The Walking Dead ohne Andrew Lincoln ist möglich, aber sinnlos

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Achtung, Spoiler zu The Walking Dead: Vor wenigen Stunden scheuchten diverse Meldungen über Andrew Lincolns möglichen Ausstieg aus The Walking Dead die Fans rund um den Globus auf. Wenngleich sich AMC bisher nicht zur Thematik geäußert hat, berichten mittlerweile verschiedene Seiten mit Verweis auf eigene Quellen: Auf die ursprüngliche Collider-Meldung folgten Berichte von Entertainment Weekly und dem Hollywood Reporter. Demzufolge soll Andrew Lincoln nach der 9. Staffel, die voraussichtlich im Herbst 2018 startet, der Zombie-Apokalypse den Rücken kehren. Seit 2010 führt er den Haupt-Cast von AMCs Serien-Flaggschiff an und ist zusammen mit Melissa McBride, Norman Reedus (und Lennie James) der einzige Schauspieler, der aus der Debütstaffel noch übrig ist. Mit Andrew Lincoln steht und fällt der Überlebenskampf, der sich dieses Mal weniger auf die apokalyptischen Zustände innerhalb der Serie bezieht als unmittelbar auf die Serie selbst.

Warum The Walking Dead ohne Andrew Lincoln nicht funktioniert

Andrew Lincoln ist das Gesicht von The Walking Dead, keine Frage. Seit der 1. Staffel posiert er auf jedem Poster, wenn er nicht in Form von Prank-Videos mit seinen TWD-Kollegen das Internet erobert. Sein flehender Blick bietet mehr Meme-Potential als jede noch so coole Pose von Norman Reedus, der mit seinem Motorrad durch Amerika fährt. Und an diesem Punkt hätten wir noch nicht einmal die verschiedenen Stadien seines Bartwuchses erwähnt, der wie ein metaphorischer Schatten die Entwicklung seiner Figur in The Walking Dead begleitet. In Rick Grimes ist das Herz dieser postapokalyptischen Erzählung verankert. Sein Verlust, sein Schmerz und seine Trauer begründen die (Mythologie der) Serie, genauso wie die Comics, die Robert Kirkman unter der Prämisse ins Leben gerufen hat, herauszufinden, zu was der Mensch am Ende aller Tage bereit ist, um zu überleben. Ohne Rick als konkrete Figur wäre dieses Gedankenexperiment allerdings verloren.

Wie Robert Kirkman haben auch die verschiedenen Showrunner trotz ständiger Wechsel (von Frank Darabont über Glen Mazzara bis hin zu Scott M. Gimple) erkannt, dass all die vernichtende Trostlosigkeit und das niederschmetternde Übel von The Walking Dead nur funktioniert, wenn zwischen all den Untoten die Leidenschaft eines Protagonisten quillt, der diesen Anforderungen gewachsen ist. Rick Grimes - Ehemann, Vater, Sheriff - bringt überdurchschnittlich viele Eigenschaften mit, um eine sprichwörtlich vor sich hinrottende Welt davor zu bewahren, endgültig auseinanderzubrechen, selbst wenn er regelmäßig daran scheitert. In keiner anderen Figur haben sich in den vergangenen Jahren die menschlichen Abgründe auf dermaßen facettenreiche Weise offenbart wie bei Rick, der die Zuversicht und Hoffnungslosigkeit der Geschichte mit zuverlässiger wie erschreckender Präzision in einem tragischen Menschenleben vereint. Rick ist Held und Monster, vielmehr noch als alle seine Kontrahenten.

Wenn Andrew Lincoln geht, muss The Walking Dead enden

Umringt von Toten, die aus ihren Löchern gekrochen kommen, ist Rick Grimes zweifelsohne der Pulsschlag, der The Walking Dead acht Jahre lang am Leben gehalten hat und für den roten Faden zwischen all den Irrwegen der Zombie-Apokalypse verantwortlich ist. Der Traum der "nächsten Welt", die er für Carl errichten wollte, schwebte selbst in der düstersten Stunde des unerbittlichen Überlebenskampfes als Hoffnungsschimmer am Horizont. Mit den Ereignissen der 8. Staffel hat sich in dieser Hinsicht allerdings sowieso einiges verändert, gravierend sogar, wenn wir uns Ricks grundlegende Motivation anschauen, die da nun nicht mehr ist. Auf gewisse Weise rast The Walking Dead seit einigen Episoden sowieso auf ein verheerendes Ende von Ricks Handlungsstrang zu, vorausgesetzt, die Macher haben sich keine Old Man Rick-Storyline für eine Spin-off-Staffel ausgedacht, wo dieser alleine durch die Wüste irrt. Es ist also mehr als fraglich, ob die Serie ohne ihren Protagonisten überleben kann.

Sollte Andrew Lincoln im kommenden Jahr tatsächlich die Serie verlassen, wäre das eigentlich der perfekte Zeitpunkt, um The Walking Dead (unabhängig potentieller Spin-off-Ideen) mit einem finalen Paukenschlag enden zu lassen. Selbst in Anbetracht des aktuellen Serien-Booms ist es nach wie vor die Königsdisziplin der seriellen Gattung, eine Geschichte denkwürdig abzuschließen. Viel zu oft wird der Punkt des Ausstiegs verpasst oder missverstanden. Im schlimmsten Fall kommt es dann nicht einmal so weit, weil eine Serie vorzeitig abgesetzt wird und sich daraufhin in einem ungewissen Limbus befindet, dem nur in den seltensten Fällen Abhilfe geschafft werden kann. Dass sich The Walking Dead in Zukunft häutet, bietet sich zwar in Anbetracht der Survival-Thematik an. Die Möglichkeit alleine sollte aber nicht Grund genug dafür sein, wenn der letzte tragende Pfeiler im Fundament verschwunden ist. Aller Sympathie und Lässigkeit zum Trotz: Unmöglich kann Norman Reedus diese Serie auf seinen alleinigen Schultern tragen.

Könnt ihr euch The Walking Dead ohne Andrew Lincoln vorstellen?

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