The Walking Dead: Bitte erlöst uns von den Whisperern

The Walking Dead: Alpha und ihre Whisperer
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The Walking Dead: Alpha und ihre Whisperer
Moviepilot Team
Jenny von T Jennifer Ullrich
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Junior Redakteurin bei Moviepilot. Mag Arthouse-Filme, HBO-Shows, Stanley Kubrick und Cersei Lannister.

Achtung, Spoiler zu The Walking Dead: Staffel 9 bedeutete für The Walking Dead im vergangenen Jahr einen großen Umbruch: Zum einen verließ Hauptdarsteller Andrew Lincoln die Serie, zum anderen wurde mit den Whisperern eine ganze Gruppe neuer Antagonisten eingeführt. Alpha und Co. müssen in Negans (Jeffrey Dean Morgan) Fußstapfen treten und Angst und Schrecken verbreiten, aber gelingt ihnen das auch?

Nach knapp eineinhalb Staffeln fällt das Zwischenfazit trotz zumindest eines größeren Paukenschlags in der Folge Die Ruhe davor eher ernüchternd aus. Die Whisperer-Gemeinschaft kommt irgendwie blutleer daher - ihre selbst gewählte Nähe zu den echten Zombies der Serie ergibt daher aus den denkbar falschen Gründen Sinn.

Die Whisperer zünden in The Walking Dead einfach nicht

  • Die menschliche Seite von Alpha und ihrer Gefolgschaft wird trotz persönlicher Hintergrundgeschichten nie greifbar.
  • Das unterscheidet die Gruppe von früheren Gegenspielern wie dem Governor und besonders Negan, die nie wie ein bloßes Konstrukt wirkten.
  • Was genau macht Alpha eigentlich zu einer Anführerin? Nicht einmal diese Frage kann die Serie beantworten.

Zugegeben: Das Konzept, das den Whisperern zugrunde liegt, klingt erst einmal spannend und auf morbide Weise erfrischend: Statt andauernd vor den Untoten auf der Flucht zu sein, mischen sie sich mit Fleischmasken direkt unter sie und finden genau dadurch Schutz. Ganz nebenbei ist die Gruppe auch unglaublich brutal. Hier werden auch mal Säuglinge den Zombies zum Fraß überlassen, wenn Alpha es befiehlt.

Ihre Erbarmungslosigkeit allein macht die Whisperer allerdings noch lange nicht furchterregend für den Zuschauer, wenn sie lediglich behauptet wirkt. Tatsächlich hat The Walking Dead schon Versuche unternommen, in Alphas kaputte Seele hineinzublicken. Woher kommt ihre Grausamkeit, wie war diese Frau vor der Apokalypse? Die unbefriedigende Antwort: Gar nicht mal so viel anders.

The Walking Dead: Alpha ist eine seelenlose Antagonistin

Aufschluss geben soll uns vor allem Alphas Verhältnis zu ihrer Tochter Lydia (Cassady McClincy), das nie von nennbarer Zuneigung geprägt war. Lydias natürliche Schutzbedürftigkeit als kleines Mädchen wertet Alpha als Schwäche, und dafür wiederum hat sie nur Verachtung übrig. Dass dann der kompromisslose Hüne Beta (Ryan Hurst) ihr Vertrauen gewinnt, überrascht umso weniger.

Doch wo bleibt Alphas Verletzlichkeit? Unter der Ekel-Maske ist sie offensichtlich ein Mensch, aber davon spüren wir nicht viel. Dass sie selbst nicht übers Herz bringt, was sie von anderen fordert (nämlich das Töten des eigenen Kindes), verleiht ihr eine gewisse Ambivalenz, die eher theoretisch bleibt.

Alphas Problem: Sie ist eine Kunstfigur und fühlt sich auch so an. Ihr Hang zu prätentiösen Formulierungen verhindert jede Bindung an sie ebenso wie ihre affektierte Art zu sprechen. Darstellerin Samantha Morton macht zweifellos das Beste aus dieser Rolle, aber so, wie The Walking Dead seine Oberschurkin inszeniert, liegen Horror und unfreiwillige Komik oft frustrierend nah beieinander.

Negans schwieriges Erbe in The Walking Dead

Der Vergleich von Alpha mit dem "alten" Negan der Savior-Phase mag nicht ganz fair sein und legt doch wunderbar offen, was der Königin der Whisperer fehlt. Auch Negan hat unvorstellbar grausame Dinge getan, ist allerdings auf wundersame Weise seit jeher ein nahbarer Charakter, dem man sich schwer entziehen kann.

Seine Waffe sind seine lockeren Sprüche, die jede Negan-Szene zu einer Attraktion und ihn selbst trotz allem zu einem Wesen aus Fleisch und Blut machen. Seine Autorität gründete zudem nicht ausschließlich auf Angst.

Genau wie Alpha war der Savior-Negan ein Anführer mit Prinzipien - anders als sie hingegen gewährte er seinen Anhängern wirklich Schutz innerhalb eines klar abgesteckten Gesellschaftsentwurfs. Warum ein Überlebender der Apokalypse Alpha folgen sollte, hat uns The Walking Dead bislang nicht glaubhaft vermittelt. Sie macht keine Versprechen, abgesehen vielleicht von der Aussicht auf Infektionen durch die Haut-Masken.

Auch Alphas rechte Hand Beta reicht zu keiner Sekunde an Negans Stahlkraft heran. Die wichtigsten Einblicke bis hierhin über ihn: Er hat einmal einen guten Freund verloren, ist loyal, relativ wortkarg und badass. Verdammt badass. Das reicht locker zu 9 von 10 Punkten auf einer Coolness-Skala für pubertierende Teenager, doch langsam ist es an der Zeit, dass er in The Walking Dead zu mehr werden darf als einer Mumie auf Speed.


Schon durch ihre Pseudonyme sowie ihre Verkleidung flüchten sich die Whisperer in Anonymität, identifizieren sollen wir uns mit ihnen natürlich von vornherein nicht. Für ihre in jeder Hinsicht unterkühlte Erscheinung bezahlt The Walking Dead andererseits einen hohen Preis, indem uns die Macher erstmals Bösewichte vorsetzen, die einfach nicht interessant sind.

  • The Walking Dead schauen: Die neuen The Walking Dead-Episoden werden sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und sind hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen.

Zum Glück besteht nun endlich Hoffnung, denn zuletzt mischte sich niemand Geringeres als Negan unter das Volk der Whisperer. In den Comics ist er es, der Alpha ein gnadenloses Ende bereitet und The Walking Dead wäre gut beraten, den selben Weg einzuschlagen. Wenn einer es verdient hat, uns von diesem Elend zu erlösen, dann die momentan schillerndste Figur der Serie.

Wie steht ihr zu den Whisperern aus The Walking Dead?

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