Wie Star Wars 8 das Unmögliche schaffte - und fantastisch wurde!

Strike me down in anger and I'll always be with you ...
© Disney/moviepilot
Strike me down in anger and I'll always be with you ...
moviepilot Team
Kängufant Andreas Gerold
folgen
du folgst
entfolgen
Lovely, in a fluffy, moist kind of way.

Vor langer Zeit in einer gar nicht mal so weit entfernten Galaxis wurde ein kleiner, von so vielen unterschätzter Film zu einem Wunder, einer Herzensangelegenheit für Millionen, zu einem ganzen Universum. Er war in so vielen Belangen überhaupt nicht neu, in anderen war er etwas nie Gesehenes. Er begeisterte, inspirierte und begleitete Generationen, im Kino, in Spielen, in Büchern - in der Fantasie. Doch während wir mitfiebern, hoffen, mit ganzem Herzen lieben, bauen wir langsam aber sicher, vielleicht ohne es zu wollen, unseren eigenen, kleinen Todesstern der Erwartungen auf, der sich unaufhaltsam hinter dem Mond von Yavin hervorschiebt. Er schoss schon einmal bei der letzten Trilogie, und auch bei Star Wars - Episode VIII: Die letzten Jedi hat er eine internetweit spürbare Erschütterung der Macht verursacht.

Kommt mit und fliegt (in sicherem Abstand) einem liebevoll restaurierten A-Wing (ganz ohne neue Szenen) hinterher, der sich aufmacht, dem Imperium der Entrüstung die Stirn zu bieten, denn dessen Todesstern zielt diesmal nicht auf digitale Verschlimmbersserungen, die so wären, als würde man einem Wookie eine Dauerwelle verpassen. Er zielt auch nicht auf ein Effektgewitter, als hätte man Ewoks für eine kleine Dorfparty ein millionenschweres Eventmanagement an die Seite gestellt. Dieser Todesstern zielt auf einen eigentlich ziemlich guten Film, der verdammt viel richtig gemacht hat. Und jp@movies fliegt ihm entgegen...

Der Kommentar der Woche von jp@movies zu Star Wars - Episode VIII: The last Jedi

(seufz) Was geht denn hier ab? Eigentlich ist es ja schön, dass der Film immerhin polarisiert, aber wenn man dann liest, was hier manche von sich geben, frage ich mich, ob die den gleichen Film gesehen haben, oder ob ihnen der, den sie erahnen konnten und lieber sehen wollten, im Wege stand.

An The Force Awakens war nix neu, nur mit einer neuen Generation toller Darsteller eine unterhaltsame Variation bekannter Motive, aber keine Ecken und Kanten zum dran Stoßen. Genau die reicht Rian Johnson nach, macht dann das für unmöglich Gehaltene draus und entschlackt (von einigen aufgrund der Überlänge und Fülle an Details) unbemerkt das überfrachtete, ächzende Franchise von allem Ballast - und hat verdammt nochmal Spaß dabei!

Vorsicht SPOILER: Alle kriegen ihr Fett weg, egal ob asketisch-religiöse Aristokraten, überhebliche Bösewichter, oder vorpreschende (männliche) Helden im üblichen Alleingangmodus. Die kriegen auf's (Darth) Maul oder werden getasert - wunderbar! End-lich! Bei aller Liebe zu Poe und Finn, es ist so schön, sie auch mal scheitern zu sehen, und nicht gegenüber den Bösen, sondern den Leuten auf der eigenen Seite, ob über oder unter ihnen. Würden die Leute mal vorher miteinander reden, wäre vieles vermeidbar gewesen (wie der Casino-Planet, aber halt, da war Justin Theroux - und(!!) Benicio del Toro - also doch alles richtig gemacht, auch für das Besenstielende, in dem ich mich selbst vor 35 Jahren sah, nachdem mir Empire Strikes Back im kroatischen Strandkino die Phantasie überrollte).

Scheitern ist erlaubt!
Fehler machen ist erlaubt!
Was für eine wundervolle Message im Zusammenspiel mit der Balance zwischen Gut und Böse - das ergibt mehr Sinn, als der blinde(!) Glaube an eine nur einseitig empfundene und ausgeübte Macht.

Es gab wunderbare Stille (nach der Hyperraum-Kamikaze-Kollision - was übrigens exakt dem Manöver entspricht, das Rian Johnson geflogen ist...), roten Sand unter einer Salzkruste (die man auch dank der Polarfüchse lange falsch gelesen hat), den wunderschönen roten Saal mit Kylo und Ren für einen Kampf lang Seite an Seite - ein Befreiungsschlag vom Ballast aller Erwartungen, die auf den Figuren lagen, was für ein Fest!
Yoda war auch in einer der Szenen wieder eine Puppe, zwar digital überlagert, aber von Hand animiert vom einzig waren Frank Oz - und das Nonnen-Design erinnerte mich wunderbar an Der Dunkle Kristall, was sicher kein Zufall ist.
Es werden Menschen gerettet und nicht geopfert!
Und als Krönung ein Mark Hamill in Topform, der sein jüngeres Selbst an die Wand spielt, und mir einen Luke zurück gibt, dem ich mich verbunden fühle, wie damals.
Eine Leia, die bezaubert und endlich wieder eine Knarre halten darf, und wenn sich beide begegnen, mit den Würfeln von Han's Rückspiegel - was könnte schöner sein?

Das ist der Funke, der bleibt, und eine leergefegte Leinwand für viel Fantasie, eure Fantasie. (In meiner würden in Episode 9 übrigens weder Ben noch Rey sterben.)

Danke, Rian Johnson, für die Revitalisierung toter Patienten, danke Steve Yedlin für die Bilder, das fantastische Licht und die wunderbaren Farben, und all die vielen Eindrücke dieser Wundertüte von Film, die (mir) einfach nur Spaß gemacht hat, und bei der man es nie und nimmer allen Recht hätte machen können.

Den Originalkommentar findet ihr hier.

moviepilot Team
Kängufant Andreas Gerold
folgen
du folgst
entfolgen
Lovely, in a fluffy, moist kind of way.
Deine Meinung zum Artikel Wie Star Wars 8 das Unmögliche schaffte - und fantastisch wurde!
48d09b4df2fd4b1984311b4b71e71fbe