Timon und Pumbaa heben den König der Löwen auf eine neue Ebene - zum Glück

Der König der Löwen
© Disney
Der König der Löwen
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StrawStar Esther Stroh
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Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.

Timon und Pumbaa waren im Zeichentrickfilm Fanlieblinge und sind auch im neuen König der Löwen wieder eine wahnsinnig amüsante Bereicherung. Das Duo besitzt aber mehr als nur komisches Potenzial. Erdmännchen und Warzenschwein werden von Disney genutzt, um dem König der Löwen eine zusätzliche Ebene hinzuzufügen.

Das ist sehr erfrischend. Durch Timon und Pumbaa erhält das Remake einen doppelten Boden, der den in Nostalgie schwimmenden Zuschauer in kurzen Momenten doch noch überraschen kann.

Kurzgefasst lässt sich sagen: Timon und Pumbaa werten das König der Löwen-Remake auf, denn:

  • Die Erdmännchen-Warzenschwein-Combo ist wiedererkennbar und lustig - auf alte und neue Weise.
  • Als einige der wenigen Figuren traut das Hakuna-Matata-Duo sich, humorvoll vom Original abzuweichen.
  • Durch Timon und Pumbaa erhält Der König der Löwen eine unerwartete Meta-Ebene, die verspielt mit dem Disney-Erbe umgeht.

Timon und Pumbaa - Das Beste an Der König der Löwen?

Schon die ersten Reaktionen zum König der Löwen priesen Timon und Pumbaa als Figuren, die den Löwen zuweilen die Show stahlen. Nach dem Kinobesuch kann ich nur bestätigen: Die beiden Dschungelbewohner sind ein echtes Highlight im Remake.

Natürlich waren das Warzenschwein und das Erdmännchen schon immer wahre Disney-Lieblinge, wie unlängst das Disney-Figuren-Voting bewies. Doch was ihre Besonderheit ausmacht, ist im König der Löwen-Remake die Mischung aus alt und neu: Während Timon und Pumbaa noch dieselben Figuren sind, kommen sie dennoch mit erfrischend neuen Sprüchen um die Ecke.

Der König der Löwen und die Narrenfreiheit der Comic-Relief-Charaktere

Es ist, als würden wir mit Timon und Pumbaa alte Bekannte neu in Aktion sehen: Sie sind noch die Alten, dürfen aber auch neue Witze reißen und so gelegentlich auf eigenen Beinen (und Hufen) stehen. Und das nicht nur, weil Timon mit seiner Körpersprache deutlich ausdrucksstärker ist als manch andere Tiere des Remakes.

Im englischen Original müssen sich die Sprecher Billy Eichner und Seth Rogen (der anfangs echte Schwierigkeiten mit Pumbaas Gesang hatte) sich nicht vor den Originalstimmen verstecken, denn als mühelos wirkendes komödiantisches Team funktionieren sie perfekt.

Als Nebenfiguren haben Timon und Pumba zudem den entscheidenden Vorteil, dass sie die Nostalgie der Vorlage nur manchmal bedienen müssen. Klar, sie singen auch Hakuna Matata. Aber während Disney Angst zu haben scheint, auch nur ein Wort aus dem Maul eines abgöttisch verehrten Löwen zu ändern, gelten für Timon und Pumbaa andere Regeln. Sie dürfen sich als Remake-Querschläger mehr herausnehmen - und dabei ironischer und selbstreflektierter zur Tat schreiten.

Timon und Pumbaa treiben den König der Löwen zur Selbstreflektion

Timon und Pumbaa besitzen nämlich als einzige Figuren ein Bewusstsein, dass über den Film hinausgeht. Mit Randbemerkungen brechen sie immer wieder aus der Welt von Der König der Löwen aus und spielen mit dem Wissen der Fans.

Diese Meta-Ebene existierte schon im Zeichentrickfilm. Momente, die strenggenommen in der afrikanischen Savanne nichts zu suchen hatten, waren zum Beispiel Timons Hula-Tanz zur Hyänen-Ablenkung, das Warzenschwein-Schwanz-Gewehr oder Pumbaas Taxi Driver-Zitat, das verblüffende Inspirationsquellen beim König der Löwen offenlegte.

Im Remake wiederholen der neue Timon und der neue Pumbaa diese bekannten überdrehten Witze nicht (vielleicht, weil ein Witz irgendwann veraltet oder ausgelutscht ist?). Stattdessen zeigen sie, dass sie das Zeichentrick-Original im Hinterkopf haben.

Im König der Löwen-Remake ist Disney sich bewusst, dass es Disney ist

Denn natürlich spürt Disney die ganze Zeit über die prüfenden Augen der König der Löwen-Fans. Statt das zu ignorieren, darf der ständige Blick von außen mit Hilfe von Timon und Pumbaa jedoch wahrgenommen werden, was folgende Meta-Momente zeigen (Achtung, ab hier folgen Spoiler):

  • In Pumbaas Ursprungsgeschichte wird vom Pupen ("farting") gesungen, was im Original noch abgebrochen wurde ("Pumbaa! Doch nicht vor den Kindern!") - wobei beide offen kommentieren, dass sie die Textzeile diesmal nicht stoppen.
  • Außerdem sprechen Timon und Pumbaa aus, dass Hakuna Matata ihr "signature song", also ihre bewusste Erkennungsmelodie ist.
  • Wenn beide sich beschweren, Hakuna Matata gefühlt schon Jahre zu singen, dann ist das zugleich eine Anspielung auf den Zeitraffer, der Simba gerade altern lassen hat - was sie als Figuren in derselben Welt natürlich eigentlich nicht wissen dürften.

Ikonische Momente und Lieder werden liebevoll auf die Schippe genommen. Das tut dem Genuss keinen Abbruch, hat aber zugleich den angenehmen Effekt, dass das so wahnsinnig ähnliche König der Löwen-Remake den Fan doch noch überraschen kann. Selten zwar, aber immerhin.

Dieser Meta-Humor gipfelt für Timon und Pumbaa schließlich in dem Moment, wo statt eines Hula-Tanzes eine Schöne und das Biest-Referenz erfolgt, denn Timon stimmt in bester Lumière-Manier plötzlich einen anderen Disney-Song an: "Sei hier Gast" (Be our guest) erklingt und sorgt damit für das ultimative, natürlich überhaupt nicht ernst gemeinte, Disney-Crossover.

Bei genauer Betrachtung ist es sicherlich reiner Selbstzweck, wenn Disney auf Disney anspielt. Dennoch war das der Moment, der mich im Kino am lautesten auflachen ließ. Es war schlicht das Unerwartetste, was für mich im König der Löwen-Remake passierte.

Die willkommensten Abweichungen verdanken wir also auch in der Neuauflage Timon und Pumbaa, die als Figuren schon immer so angelegt waren, mit grenzüberschreitendem Humor Glück zu stiften. Danke dafür.

Mochtet ihr Timon und Pumbaa in Disneys König der Löwen-Remake?

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Ab 22. August im Kino!Good Boys
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