Game of Thrones - Staffel 7, Folge 7: Der große Krieg ist da

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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

Die Mauer ist gefallen. Vor sieben Staffeln hatte Ned Stark einen Deserteur der Nachtwache hingerichtet, weil dieser nach dem Anblick der White Walker seinen Eid gebrochen hatte. Nun bricht sich das Untotenheer mit Hilfe eines blaues Feuer speienden Drachen Bahn. Der von Zauber und Ammenmärchen geschützte Eiswall stürzt in sich zusammen. The Dragon and the Wolf (Der Drache und der Wolf) löst endlich ein, was der Prolog von Game of Thrones und die vielen Einstellungen auf der Stelle tretender Eiszombies versprochen hatten. Kaum zu glauben ist es da, dass die neuerliche Lange Nacht und der Überlebenskampf der in sich zerstrittenen Menschheit nun in sechs verbliebenen Folgen abgehandelt werden soll. Immerhin bemühen sich die Autoren beim Halten des Inzest-Pegels der Fantasy-Show. Während Jaime sich endlich von Cersei trennt, schippern Jon und Daenerys, eng von ihren vertraglich gesicherten Nacktheitsklauseln umschlungen, in die 8. Staffel.

Halten wir aber zunächst inne im Abschied von einem erst liebgewonnenen, dann zum Überdruss-Magnet verkommenen Intriganten. Petyr "Littlefinger" Baelish (Aidan Gillen) fühlte sich seinem Ziel zum Greifen nah. Sansa in Winterfell installieren, sie von ihrer Familie, insbesondere der lästigen Mini-Killerin, entfremden, lautete der Plan, der ihn schlussendlich auf den Thron bringen sollte. In seinen letzten Zügen, bettelnd vor den hohen Herren des Nordens, musste uns Littlefinger daran erinnern, dass seinem Charakter früher mal mehr einwohnte als eine Sammlung von verschwörerischen Ticks. Die wissenden Seitenblicke, die Stimme, die vom vielen heimlichen Flüstern offenbar ganz aufgeraspelt geworden war, boten sich der Parodie in den letzten Staffeln von Game of Thrones willig an. Aidan Gillens Darstellung zeugte dabei weniger von der Lust am Overacting als einer Langeweile über das eintönige Drehbuchfutter.

Die Ermordung von Lysa Arryn in der 4. Staffel bildete den Höhe- und Wendepunkt des kleinfingernden Handlungsstrangs. Danach trat Littlefinger als Agent seines eigenen Schicksals in den Schatten von Sansa Stark (Sophie Turner). Entsprechend mühselig wirkt im Nachhinein die Fallenlegung für seinen Niedergang. So wurde in der 7. Staffel ein Konflikt zwischen den Stark-Schwestern heraufbeschworen, nur um diesen roten Hering im Finale gewissermaßen zu filetieren. Zugegeben, ich habe zum Leidwesen meiner Nachbarn geklatscht und gequiekst, als Sansas Mund das verhängnisvolle "... Lord Baelish" entfuhr. Drehbuch und Inszenierung kosten diesen lustvoll dramatischen Schauprozess mit seinen schockierten Seitenblicken, dem Gewimmer und dem sprudelnden Blut, das sich auf den indifferenten Steinplatten Winterfells ausbreitet, ungeniert aus. Gut so! Der Prozess gegen Littlefinger ist bei allen Eisdrachen und Blümchen-Inzest eine der unterhaltsamsten Sequenzen der 7. Staffel von Game of Thrones, gerade weil sich die Beteiligten für nichts zu schade sind - vom irreal perfekt geschriebenen Timing der Stark-Schwestern, bis hin zu Gillens fast komödiantisch übertriebener Überraschung. Die Blickwechsel sind in dieser von weiteren Wiedersehen getragenen Folge fast wichtiger als die Dialoge, insofern schießen Sansa und Arya ihr ganz eigenes eisiges Feuer, als sie sich unvermittelt Baelish zuwenden.

Die Autoren setzen endlich einen Schlussstrich unter eine Figur, die der Sansa-Handlungsstrang spätestens nach dem Tod von Ramsay Bolton als Ballast mitschleifte. Der familiäre Zusammenhalt obsiegt über den Intriganten. So viel wird in The Dragon and the Wolf von der Familie geredet, dass in der Drachen-Arena eigentlich nur noch die quietschenden Reifen von Dom Toretto zur Vollendung fehlen. Die Verhandlung über einen Waffenstillstand zwischen Dragonstone und King's Landing gestaltet sich als großes Familientreffen mit Hindernissen. Brienne (Gwendoline Christie) und der Hound (Rory McCann) teilen den Stolz über ihre tödliche Ziehtochter Arya. Tyrion (Peter Dinklage) und Bronn (Jerome Flynn) erneuern ihre zarte Zuneigung. Pod (Daniel Portman) bleibt das vertraute Ziel zauberhafter Peniswitze. Der Hound bewundert die Gammelvisage seines hünenhaften Bruders. Im Zentrum aber stehen - trotz des aufmerksamkeitsheischenden Auftritts von Daenerys, Jons Ned-Moment, der Witzchen von Euron und der neugierigen Blicke Qyburns auf das eiskalte Händchen - die Lannisters.

Zwei einander spiegelnde Szenen werden da aufgeboten, die eine der am meisten erwarteten Wendungen der Serie heraufbeschwören. Zum einen versucht Tyrion seine Schwester Cersei (Lena Headey) von der Notwendigkeit des Waffenstillstands zu überzeugen. Er bietet sich gar der Bestrafung durch den Mountain an, nur um kurz darauf erleichtert einen Kelch Wein zu exen. Zum anderen zeigt sich Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) schockiert über Cerseis dann doch sehr cersei-typische Entscheidung. Sie will der Hilfe für den Norden gar nicht nachkommen, hat also das getan, was für Jon Snow (Kit Harington) nicht in Frage kommt: aus strategischen Gründen zu lügen. Auch Jaime fordert im Verlauf des Gesprächs Cerseis Gewissen heraus, doch das Schwert des Mountains wird wieder nicht von Blut getränkt. Stattdessen lässt Cersei ihre beiden Brüder ziehen. Zu Beginn der Staffel hatte ich fest damit gerechnet, dass Wildfire-Cersei diese nicht überleben würde. Zum Ende hin bin ich, ungeachtet der offenkundigen Drehbuchprobleme, erleichtert darüber, dass sich die Autoren von Game of Thrones ihre menschlichste Schurkin bewahren.

Diese 7. Folge der 7. Staffel endet mit dem grausam majestätischen Siegeszug der White Walker. Der Night King ist bislang nicht viel mehr als das: Eine Gewalt, die sich Bahn bricht, emotionslos, ohne Rücksicht, ohne Motivation, der gefrorene Tod. Auf dem Rücken des löchrigen Visarion wirkt er, anders als Daenerys, wie das computergenerierte Fantasy-Wesen, das er nun mal ist. Neben einem Voldemort und selbst einem Sauron, die das Böse in anderen Fantasy-Geschichten repräsentieren, ist der Night King wenig mehr als eine Schablone. Das gehört zu seinen Stärken. Je weniger wir von ihm sehen und vor allem hören, desto größer die Bedrohung. Seine wichtigste Funktion ist die des Katalysators menschlichen Dramas weiter im Süden. Darin gleicht Game of Thrones in der 7. Staffel einem anderen aktuellen Fernseh-Hit: The Walking Dead. Jenem Drama kommen mit Joffrey, den Boltons, Walder Frey und nun Littlefinger die vergleichsweise eindeutigen Schurken abhanden. Cersei und ihr Handlanger Euron werden für Staffel 8 von Game of Thrones aufgespart und die Szenen mit ihren Brüdern unterstreichen, warum die Lannister-Königin ein um ein vielfaches spannenderer Bösewicht ist als der eisige Abstinenzler mit seinen freudlosen CG-Horden. Indem die Autoren Cersei nicht in die wahnsinnige Furie verwandelt haben, die sich in den Büchern andeutet, ermöglichten sie eine der entscheidenden Aufwertungen der Serie gegenüber ihrer Vorlage.

Weniger souverän gingen die Autoren von Game of Thrones in der 7. Staffel bekanntlich mit der Plot-Strichliste um, die bis zum Finale abgehakt werden muss. Darunter litt die 6. Folge, während in The Dragon and the Wolf die angesparte Zeit für die Verhandlungen in King's Landing und das Verfahren in Winterfell genutzt werden kann. Dass die Verhandlungen in der Hauptstadt durch Cerseis erwartbaren Verrat schlussendlich fruchtlos und damit redundant bleiben, lässt sich ob der effektiven Inszenierung (einmal mehr: Blickwechsel!) und der willkommenen Aussprachen zwischen alten Freunden und Feinden beinahe unter den Teppich kehren. Hier wird weniger die Handlung vorangetrieben. Stattdessen werden vor dem dritten Akt der Serie die Allianzen, die familiären und freundschaftlichen Bindungen, sondiert. Spätestens seit dem Verfahren gegen Tyrion war ein Bruch zwischen Jaime und Cersei zu erwarten gewesen. Nun ist es so weit gekommen und die Schneeflocken legen sich wie ein Schäufelchen Erde auf ihre Beziehung.

Mehr: Game of Thrones - Alles, was ihr zur 7. Staffel wissen solltet

Näher kommen sich hingegen Jon und Daenerys, bzw. Aegon und Daenerys - schenken wir der herrlich dreisten Parallelmontage zwischen Brans Erkenntnis und der schaukelnden Kajüte Glauben. Schade nur, dass sich Game of Thrones auf dem Höhepunkt seiner Popularität zu fein ist, um den sleazigen Untertönen dieser inzestuösen Liebe das Leitmotiv zu überlassen. Die Autoren (und Agenten) mögen sich auf die pulpigen Aspekte der Fantasygeschichte nicht vollends einlassen. Trotz Inzest-Sex, trotz Zombie-Drache, trotz Kinderkillerin sind wir hier schließlich bei HBO und nicht Cinemax, lautet die Devise. Qualitätsfernsehen steht drauf und muss sonntäglich geliefert werden. Selbst wenn die Wege zum Spektakel über hanebüchene Abkürzungen führen, welche die Mär von der erzählerischen Freiheit im Fernsehen gegenüber dem Kino Lügen strafen. Die 7. Staffel von Game of Thrones ist ein weiteres Argument dafür, dass Fernsehen nicht das neue Kino ist - oder sein sollte.


Zitat der Folge: "Fuck loyalty." (Brienne (!!!))

Anmerkungen am Rand:

  • "When enough people make false promises words stop meaning anything." Die Jon-als-Anti-Trump-Think-Pieces schreiben sich von selbst.
  • Es scheint, als ob die Autoren die, nun ja, schrumpfenden Full-Frontal-Szenen mit penilen Witzchen kompensieren.
  • "Why are you talking? You're the smallest concern here." (Euron, natürlich)
  • "There's only one war that matters. The great war. And it is here" (Jon)
  • Schade, dass Eurons sehr amüsanter Rückzug sogleich durch Cerseis Planungen unterminiert wird.
  • "Have you ever considered learning to lie now and then. Just a bit?" (Tyrion)
  • "We're fucked."
  • Theons Gespräch mit Jon gehört zu den unauffällig besten Szenen der Staffel, auch wenn ich bei seinem Ausspruch "Every step you take was always the right step" laut lachen musste.
  • "You stand accused of murder. You stand accused of treason. How do you answer these charges ... Lord Baelish." (Sansa FTW)
  • "Thank you for all your many lessons, Lord Baelish."

Alle Recaps zur. 7. Staffel von Game of Thrones:


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