne will nicht untergehen, die Uhren sind kaputt und die Handys bald ebenso.

Dabei drehen die Polizisten Ronnie (Adam Driver) und Cliff (Bill Murray) ihre Runde genauso wie an jedem Tag, in jeder Woche, seit Jahren oder sogar Jahrzehnten. Vorbei am Diner, an Bestattungsinstitut, Motel und jugendlicher Besserungsanstalt. Sie würden sich sogar Donuts und Kaffee holen, wäre es nicht so verdammt hell und viel zu spät für Koffein. Der Trott will es, selbst wenn die Natur nicht mehr mitspielt.

Bevor die ersten Zombiehändchen sich mühsam aus der Erde wühlen (auch Zombies müssen in The Dead Don't Die für ihr Fleisch mühevoll malochen), drängen sich Nachrichten in den Vordergrund: Fracking an den Polarkappen habe die Erde aus ihrer Achse gestoßen. Der US-Umweltminister verneint: Was weiß schon ein "sogenannter" Wissenschaftler? Fake News!

Nach den ersten Todesfällen resignieren die Polizisten: Das ist sie dann wohl, die Zombieapokalypse. Und nu? Wo in The Walking Dead der verzweifelte Überlebenskampf beginnt, schauen die beiden Rick Grimes-Kollegen in The Dead Don't Die erstmal zu.

The Dead Don't Die ist ein klassischer Zombiefilm mit viel Meta-Humor

Für die Parallelen zur Gegenwart müssen wir in dem neuen Film von Jim Jarmusch nicht tief graben. Hier wird der Weltuntergang selbst als logischer Schluss einer (Trump-)Denke präsentiert, in der der Kapitalismus sich an Mensch und Welt nährt, bis beide lebensunfähig sind.

Eben so wie der Iggy Pop-Zombie, der in ein Diner läuft, an einer Frau herumbeißt, sich alten Gewohnheiten folgend Kaffee übers Gesicht schüttet und weiterzieht. Der Leichnam liegt mit der offenen Bauchdecke neben dem Tresen wie der angebissene Burger auf einem Plastiktablett.

Weil es sich bei The Dead Don't Die um eine Komödie handelt, dürfen drei Cops einzeln diesen Tatort begutachten, begleitet von einem dreifach wiederholten Einzeiler. Manchmal fühlt sich dieser Film an, als stünde Jarmusch dabei, der einem im rechten Moment die Mundwinkel hochzieht.

Jarmusch folgt in seiner Konsum- und Kapitalismuskritik großen Vorbildern wie George A. Romero. Statt eines Kaufhauses suchen die Untoten in The Dead Don't Die Tankstellen und Baumärkte auf, torkeln sie durch das Örtchen mit leuchtenden Smartphones und einem krächzenden "Wifi" auf den Lippen.

Das amüsiert genauso wie die gar nicht mal subtilen Referenzen ans Personal des Films. Wer Spaß an furztrockenen Einzeilern aus den zugegeben dafür erschaffenen Mündern von Bill Murray und Adam Driver hat, wird sich über The Dead Don't Die freuen. Nur könnte die Angelegenheit lustiger und weniger selbstgefällig sein.

Die Antithese von The Walking Dead - ganz ohne Bösewicht

Letztlich wirken auch die Macher in einem Zombie-Trott gefangen. Ob Bill Murray oder Adam Driver, Tilda Swinton als exzentrische Bestatterin, Selena Gomez als "Hipster aus der großen Stadt" oder Jarmusch selbst - jeder entspricht in diesem Film seinem Typ.

Niemand überrascht, alle torkeln in gewohnten Mustern über die Leinwand, spucken die zu erwartenden Deadpan-Dialoge aus und ziehen weiter.

Es war sowas wie ein Omen, als Jury-Präsident Alejandro González Iñárritu bei der Eröffnungsgala von Cannes eine lange Rede auf Spanisch hielt und der Schnitt Bill Murray im Publikum zeigte, der gerade seine Augen schloss. Ein echter Lacher, ein "echter Bill Murray-Moment". Zwei Stunden später hatte ich genug davon.

Was so erschreckt am Weltuntergang in Centerville, USA: Hier gibt es keine Familien, keine Beziehungen, kaum Zusammenhalt. Nicht einmal Bösewichte. Dafür fehlt der Wille für ... irgendwas. 738 Seelen leben hier, denen niemand zu Hilfe kommt.

Fast jeder kämpft den Zombiekrieg in The Dead Don't Die für sich allein, vor allem die lustigen Polizisten, die ihre untoten Mitbewohner ungerührt wie eh und je über den Haufen fahren. Keine Communites, kein Hilltop, kein Alexandria, nicht einmal eine Farm gibt es als Rückhalt. Nur abgestandene Witze und ganz viel Wut. Es ist purer Horror.

Freut ihr euch auf The Dead Don't Die von Jim Jarmusch?

Moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
folgen
du folgst
entfolgen
Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.
Deine Meinung zum Artikel The Dead Don't Die: Daneben ist The Walking Dead ein zuckersüßer Kindergeburtstag
8d13433d735248d3ab498cea7b62240d