The Walking Dead - Staffel 7, Episode 1 im Recap

The Walking Dead - Staffel 7, Episode 1: The Day Will Come When You Won't Be
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The Walking Dead - Staffel 7, Episode 1: The Day Will Come When You Won't Be
moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
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Schaut zu viel ins Internet.

Wen Negan (Jeffrey Dean Morgan) im Finale der 6. Staffel von The Walking Dead getötet hat? Vermutlich gibt es keine einzige Frage in der Serien-Landschaft, die diesen Sommer so ausgiebig diskutiert wurde wie diese. Bereits kurz nach Ausstrahlung von Last Day on Earth begannen die Spekulationen hinsichtlich möglicher Todesopfer. Nicht einmal die aktuelle Staffel von Game of Thrones konnte diesen Cliffhanger in den Schatten stellen. Da haben die kreativen Köpfe hinter The Walking Dead ganze Arbeit geleistet, um die Erwartungen an die Rückkehr der Zombie-Horror-Serie ins Unerträgliche zu steigern. Mit The Day Will Come When You Won’t Be, der 1. Episode der 7. Staffel, hat das Warten endlich ein Ende und wir erhalten eine Antwort auf die Frage aller Fragen. Das Problem ist nur, Showrunner Scott M. Gimple lässt uns sowie seine Figuren nach der großen Offenbarung etwas hilflos im Regen stehen.

"I'm gonna kill you", lautet einer der ersten Sätze der Episode, allerdings stammt er nicht von Negan. Nein, Rick (Andrew Lincoln) trotzt dem Widersacher, der bereits in Robert Kirkmans zugrundeliegender Comic-Vorlage für unaussprechliche Schandtaten verantwortlich war. Nun hat der ultimative Bösewicht auch Einzug ins Serien-Narrativ erhalten. Hätte der Governor (David Morrissey) diesen Augenblick noch erleben können, er hätte sich vermutlich beschämt in eine Ecke zurückgezogen und den großen Jungs das Feld überlassen. Negan eilt ein Ruf voraus, der jeden alleine beim Aussprechen des Namens erzittern lässt, und Jeffrey Dean Morgan versteht es, diesem wahnsinnigen Monster genau die Präsenz zu verleihen, die es braucht, um uns in den kommenden Wochen den Schlaf zu rauben. Trotzdem kniet Rick da, verschwitzt und mit Tränen in den Augen, und kündigt an, sein Gegenüber zu töten.

Obwohl der von Greg Nicotero inszenierte Staffelauftakt nahtlos an die vorherigen Geschichten anschließt, ist binnen weniger Minuten klar: Auf die Kundgebung von Negans Opfer müssen wir noch geduldig warten. Es wird geredet und geredet, während die Kamera immer wieder unerbittliche Close-ups von Leid und Verderben sucht. Negan gefällt sich richtig in seiner Rolle als psychopathischer Tyrann. Auf gewisse Weise verkörpert er Ricks schlimmsten Alptraum, nämlich einen Mann, der gestört genug ist, um die Welt zu zerstören, und einen Mann, der clever genug ist, um die Welt zu zerstören. Wenngleich Negans Persona auf den ersten Blick schwer in Worte zu fassen ist, offenbart sich mit fortwährender Laufzeit, dass sein Charakter wohl zu den abstraktesten Schreckensbildern von The Walking Dead gehört. So unmöglich es scheint, sein unmittelbares Handeln genau nachzuvollziehen, aus einem entfernten Winkel ist es plausibel.

Natürlich stellt sich früher oder später die Frage, warum er sich diesen Zirkus rund um ein paar Überlebende überhaupt antut, die offensichtlich keine Chance gegen seine bis an die Zähne bewaffnete Gefolgschaft haben. Wer an diesem Punkt der Zombie-Apokalypse eine Infrastruktur der Unterdrückung aufgebaut hat wie Negan, der sollte nach all der gesammelten Erfahrung eher zum kurzen Prozess tendieren. Doch Negan will spielen, will scherzen, will töten. Er will die Welt einfach nur brennen sehen - und dieser Satz erinnert nicht zufällig an ein Zitat aus The Dark Knight. Auf gewisse Weise deutet Scott M. Gimple im Hintergrund tatsächlich eine Beziehung zwischen Rick und Negan an, die der von Batman und dem Joker gar nicht so unähnlich ist. Nach all dem, was mittlerweile in The Walking Dead passiert ist, gibt es nur noch Gestörte und die, die verzweifelt versuchen, den Wahnsinn in seine Schranken zu weisen.

Die 6. Staffel hat dabei sehr viel Zeit investiert, um zu zeigen, wie schmal der Grat zwischen Monster und Monsterjäger ist. Rick selbst hat schon mehrere Male diese Grenze überschritten und steht womöglich nur deswegen jetzt als Guter da, weil ihm eine viel grausamere Bestie einen mit Stacheldraht gesäumten Baseballschläger vors Gesicht hält. Unglaublich, wie zynisch diese Serie geworden ist, vielleicht macht sie aber das gerade so faszinierend. 20 Minuten in The Day Will Come When You Won’t Be und wir wissen immer noch nicht, wen Negan getötet hat. Einerseits frustriert es durchaus, dass Scott M. Gimple so verkrampft an seinem dreisten Cliffhanger festhält. Andererseits liefert ihm dieses perfiden Spiel mit den Emotionen eine Steilvorlage, um Rick zu sezieren. Im Grunde sitzen wir tatenlos vor dem Bildschirm und schauen zu, wie eine Figur komplett zerbricht. "Grab the ax", befiehlt Negan dem ehemaligen Sheriff, als würde er einen Hund auffordern, das Stöckchen zu holen.

Zwischen Schockstarre und Trotz schleudert Rick strafende Blicke Richtung Negan, bis er sich seinem Willen beugt. "Drop it", lautet die nächste Anweisung und dann geht das Spiel von vorne los. Negan reißt Rick förmlich aus seiner Gruppe, indem er mit ihm mitten in den finsteren Wald verschleppt, wo langsam die Morgendämmerung einsetzt, ein schauerlicher Nebel aber trotzdem den Durchblick verwährt. Mit dem RV fährt Negan blindlings in das Chaos hinein, das Blut spritzt und Beißer werden ganz beiläufig zermatscht. All die Dinge, die für Rick und seine Gruppe ein mühevoller Überlebenskampf sind, erledigt Negan sprichwörtlich im Vorbeifahren. Das Machtgefälle ist deutlich - irgendwann hängt Rick sogar in den Armen eines (lebenden) Toten und klammert sich an den modrigen Körper, in der Hoffnung, einen Ausweg zu finden. Wenn The Day Will Come When You Won’t Be ein Gefühl heraufbeschwört, ist es allerdings jenes, dass es dieses Mal keinen Ausweg gibt.

Greg Nicotero findet atemberaubende wie erschreckende Bilder in dieser Sequenz, die alleine durch ihre Motivik begeistert. Auf Augenhöhe mit dem Tod: Nach diesem starken Exkurs ins neblige Niemandsland packt Scott M. Gimple aus und zeigt Negans Taten. Hingebungsvoll zermatscht er Abrahams (Michael Cudlitz) Schädel. Ein abartiges Gore-Fest, das der Antagonist genüsslich auskostet und auch von der Kamera begierig eingefangen wird, was sich überaus befremdlich anfühlt. So kalkuliert Abrahams Ableben wirken mag, er ist nicht das einzige Opfer dieses grausamen Moments. In einem unerwarteten wie mutigen Zug folgt mit Glenn (Steven Yeun) kurze Zeit später der nächste Tod und sorgt endgültig dafür, dass pure Verzweiflung herrscht. "I can see this is hard on you guys", sagt Negan ganz fachmännischen und durchbricht dabei geradezu die vierte Wand. Das Schluchzen der Unglücklichen geilt ihn auf, dann hat er, was er will: ihre endgültige Unterwerfung.

"You answer to me. You provide for me. You belong to me." Die Ansage ist klar und gibt einen Ausblick, was uns in der ersten Hälfte der 7. Staffel ungefähr erwarten mag. Dennoch fällt The Walking Dead nach Auflösung des Cliffhangers in ein großes Loch, das vorerst nichts als betäubende Leere zu bieten hat. "Bet you thought you were all gonna grow old together, sittin' around the table at Sunday dinner and the happily ever after", schwadroniert Negan weiterhin und für den Bruchteil einer Sekunde wagt sich Scott M. Gimple ins Terrain eines Serienfinales, bevor er wieder zurück ins ungewisse Morgengrauen einer neuen Staffel wechselt, wo Ricks Gruppe sichtlich am Boden zerstört damit beschäftigt ist, das soeben Erlebte zu verarbeiten. Unheilvoll schwebt Negans "I'm just getting startet" über den Geschehnissen. Was ist aus dem Traum der Next World geworden? "Doesn't work like that, Rick. Not anymore." Der absolute Tiefpunkt ist erreicht. Die entscheidende Frage ist nun, was Scott M. Gimple nach diesem vernichtenden Manifest als nächstes auf Lager hat.

The Walking Dead Staffel 7 - Überlebst du die Zombie-Apokalypse?


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