Nerdkino im Oscarformat

Quentin Tarantino zum 50. Geburtstag

Quentin Tarantino am Set von Kill Bill
© Buena Vista
Quentin Tarantino am Set von Kill Bill

Auch wenn das nicht in die Weltanschauung vieler Filmbegeisterter passt, sieht die harte Realität so aus, dass sich der größte Teil der zahlenden Masse nicht für Regisseure interessiert, sondern für die Schauspieler. Das ist auch der Grund, warum um Regisseure bei Weitem nicht solch ein medialer Rummel gemacht wird, wie für ihre Kollegen vor der Kamera. Die womöglich einzige Ausnahme bildet dabei Quentin Tarantino, um dessen Person sich innerhalb von nunmehr zwei Dekaden ein für Regisseur-Verhältnisse kaum zu fassender Kult gebildet hat. Heute wird er stolze 50 Jahre alt, doch seine Filme sprechen nach wie vor gleichermaßen die Jugend, als auch ältere Generationen an.

Vielleicht liegt genau da das Geheimnis seines Erfolgs. Quentin Tarantino selbst ist bekanntlich ein Geek sondergleichen, ein Mensch, der in seiner Jugend mehr Zeit mit fiktiven als realen Menschen verbracht hat; jemand, der aufgrund seiner nerdigen Schrägheit schon als Videothekar zu einer lokalen Berühmtheit avancierte. Auf den ersten Blick also ein Filmemacher, der nicht so wirkt, als könnte er Geschichten schreiben, die über Jahrzehnte unzählige Millionen von Menschen begeistern können. Dennoch bedient sein Kino eine Masse an Zielgruppen: vom Fachkundigen, der sich über die Fülle an Referenzen freut, bis hin zum Durchschnitts-Kinogänger, der einfach nur Spaß mit dem ebenso skurrilen wie authentischen Charakter-Ensemble mitsamt ihren saucoolen Dialogzeilen haben möchte.

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Besagte Dialoge haben sicherlich einen nicht unwesentlichen Teil zu seinem heutigen Status beigetragen. Nicht umsonst ist das Internet heutzutage von Tarantino-Quotes-Bestenlisten überschwemmt. Ob nun knackige One-Liner oder erheiternde, meterlange Nonsens-Gespräche: Quentin Tarantino choreographiert seine Dialoge so punktgenau und lässig, dass sie sich mittlerweile Film für Film wie selbstverständlich in die filmische Allgemeinbildung einbrennen. Ob nun ein Haufen Gangster, die in der Eröffnungssequenz von Reservoir Dogs über die wahre Bedeutung von Madonnas Like A Virgin philosophieren, ein blutrünstiger Brad Pitt, der seine Männer zum Nazi-Schlachten auffordert oder Jamie Foxx, der noch den ein oder anderen Spruch auf den Lippen hat, bevor er seinem Gegenüber den Garaus macht. Ganz zu schweigen von dem Zitate-Katalog aus Pulp Fiction, dessen Plakat mittlerweile in jedem Lexikon neben dem Eintrag zu Kult zu finden sein dürfte.

Aber seien wir einmal ehrlich. So sehr wir Quentin Tarantino für seine verqueren Charaktere lieben, sie brachten nicht nur Positives in unseren cineastischen Kosmos. Denn vor allem Pulp Fiction löste eine bis heute ungebrochene Kette an Filmen aus, die offensichtlich von Quentin Tarantino inspiriert wurden … leider meist auf die falsche Art. Es ist kein Geheimnis, dass Quentin Tarantino sich ungefähr bei jedem Film bedient, der je gedreht wurde, um ein neues, selbstreferentielles, unabhängiges Werk zu erschaffen. Diese Arbeitsweise war auch schon Anfang der 1990er nicht neu, erreichte nun jedoch erstmals den amerikanischen Mainstream in einem unschätzbaren Ausmaß. Plötzlich fühlten sich mehr junge Regisseure als angebracht dazu berufen, die selbe Schiene zu fahren und ihre Drehbücher mit vermeintlich hippen Dialogzeilen und skurrilen Figuren zu überfrachten, stets darauf bedacht, genrereflexiv und lässig zu sein.

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All das ist insofern ein Problem, dass die Filme dieser Trittbrettfahrer – wir wollen hier keine Namen nennen – selten clever und noch seltener lustig, vor allem aber niemals lässig und somit ziemlich nervig sind. Es wäre natürlich töricht, Quentin Tarantino die Horde an Nachahmern anzukreiden, was auch nicht das Ziel sein sollte. Denn unabhängig davon, wie das Individuum zu seinen Arbeiten steht, ist nicht von der Hand zu weisen, dass er seit Anfang der 1990er einen signifikanten Einfluss auf die Kinokultur hat; ein Umstand, der schlichtweg beeindruckend ist und für dessen Anerkennung es auch keine Sympathien Quentin Tarantino gegenüber braucht.

Ob wir noch allzu viele Filme von Quentin Tarantino erwarten können, ist fraglich. Schließlich sagte er selbst, dass er sofort aufhört mit dem Filmemachen, sobald er merkt, dass ihm die Ideen ausgehen. Bei der Vielzahl an Gerüchten, die er um seine zukünftigen Projekte regelmäßig in die Welt setzt, können wir das irgendwie kaum glauben. Hoffen tun wir es auf jeden Fall nicht.

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moviepilot Team
Pfizze Sven Pfizenmaier
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