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Jud Süß - Ferdinand Marian und der Teufel

30.01.2009 - 09:35 Uhr
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Ferdinand Marian als Jud Süß
© Illustierter Filmkurier
Ferdinand Marian als Jud Süß
Oskar Roehler arbeitet an neuem Film über Ferdinand Marian, der Jud Süß für die Nazis war.

Unter dem Titel Jud Süß – Film ohne Gewissen arbeitet Regisseur Oskar Roehler – aktuell mit Lulu und Jimi in den deutschen Kinos – an einem neuen Film. Nach einem Drehbuch von Klaus Richter will er die Geschichte von Ferdinand Marian erzählen, jenem Schauspieler, der die Rolle des jüdischen Kaufmanns in dem Propagandafilm Jud Süß (1940) spielte. Mit dieser Figur wird der in Wien geborene Darsteller immer in Verbindung gebracht, obwohl er sich davor und danach durch sehr gute Leistungen vor der Kamera ebenfalls einen Namen gemacht hat: Aber als Jud Süß hat er mit dem Teufel gespielt … und verloren.

Seine ersten Filmerfolge feierte der Österreicher an der Seite damaliger Stars wie Pola Negri und Zarah Leander. Er war der elegante Schurke, etwas niederträchtig, aber attraktiv, mit sex appeal und die Frauen lagen ihm zu Füssen. Vielleicht war es dieser Typ, der ihn für die Rolle prädestinierte. Als ihm die Filmrolle angeboten wird, lehnte er zunächst ab. Trotzdem wurde er zu Probeaufnahmen eingeladen, wo Star der Zeit wie René Deltgen, Richard Häussler, Rudolf Fernau, Paul Dahlke, Siegfried Breuer und eben Ferdinand Marian sich als Juden verkleiden mussten. Es waren Regisseur Veit Harlan und Propagandaminister Joseph Goebbels, die Ferdinand Marian wählten. Nach eigenen Aussagen wollte er von der Rolle entbunden werden, sprach sogar im Ministerium vor, aber es half nichts: Der Schauspieler wird Jud Süß in einem der perfidesten Propagandafilme überhaupt.

Mit der Rolle wurde Ferdinand Marian zum Star: Sein Bild hing in ganz Europa, von Oslo bis Venedig, von Warschau bis Paris blickte er von den Plakaten in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten. Millionen sahen den Film und alle Schauspieler – Heinrich George, Kristina Söderbaum, Werner Krauss – boten beste Schauspielleistungen. Die Rolle machte ihn unsterblich und wurde zugleich sein Fluch. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt Ferdinand Marian Berufsverbot. Am 07. August 1946 kam er durch einen Autounfall ums Leben. Gerüchte verbreiteten sich, dass er Selbstmord begangen habe, aber bewiesen werden konnte es nicht.

Tobias Moretti, Martina Gedeck, Justus von Dohnányi, Armin Rohde und Erika Marozsán sollen die Hauptrollen in dem Kinofilm übernehmen, der 2010 in die Kinos kommen soll.

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