Mockingbird

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 4, Folge 7

The Hound
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The Hound

Von Kontinente umspannenden Fragen der Rechtspflege fokussierte sich die vergangene Game of Thrones -Episode im Prozess des Tyrion Lannister langsam auf einen seit Jahrzehnten schwelenden Vater-Sohn-Konflikt. Mockingbird, die 7. Folge der 4. Staffel führt diese Bewegung fort. Ein großer Spaß ist das Spiel der Intrigen in Game of Thrones oft, wenn sich Geschwister gegenseitig ausspionieren oder sich ein komplexer Plan in Bewegung setzt, Zahnrad in Zahnrad greift, und wir das überraschende Ergebnis mit durch die Moon Door stürzender Kinnlade verarbeiten. In Mockingbird weichen die Freuden an der Struktur dieser Serie mit ihren vielen Variablen einfachen, sehr menschlichen Impulsen. Angeordnet um (wieder einmal) drei Begegnungen in Tyrions Zelle müssen einige sonst so gewitzte oder harte Figuren sich ihrer (emotionalen) Rüstungen entledigen und sich dem augenscheinlich größten Wagnis des Game of Thrones-Universums aussetzen: auf andere angewiesen zu sein.

Der Kampf um die Macht: Abgesehen von der kurzen Erinnerung, dass Jon Snow wieder an der Wall abhängt und immer noch im Konflikt mit Ser Alliser Thorne steht, haben wir es bei Mockingbird mit einer erstaunlich homogenen Episode zu tun. So kurz vor dem Finale ist das keine Selbstverständlichkeit. Im Norden erfahren wir jedenfalls, dass Jons Warnungen verhallen. Wenn es nach Alliser gegangen wäre, hätte Jon in Craster’s Keep seine ewige Ruhe gefunden. Trotz der Sympathien, die seinen Brüder in Schwarz dem Bastard aus Winterfell entgegenbringen, wird Jons Rat, den Tunnel unter der Wall zu verbarrikadieren, auf Druck Allisers nicht nachgegangen. Ob wir demnächst endlich wieder Mance Rayder zu sehen bekommen oder hat Ciarán Hinds seinen kaum getragenen Pelzmantel (mint condition!) bereits bei Ebay versteigert?

Eine kommende Entwicklungen vorbereitende Szene erwartet uns auch in Dragonstone, wo eine mysteriöse Reise von Stannis und seiner Entourage angekündigt wird. Wohin diese geht, verraten weder Melisandre noch Stannis’ Angetraute Lady Selyse. Dabei nutzen die Autoren und Showrunner David Benioff und D.B. Weiss Sexposition zur Abwechslung recht sinnvoll. Denn Selyses Kampf mit Eifersucht und religiösem Wahn, Sünde und Frömmigkeit, wird durch die unverschämt nackte wie selbstbewusste Red Woman herausgefordert. Im Gegensatz etwa zur vorherigen Szene zwischen Daario und Daenerys gibt sich Melisandre nicht unterwürfig einem objektivierenden Blick hin, wenn auch Selyse ihre Augen nur schwer abwenden kann. Während ein Krieger in dieser Episode ohne Rüstung zu einem Häufchen Trauma zusammenfällt, könnte Melisandre von der Wanne aufs Schlachtfeld steigen, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie “braucht” die Mutter und ihre Tochter, sie “braucht” auch Stannis, aber emotionale Regungen, wie sie Selyse quälen, hat sie hinter sich gelassen, sofern sie diese überhaupt jemals besaß. Während die fromme Frau Gott regelrecht anbettelt, scheint sich Melisandre dessen Rückhalt gewisser als dem jeder menschlichen Seele. For you don’t count the dead / When God’s on your side.

Anhänger bestimmter feministischer Filmtheorien auf aller Welt werden vor Freude gegluckst haben, als Daenerys den Eindringling/Stalker Daario in der Szene davor auffordert, sich vor ihren Augen zu entblättern. Daenerys weiß die Begierden ihrer Untergebenen mittlerweile für sich zu nutzen. Sie bestärkt die durch Daarios anmaßendes Verhalten gefährdeten Machtverhältnisse durch seine Degradierung zum Lustobjekt und hält ihn gleichzeitig bei Laune bzw. Loyalität. Zur Abwechslung fällt der gaffende Kamerablick also nicht auf wohlgeformte weibliche Brüste und Schenkel, sondern einen Männerpo. Den kann sich vielleicht auch der eifersüchtige Jorah vorstellen, der in bestimmten Kreisen des Internets nahezu zur Witzfigur verkommen ist. Insofern ist es zu begrüßen, dass der Ratgeber seine etwas brachiale Herrscherin besänftigen kann. Umgeben von Männern, die mehr als nur den Erfolg ihres Eroberungszuges im Sinn haben, ist die Drachenlady in der Vergabe ihres Vertrauens zur Vorsicht geraten. Das bringt Macht mit sich. “I could never have faith in a man like Daario”, gibt sie gegenüber Jorah zu und lässt sich von ihrem ältesten Vertrauten umstimmen, was den Umgang mit den Herren von Yunkai angeht. “They can live in my new world or they can die in their old one.” Anders als ein Ser Alliser versichert sich Daenerys ihrer eigenen Position nicht durch die Verachtung Untergebener, sondern deren Integration. Aber auf einem Thron hat bekanntlich nur einer Platz.

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