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Unsere liebsten LGBTQ-Filme, die ihr gesehen haben solltet - Teil 2

Moonlight/Tangerine/Blau ist eine warme Farbe
© DCM Film Distribution/KOOL Filmdistribution/Wild Bunch
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Bereits gestern präsentierten wir euch unsere liebsten queeren Filme, die ihr gesehen haben solltet - Teil 1. Die Liste ging von den Anfängen dieser Filmgattung bis hinzu der Darstellung von Mitgliedern der LGBTQ-Community bis zum Ende der 1990er Jahre. Heute folgen die Filme ab den 2000ern, die für uns die besten und wichtigsten sind. Inbesondere für diejenigen unter euch, die es gestern auf den Straßen Berlins krachen ließen, bietet diese Liste eine Auswahl an Filmen, die ihr heute entspannt auf der Couch oder im Bett schauen könnt. Für alle anderen sind sie natürlich ebenso sehenswert.

Die queeren Filme der 2000er - Zwei Cowboys erobern die Herzen der Welt

Die Sichtbarkeit der queeren Community kam glücklicherweise auch in den 2000ern nicht zum Halt. Leider machte sich zu dieser Zeit ein Mangel an Filmen bemerkbar, die sich homosexuellen Frauen widmeten.

Lost and Delirious - Verrückt nach Liebe (USA 2001)

Das kanadische Independent-Drama Lost and Delirious - Verrückt nach Liebe erzählt die Geschichte von Mary (Mischa Barton), die von ihren frisch getrennten Eltern auf ein Internat geschickt wird. Dort teilt sie sich das Zimmer mit den älteren Mädchen Paulie (Piper Perabo) und Tori (Jessica Paré) und findet bald heraus, dass die beiden heimlich ein Paar sind. Als Gerüchte über ihre Sexualität verbreitet werden, fühlt sich Tori gezwungen, mit Paulie Schluss zu machen. Sie fängt an mit Jungs auszugehen, um als heterosexuell angesehen zu werden, was Paulie das Herz bricht.

Neben der vielen Highschool- und Jugenddramen um lesbische Liebe aus den frühen 2000er Jahren ist Lost and Delirious - Verrückt nach Liebe eine authentische Coming of Age- und Coming-out-Story, die sich der sexuellen Selbstfindung und den Schwierigkeiten widmet, die sich im Rahmen homosexueller Liebe in einem heteronormativen System stellen, und erzählt ebenso die als universell geltende Geschichte einer ersten Liebe. (JM)

Mambo Italiano (Kanada 2003)

Roger Ebert nannte Mambo Italiano in seiner Kritik aus dem Jahr 2003 My Big Fat Gay Wedding. Zugegebenermaßen ist die Unterhaltung hier sehr leicht und der Film rutscht in einigen Szenen ins etwas Schrille ab, aber das macht Mambo Italiano nicht weniger liebenswert.

Im Zentrum des Films befindet sich der alleinstehende Angelo Barberini (Luke Kirby), der mit seiner Schwester (herrlich) bei seinen Eltern (noch herrlicher) wohnt. Diese sind vor der Geburt ihrer Kinder von Italien nach Kanada ausgewandert, wollten aber eigentlich nach Amerika. Seine Eltern sind typisch italienisch und so sorgt Angelo bei beiden fast für einen Herzinfarkt, als er unverheiratet auszieht. Sein späteres Outing macht die Situation nicht besser. Als in seine Wohnung eingebrochen wird stellt, sich einer der Polizisten als Angelos Kindheitsfreund Nino (Peter Miller) heraus. Die beiden beginnen eine Beziehung doch haben nicht mit Ninos Über-Mama (am Herrlichsten) gerechnet, die alles ihr nur Mögliche tut, um ihrem Sohn doch eine Frau an die Seite zu stellen.

My Summer of Love (Großbritannien 2004)

In My Summer of Love verlieben sich zwei junge Frauen ineinander. Mona (Natalie Press) kommt aus einer Arbeiterfamilie, von der nur ihr älterer, krimineller Bruder noch lebt. Tamsin (Emily Blunt) kommt aus einer gehobenen Familie, in der ihr kaum Zuwendung gegeben wird. Über einen Sommer folgen wir der jungen neuen Liebe, die zerbrechlicher ist als sie auf den ersten Blick wirkt.

My Summer of Love markiert das Leinwand-Debüt von Emily Blunt, die in der Rolle der Tamsin zu sehen ist. Regisseur Pawel Pawlikowski gewann 2014 einen Oscar für seinen fremdsprachigen Film Ida.

Sommersturm (Deutschland 2004)

Achim (Kostja Ullmann) und Tobi (Robert Stadlober) sind seit ihrer Kindheit beste Freunde. Gemeinsam sind sie Mitglieder in einem Ruderverein und nehmen an einer Meisterschaft teil. Tobi hegt schon seit längerer Zeit mehr als nur freundschaftliche Gefühle für Achim. Diese melden sich noch lautstärker, als bei einem Turnier anstelle einer Mädchen-Mannschaft eine teilnimmt, die aus schwulen jungen Männern besteht. Es kommt zu Konflikten mit der anderen Mannschaft, in der auch Leo ist, der großes Interesse an Tobi entwickelt. Es entsteht ein dramatisches Beziehungsviereck, das in einer Schlägerei endet.

Sommersturm ist ein wunderbarer Coming-out/Coming-of-Age-Film, der in der Darstellung des inneren Konfliktes seines Protagonisten sehr glaubwürdig ist.

Brokeback Mountain (USA 2005)

Brokeback Mountain war der erste kommerzielle Erfolg, in dem die Liebe zweier Männer zueinander dargestellt wird. Die Sexualität der beiden Protagonisten wurde seit der Veröffentlichung des Filmes zwar stark diskutiert, er ist aber zweifellos ein Film über zwei queere Männer. Er ist zudem nach The Birdcage - Ein Paradies für schrille Vögel der bisher zweiterfolgreichste Film, der sich klar mit Mitgliedern der LGBTQ-Community befasst. In Hollywood bedeutete dieser Erfolg, dass Produzenten und Produzentinnen sich zukünftig mehr trauten, wenn es um die Darstellung queerer Figuren geht.

In Brokeback Mountain verlieben sich im Amerika der 1960er Jahre zwei Cowboys ineinander. Ang Lee hätte sich kaum ein "maskulineres" Setting für diesen Film aussuchen können. Über 20 Jahre ersteckt sich die verbotene Liebe dieser zweier Männer, die von Jake Gyllenhaal und Heath Ledger gemimt werden. Beide erhielten für ihre Darbietung eine Oscar-Nominierung. Wider Erwarten gewann Brokeback Mountain nicht in der Kategorie Bester Film, was zu einer der größten Kontroversen in der Geschichte des wichtigsten Filmpreises Hollywoods wurde.

Transamerica (USA 2005)

Bree Osbourne (Felicity Huffman) ist eine Trans*Frau. Eine Woche vor ihrer geschlechtsangleichenden Operation erhält sie einen Anruf von einem jungen Mann, der behauptet, ihr Sohn zu sein. Er sitzt im Gefängnis und benötigt Hilfe. Da ihr Sohn nicht Bree Osbvorne, sondern Stanley Schupak (Brees Geburtsname) erwartet, gibt sie sich als christliche Missionarin aus, die ihm helfen möchte. Die beiden begeben sich auf einen gemeinsamen Roadtrip, der einige Hürden bietet.

Felicity Huffman wurde für ihre Darbietung in Transamerica mit einem Golden Globe ausgezeichnet und für einen Oscar nominiert. Wie auch schon bei Hilary Swanks Darbietung in Boys Don't Cry handelt es sich zweifellos um großartige Leistungen, schöner wäre aber, wenn die Figuren von richtigen Trans*Personen gespielt würden. Hier muss allerdings bedacht werden, dass die Filme mehr als eine Dekade vor Caitlin Jenner veröffentlicht wurden, die Transgender für die große Masse ein Gesicht gegeben hat.

A Single Man (USA 2009)

A Single Man erzählt die Geschichte von George Falconer (Colin Firth), einem Professor mittleren Alters. Falconer leidet seit dem Unfalltod seines Partners, mit dem er 16 Jahre lang zusammen war, an starken Depressionen. Er plant seinen Suizid und erledigt letzte Dinge, die vor seinem Ableben getan werden müssen. Im College zeigt der junge Student Kenny (Nicholas Hoult) großes Interesse an Falconer, folgt ihm einen Abend sogar in eine Bar. Die beiden verstehen sich gut, was dazu führt, dass Falconer abwägen muss, ob er sich für die Vergangenheit oder die Zukunft entscheidet.

A Single Man ist ein äußerst stylischer Film. Regie führte der Designer Tom Ford, der hier sein Regiedebüt feiert. Einzelne Einstellungen könnte man ausgedruckt auch in Museen oder Hochglanzmagazinen finden. Ford gelingt es zusätzlich auch, die Geschichte von Falconer mit Gefühl zu erzählen, was einer großartigen Leistung von Colin Firth zu verdanken ist.

Contracorriente - Gegen den Strom (Peru 2009)

Miguel (Cristian Mercado) lebt mit seiner hochschwangeren Ehefrau in einem Fischerdorf im Norden Perus. Was niemand weiß: Er führt eine Affäre mit dem Maler Santiago (Manolo Cardona). Eines Tages ertrinkt dieser und kehrt als Geist zurück und bittet Miguel, seinen Körper zu finden. Miguel findet ihn, entschließt sich aber gegen die Bergung seines Liebhabers. Die Affäre mit dem Geist ist nämlich wesentlich unkomplizierter als zuvor. So schlafen sie in einem Bett und verbringen so unentdeckt Zeit miteinander, da außer ihm niemand Santiago sehen kann.

Was Contracorriente - Gegen den Strom besonders spannend macht, ist die Darstellung der Beziehung, nachdem Santiago zum Geist wurde. Diese macht nochmals deutlicher, wie heimlich und verboten sie zuvor war.

I Killed My Mother (Kanada 2009)

Hubert Minel (Xavier Dolan) führt eine angespannte Beziehung zu seiner Mutter (Anne Dorval). Er hasst es, wie sie sich Make-up auflegt, während sie Auto fährt. Er hasst es, wenn ihr beim Essen Streichkäse im Mundwinkel hängen bleibt. Er hasst ihre Vorliebe für kitschige Möbel. Kurzum, er hasst vieles an ihr. Eines Tages eskaliert der Streit und als eine Lehrerin ihn auf seine Mutter anspricht, sagt er, sie sei tot. Das Missverständnis klärt sich schnell auf, dient aber nicht dem Wohle der kränkelnden Mutter-Sohn-Beziehung. Zuflucht sucht Hubert bei seinem Partner, Antonin, von dem seine Mutter nichts weiß. Sie erfährt über Umwege von der Sexualität ihres Sohnes und ist davon sichtlich am Boden zerstört.

I Killed My Mother ist das Regiedebüt des frankokanadischen Regisseurs Xavier Dolan. Im zarten Alter von 19 Jahren drehte er diesen semi-autobiografischen Film, der in Cannes im Rahmen der Director's Fortnight seine Premiere feierte und mit Jubel begrüßt wurde. Ein Wunderkind war geboren. Seither widmete sich Dolan, der in vielen seiner Filme mitspielt, in diesen oft queeren Thematiken, wie zum Beispiel in Herzensbrecher, Sag nicht wer du bist, Laurence Anyways und Es ist nur das Ende der Welt.

Prayers For Bobby (USA 2009)

Prayers for Bobby basiert auf der wahren Geschichte des schwulen Bobby (Ryan Kelley) und seiner Mutter Mary (Sigourney Weaver). Der Film spielt Ende der 1970er/Anfang der 1980er in Kalifornien. Ihre Familie erzieht Mary strikt nach den Glaubensregeln der evangelikalen Kirche. Schon früh entdeckt einer von Bobbys Brüdern, wie dieser eine Überdosis Aspirin schluckt, in der vermeintlichen Hoffnung, sich so das Leben zu nehmen. Bobby gesteht seinem Bruder seine Homosexualität, wovon wenig später auch Mary Wind bekommt. Die Familie beginnt sich langsam an Bobbys Sexualität zu gewöhnen, Mary hingegen versucht ihren Sohn zu "retten": Psychotherapie und ein stärkerer Einbezug der Kirche sollen ihr dabei behilflich sein. Sprüche wie "Homosexualität ist eine Sünde" und "Ich werde keinen schwulen Sohn haben" führen zu verstärkten depressiven Episoden bei Bobby. Als sein Freund ihn betrügt, fasst Bobby den Entschluss, sich das Leben zu nehmen.

Mary Griffiths kam nach dem Tod ihres Sohnes dazu, ihre strikten religiösen Ansichten zu ändern und mauserte sich schließlich zu einer LGBTQ-Aktivistin. Prayers For Bobby zeigt, was für erschreckende Folgen der Mangel an Akzeptanz bei "andersartigen" Kindern und Erwachsenen haben kann. Insofern ist dieser Film ein Must-Watch. Nur die Taschentücher nicht vergessen.

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