Zum Glück kehrt Zack Snyder schon bald wieder ins Kino zurück

Zack Snyder bei den Dreharbeiten zu Batman v Superman: Dawn of Justice
© Warner
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2017 war ein schweres Jahr für Zack Snyder. Während der Dreharbeiten zu Justice League wurde der Regisseur unerwartet von einem persönlichen Schicksalsschlag getroffen, als sich seine 20-jährige Tochter Autumn das Leben nahm. Im März 2017 veröffentlichte Snyder daher ein Statement, in dem er bekannt gab, sich von den Dreharbeiten an Justice League zurückzuziehen, um die nötige Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Eine Entscheidung, die höchstes Verständnis verdiente, auf beruflicher Ebene aber bedauerlicherweise zum nächsten Rückschlag für den Regisseur führte. Mit der Verpflichtung von Jess Whedon als Ersatz für Snyder wurde aus Justice League aufgrund von zahlreichen Nachdrehs und Änderungen ein überaus unausgegorener Flickenteppich von einem Comic-Blockbuster. Bei großen Teilen des Publikums sowie Kritikern stieß der Film auf Ablehnung und wurde für das Studio Warner Bros. am Ende zum bisher größten Flop des DCEU.

Die Sorge war daher berechtigt, wie es nun mit Zack Snyder weitergehen wird. Nach dem vergangenen Jahr stand der Regisseur am bislang wahrscheinlichsten tiefsten Punkt seiner Karriere. Aber das könnte jetzt vorbei sein. Gestern wurde bekanntgegeben, was Snyder als Nächstes realisieren soll. Die Verfilmung des Romans The Fountainhead, der aus der Feder der politischen Philosophin und Schriftstellerin Ayn Rand stammt, ist das neue Projekt des Regisseurs. Was in der Theorie nach einem Film klingt, der kaum weniger zu einem Filmemacher passen würde, der den puren Bilder-Exzess liebt und Comic-Verfilmungen stilistisch auf seine ganz eigene Art neudefiniert hat, könnte sich für Snyder als fulminantes Comeback erweisen. So oder so ist die Kino-Rückkehr von einem der interessantesten Mainstream-Regisseure der Gegenwart schon jetzt ein Grund zur Freude.

Zack Snyder als visionärer Blockbuster-Auteur

In seinem Remake von George A. Romeros Zombie - Dawn of the Dead schien der ehemalige Werbefilmer Zack Snyder noch zu experimentieren, wie er seinen wüsten Stil in einem neuen Format unterbringen könnte. Nach seinem Langfilmdebüt ist es dem Regisseur mit der Adaption von Frank Millers Comic 300 dann aber endgültig gelungen, sich als visionärer Bilderstürmer zu etablieren. Die einzelnen Panels aus der Vorlage adaptierte er Bild für Bild originalgetreu, um die Schlacht von Leonidas und seinen 300 Spartiaten als visuell überbordendes Spektakel voller Pathos, Epik, martialischer Choreografien und ausgiebigen Zeitlupen zu inszenieren.

Eine Ästhetik war geboren, die das Aussehen von Comic-Verfilmungen völlig neu prägte und dem Regisseur zugleich die ersten erzürnten Gegenstimmen einbrachte. Vergleiche zu den Propagandafilmen von Leni Riefenstahl kommen in Bezug auf das Schaffen von Zack Snyder, durch das sich gestählte Männerkörper in betonten Posen wie ein roter Faden ziehen, bis heute regelmäßig auf. Trotz der Vorwürfe verfolgte der Regisseur seinen Stil als eigenwilliger Blockbuster-Auteur mit unverkennbarer Handschrift unbeirrt weiter. Mit Watchmen - Die Wächter adaptierte er erneut einen Comic und setzte diesen Panel-getreu um. Entstanden ist hierbei erneut ein audiovisuell faszinierendes Ereignis, das die Geschichte und vor allem die Bilder der Vorlage von Alan Moore derart fulminant auf die Leinwand bannte, dass diese beinahe zum Bersten gebracht wurde.

Auf dem Zenit seines Könnens befand sich Zack Snyder schließlich mit Sucker Punch, den er erstmals vollständig ohne Vorlage erdachte. In einem der zu Unrecht gescholtensten Studio-Blockbuster der letzten 15 Jahre verschmolzen verschiedene Bewusstseins- und Realitätsebenen, fetischisierte sowie exzessiv zelebrierte Motive aus der jüngeren Popkultur-Geschichte und eine feministische Befreiungsgeschichte, die den typisch männlichen Blickwinkel unverblümt adressierte, um ihn ultimativ als Waffe einzusetzen. Wären Studio-Blockbuster im gegenwärtig dominierenden Einheitsbrei doch nur öfters derart ungestüm und eigenwillig wie Sucker Punch.

Zack Snyders unvorhersehbare, aufregende Zukunft

Nach Man of Steel, bei dem Zack Snyder aufgrund der Produktionsbeteiligung von Christopher Nolan unter dessen schwerfällig-depressiven Blockbuster-Handschrift der repetitiven Helden-Selbstzweifel zu ersticken drohte, zeigte Batman v Superman: Dawn of Justice Snyder wieder in alter Form. Der erneut höchst kontrovers diskutierte Film war ein finsteres Comic-Epos voller faszinierender Themen und Zwiespälte, das Superhelden konsequent als gefährliche, unberechenbare, mitunter psychopathisch veranlagte Monster im Kampf gegeneinander porträtierte. Nach diesen Filmen, die Warner finanziell stets zufriedenstellten, schien die Zukunft des Regisseurs fest im DCEU verankert zu sein.

Das Justice League-Debakel wirkt nun allerdings wie ein Befreiungsschlag, der dem Regisseur künftig neue Freiheiten eingesteht. Mit seinem nächsten geplanten Film The Fountainhead scheint Synder diese auch umgehend für sich zu nutzen. Wie das Werk am Ende aussehen wird, lässt sich momentan nur vermuten. Die Geschichte der Vorlage, die der Regisseur laut eigener Aussage als echte Analyse des kreativen Prozesses betrachtet, könnte eventuell auch eine reichhaltige Auseinandersetzung mit Snyders eigenem Werdegang sein, der kreative Impulse oftmals mit den Ansprüchen eines Massenpublikums vereinen musste. In jedem Fall könnte The Fountainhead für Zack Snyder ein fulminantes Comeback darstellen, das ihm selbst als künstlerische Erfüllung dient und ihn in den Augen des Publikums oder der Kritiker endgültig rehabilitiert. Es wäre längst an der Zeit dafür.

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