Kino » 110 Jahre Hitchcock
Hitchcock, der Mann, dem die Frauen vertrauen
Veröffentlicht am 12.08.2009, 15:00
“Es gibt diese schreckliche Geschichte, dass ich Schauspieler hassen würde. Vielleicht, weil ich einmal zitiert wurde “Schauspieler sind Vieh”. Die Schauspieler unter meinen Freunden wissen, dass ich niemals so etwas Unbedachtes und Herzloses sagen würde… Wahrscheinlich habe ich gesagt, dass man Schauspieler wie Vieh behandeln sollte.”
Alfred Hitchcock
Das Verhältnis von Alfred Hitchcock zu seinen Schauspielern, insbesondere zu seinen Hauptdarstellerinnen, ist legendär. Eine bevorzugte Methode Hitchcocks war es, seine sie aus der Reserve zu locken, indem er ihnen Schmerzen und Erniedrigung zumutete – frei nach dem Motto: Der Horror des Schauspielers verstärkt den Horror des Zuschauers.
Das durfte 1940 schon Joan Fontaine herausfinden, als sie die Titelrolle in Hitchcocks erstem Hollywood-Film, Rebecca, spielte und von ihm bei jeder Gelegenheit darauf hingewiesen wurde, dass ihr Co-Star Laurence Olivier sie nicht leiden könne. Wie sie nach Ende der Dreharbeiten feststellen sollte, war dies vollkommen aus der Luft gegriffen. Die Lüge sorgte aber dafür, dass Fontaines Rebecca eingeschüchtert und in sich gekehrt, regelrecht vereinsamt wirkt.
Mit Joan Fontaine begann eine lange Geschichte von Hassliebe zwischen Hitchcock und seinen Leading Ladies. Grace Kelly, Kim Novak, Ingrid Bergman, Tippi Hedren sollten alle die ein oder andere Tortur über sich ergehen lassen müssen, um ihr Leiden auf der Leinwand den Vorgaben des Meisters gemäß darzustellen. Schließlich sagte Hitchcock selber: “Blondinen sind die besten Opfer – sie sind wie jungfräulicher Schnee, der die blutigen Fußspuren verdeckt.”
Grace Kelly war Hitchcocks erste Wahl für die Titelrolle in Marnie. Sie hatte bereits inoffiziell zugesagt, da sie zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit mit Fürst Rainier von Monaco davon ausging, nach einer Weile wieder als Schauspielerin zu arbeiten; die öffentliche Meinung der monegassischen Bevölkerung war jedoch so sehr gegen eine spielende Fürstin, dass sie diese Pläne schweren Herzens aufgab und Hitchcock einen entsprechenden Brief schrieb. Dieser nahm die Zurückweisung ganz und gar nicht freundlich auf, und zog sich für Monate schmollend zurück.
Tippi Hedren hatte 1963 für Die Vögel besonders zu leiden. Zwischen den Dreharbeiten benötigte sie immer wieder ein paar Tage Urlaub in ärztlicher Betreuung, um sich von den Verletzungen durch ihre gefiederten Co-Stars zu erholen. Sie brauchte den Urlaub – das heißt aber nicht, dass Hitchcock ihn gewährte. So musste sich der Regisseur am Ende vom Arzt die Frage gefallen lassen, ob er Tippi Hedren umbringen wolle. Bis heute bezeugt Hedren, dass Hitchcock sie belog und behauptete, es würden nur mechanische Vögel für die Szenen eingesetzt – dementsprechend real war dann ihre Angst, als echte Vögel auf sie zuflogen. Auch 1964 bei Marnie war ihr Verhältnis zu Hitchcock nicht besser. Heute würden die Dinge, die Hitchcock ihr zuflüsterte als sexuelle Belästigung gelten – ihr Ziel, Hedrens Spiel schreckhafter zu machen, haben sie trotzdem erreicht.
Solche Probleme hatte er mit Ingrid Bergman, eine seiner größten Musen, nicht. Als diese für eine Szene einfach keine Freude empfinden konnte, bekam sie als Tipp: “Dann tu einfach nur so.” Sie war auch eine der wenigen Schauspielerinnen, mit denen er bis zu seinem Tod ein freundschaftliches Verhältnis pflegte. Wahrscheinlich ist dies der Grund, warum einige Biographen behaupten, Alfred Hitchcock sei Zeit seines Lebens unglücklich in Bergman verliebt gewesen – und umgekehrt.
Hitchcock starb 1980, zwei Jahre vor seinen berühmtesten Leading Ladies Ingrid Bergman und Grace Kelly. Bergman erinnerte sich an ihr letztes Treffen mit Alfred Hitchcock vor seinem Tod, als sie bereits an Krebs litt. Er war aufgelöst in Tränen und fürchtete sich vor dem Tod. Bergman beruhigte ihn “Selbstverständlich wirst Du sterben, Hitch! Wir werden alle sterben.”
Ganz zustimmen können wir Bergman da nicht. Hitchcock machte seine Leading Ladies unsterblich. Und sie ihn.
Kängufant (Andreas Gerold) 2009/08/12 15:00:00
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Kommentare
über Hitchcock, der Mann, dem die Frauen vertrauen
keddschabb 2009/08/12 20:18:03
alanger 2009/08/12 20:37:35
klasse das ihr zu hitch so einen rundumschlag macht. DAS ist der kleine unterschied zu ähnlichen seiten.
MP rules!
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Ein wirklich schöner Beitrag. Ich mag auch, dass Du keine Hemmungen vor der für diese Hommage unabdingbaren klischeehaften Schlussparagraphen hast. Den hat der Meister sich verdient.
P.S. Dem vorangestellten Zitat fehlt noch die schöne Anekdote vom Set von Mr. & Mrs. Smith, als Carol Lombard eines Tages Rindvieh mit den Namensschildern von ihr, Bobby Montgomery und Gene Raymond zum Dreh mitnahm.
Kommentar gefällt mir 2 Antworten
keddschabb 2009/08/12 20:53:59
*DEM Schlussparagraphen, verdammich!
Kängufant 2009/08/12 22:11:20
Danke Dir für Lob und Hinweis - die Anekdote fehlt wirklich noch! Auch ihre Rache, als sie beim Auftritt von Hitch Regie führte und Hitchcock eine Wiederholung nach der anderen hinlegen ließ hätte noch gut gepasst. Wird für das nächste Jubiläum notiert :)