Spectre ist der Tiefpunkt der Craig-Ära: James Bond 25 muss erst recht abliefern

Spectre - Trailer 2 (Deutsch) HD
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Daniel Craig als James Bond
08.11.2020 - 14:58 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Um 20:15 Uhr strahlt RTL heute James Bond - Spectre aus. Der vorletzte 007-Einsatz von Daniel Craig ist aber so enttäuschend, dass er den Druck auf Keine Zeit zu sterben erhöht.

November 2020 wäre für James Bond-Fans fast ein Monat der Freude geworden. Nach der ersten Verschiebung des letzten 007-Einsatzes von Daniel Craig sollte James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben Mitte dieses Monats in die Kinos kommen. Aufgrund der derzeitigen Situation wurde der deutsche Termin nochmal auf Ende März 2021 verschoben.

Als kleinen Trost strahlt RTL heute Abend dafür Craigs vorletzte Mission als weltberühmtester Geheimagent aus. James Bond 007 - Spectre ist für mich aber der Tiefpunkt der aktuellen Bond-Ära. Nach diesem Film muss Keine Zeit zu sterben erst recht für einen würdigen Abschied von Daniel Craig sorgen.

James Bond - Spectre beginnt spektakulär und enttäuscht dann umso mehr

Direkt am Anfang ist von einem Tiefpunkt aber noch nichts zu spüren. Spectre beginnt vielmehr mit einer fantastischen Eröffnungssequenz, die zu den besten der ganzen Bond-Reihe gehört. Sam Mendes, der auch schon beim Vorgänger Skyfall Regie führte, inszeniert den Auftakt von Spectre als spektakuläre Plansequenz.

In Mexiko-Stadt fängt der Regisseur das Treiben während dem Tag der Toten-Feiertag ohne sichtbare Schnitte und mit hypnotischen Trommeln ein, während ein verkleideter Bond wie ein Phantom durch die Menschenmassen gleitet.

Hier könnt ihr ein Video zur Entstehung der Bond-Eröffnungssequenz schauen

Spectre - Featurette Vlog Day of the Dead Festival (Deutsche UT) HD
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Die minutenlange Anspannung explodiert, als der Geheimagent zwei Attentäter an der Sprengung eines Stadions hindert, aus einem zusammenstürzenden Gebäude flüchtet und sich schließlich noch eine Prügelei an Bord eines Hubschraubers liefert.

Nach diesen rund 10 Minuten hat Spectre seinen Zenit jedoch schon überschritten.

Spectre steckt zwischen psychologischer Tiefe und James Bond-Tradition fest

Seinen Ansatz aus Skyfall, James Bond als Figur psychologischer zu beleuchten und sogar in die Kindheit des Spions einzutauchen, verfolgt Sam Mendes in Spectre weiter. Gleichzeitig soll dieser Bond-Film durch ordentlich Fanservice stärker als die Vorgänger an die klassischen Merkmale der Reihe anknüpfen.

Mit Actionsequenzen im Zug, Abstechern ins Skigebiet und einer sadistischen Folter ruft Spectre Bond-Klassiker wie Liebesgrüße aus Moskau, Im Geheimdienst ihrer Majestät oder Goldfinger in Erinnerung. Einen eigenen Rhythmus entwickelt der Film dabei nie.

Neben den wenigen richtigen Actionszenen schleppt sich die Handlung von Spectre stattdessen durch eine Liebesgeschichte, die viel zu emotionslos daherkommt, und die Geheimnisse der titelgebenden Geheimorganisation, die wieder einmal eng mit Bonds Vergangenheit verknüpft sind.

Dabei bekommt Sam Mendes den Spagat zwischen psychologischer Tiefe und purem Spektakel kaum so hin wie in seinem eigenen Vorgänger Skyfall. Spectre wirkt eher, als würde der Film selbst gelangweilt durch die Entwicklungen der Geschichte stolpern, während die Actionszenen immer wieder darauf warten, exzessiv ausbrechen zu dürfen.

James Bond - Keine Zeit zu sterben wirkt wie ein bombastischer Abschluss der Craig-Ära

Auch wenn wir uns noch mindestens bis Ende März 2021 gedulden müssen, bevor der letzte Bond-Film mit Daniel Craig ins Kino kommt, geben die ersten Trailer schon einen guten Eindruck vom Finale dieser Ära.

Schaut hier den Trailer zu James Bond - Keine Zeit zu sterben

Auch wenn Trailer einen fertigen Film oft noch nicht ideal widerspiegeln, deutet sehr viel von den bisherigen Keine Zeit zu sterben-Szenen auf eine andere Richtung für Craigs Bond-Finale hin. Der Wechsel des Regisseurs von Sam Mendes zu Cary Fukunaga dürfte der Action des Films schon mal eine frische Dynamik verleihen.

Bei Mendes wurde gerade in Spectre deutlich, dass dieser eigentlich aus dem Theater- und Drama-Bereich kommt und mit großen Action-Set-Pieces überfordert ist. Fukunaga hat sein handwerkliches Können beispielsweise als Regisseur von allen Folgen der ersten Staffel True Detective unter Beweis gestellt.

Und wenn ich mir den letzten Trailer zum kommenden Bond-Film so anschaue, feuert Fukunaga als Regisseur hier anscheinend aus allen Rohren. Bestimmt wird auch der finale Bond-Einsatz von Daniel Craig nochmal eine Brücke zu den bisherigen Teilen schlagen und auf persönliche Zwischentöne bei der Entwicklung des Geheimagenten setzen.

Bisher wirkt es aber so, als würde sich Keine Zeit zu sterben komplett zu den Wurzeln des Franchise bekennen und auf atemberaubende Action setzen, die Craig umso wuchtiger in den Ruhestand befördert. Nach dem hüftsteifen, unentschlossen zwischen zwei Welten feststeckenden Spectre kann ich davon nur träumen.

Wie findet ihr Spectre und was erhofft ihr euch vom letzten Bond-Film mit Daniel Craig?

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