Agnès Varda
Beteiligt an 9 Filmen
Agnès Varda ist eine französische Filmemacherin, die als eine der ersten Frauen überhaupt Filme machte. Außerdem gab sie der Nouvelle Vague wichtige Impulse. Ihr Stil befindet sich zwischen Dokumentarfilm und Fiktion.
Die AnfängeAgnès Varda wurde am 30. Mai 1928 als Tochter einer Französin und eines Griechen in Brüssel geboren und wuchs in Sète (Frankreich) auf.
Nach dem Studium der Literatur an der Sorbonne und der Kunst an der École du Louvre, absolvierte Varda in den 1940er Jahren eine Ausbildung zur Photographin. Ab 1949 begann sie als freie Photographin am Théâtre Nationale Populaire (TNP) von Jean Vilar zu arbeiten.
Es folgten Photoreportagen in Spanien, China und auf Kuba, von denen einige später als Vorlage zu Filmprojekten dienten, wie im Fall von Salut les Cubains (1963). Ab den fünfziger Jahren begann Agnès Varda sich in stärkerem Maße für den Film zu interessieren. Sie gründete daraufhin ihre eigene Produktionsfirma Tamaris Films (später: Ciné Tamaris) und drehte 1954 ihren ersten Film La Pointe Courte, der als heimliches Erstlingswerk
der Nouvelle Vague gilt. In diesem Film ist ihre Nähe zur Photographie deutlich erkennbar, was sich auch in einigen späteren Filme Vardas fortsetzt. Der bereits im ersten Film deutlich werdende Hang zur Phantasie ist auch ein wesentliches Element im späteren Werk Vardas. Oft verfährt sie aber auch genau nach dem gegenteiligen Prinzip indem sie sehr realistische Filme entwickelt oder die phantastischen und die realistischen Elemente mischt. Ähnlich wie ihre Photographien, handelt es sich auch bei ihren Filmen um sehr gewählte Komposition.
Die Nouvelle VagueNach einigen kleineren Produktionen (Ô saisons, ô châteaux (1957), Du côte de la côte (1958) und L’Opéra Mouffe (1958)) schaffte Agnès Varda 1962 mit Cléo de cinq à sept den Durchbruch und galt seitdem als eine der Vertreterin der Nouvelle Vague. Zusätzlich war sie war die erste Frau dieser Stilrichtung überhaupt. Innerhalb der Nouvelle Vague wird sie zur “groupe rive gauche” um Alain Resnais , Chris Marker, ihren späteren Mann Jacques Demy und die beiden Schriftsteller Margueritte Duras und Alain Robbe-Grillet gezählt. Mit der Nouvelle Vague teilte sie das Interesse für den Dokumentarfilm, den Dreh mit der Handkamera und die Abkehr vom Studiosystem.
Für einen ihrer bekanntesten Filme Le Bonheur (1964) bekam sie im selben Jahr den Louis-Delluc-Preis, sowie 1965 den Spezialpreis der Jury bei der Berlinale in Berlin. Von den Kritikern wurde der Film “unreal” und “feministisch” genannt. Inhaltlich geht es um die Darstellung einer Ehe: eine in ihrer Beziehung glückliche Ehefrau erfährt von der Geliebten ihres Mannes und begeht daraufhin Selbstmord. Der Ehemann wirkt unbetroffen und setzt seine Geliebten an die Stelle seiner verstorbenen Frau.
Agnès Vardas Auseinandersetzung mit spezifischen “Frauenthemen” wird Ende der sechziger Jahre unterbrochen als sie 1968 ihren Ehemann Jacques Demy in die USA begleitet. Laut einiger Filmkritiker trug der Flop ihres Filmes Créatures (1966) (mit Catherine Deneuve und Michel Piccoli in den Hauptrollen) seinen Teil zu diesem Schritt bei. Kurz vor ihrer Abreise in die USA stellte sie jedoch ihren Beitrag für den Dokumentarfilm Loin du Vietnam (1967) fertig, der mit dem Vietnamkrieg ein großes, konfliktreiches Thema der damaligen Zeit kommentierte und die Nord-Vietnamesen unterstützen sollte. Loin du Vietnam (1967) ist eine Kooperation einiger Vertretern der Nouvelle Vague (Jean-Luc Godard, Alain Resnais , Chris Marker, William Klein, Claude Lelouch, Joris Ivens). Chris Marker setzte die sieben Einzelteile der Regisseure zu einem stimmigen kollektiven Ganzen zusammen.
Vardas DokumentarfilmWie auch bei den feministischen Filmen, gibt es bei den Dokumentarfilmen Vardas zwei unterschiedliche Schaffensperioden: Bereits zu Beginn ihrer filmischen Laufbahn wandte Agnès Varda sich dem Dokumentarfilm zu. Varda gehörte der “Groupe des 30” an, die ein Manifest für die Weiterentwicklung von Kurzfilmen aufsetzten. In ihren Kurzfilmen, die zu der Zeit noch ein Kunstwerk an sich darstellten, wurden ihre Persönlichkeit und ihre Kreativität zur Schau gestellt. Ein historisches Beispiel ist Nacht und Nebel von Alain Resnais. Viele Filmkritiker sind der Ansicht, dass der Kurzfilm – als ein persönliches und engagiertes Kino – der Nouvelle Vague überhaupt erst den Weg geebnet habe.
In den USA angekommen, bezieht Agnès Varda ihren neuen Alltag, ihre Umgebung aber auch die politischen und gesellschaftlichen Umstände in ihr filmisches Werk mit ein. Generell beschäftigt sich Varda in den USA vor allem mit dem Dokumentarfilm. So entstehen dicht gefolgt Uncle Yanco (1967), Black Panthers (1968) und Lions Love (1969). Anfang der siebziger Jahre kehrt Agnès Varda nach Frankreich zurück, bereist die USA aber immer wieder. 1980/1981 entstehen die beiden Dokumentarfilme Documenteur und Mur murs. Ein durchaus bekannter Dokumentarfilm ist Daguérrotypes (1974/75), der das Leben in der Rue Daguerre in Paris mitsamt ihren Bewohnern zeigt, wo auch Varda lebte und arbeitete.
Sie hat die eigene Arbeit immer offen gehalten für Überraschungen, hat ihre Spielfilme wie La Pointe courte (1954) oder Cleo de 5 à 7 (1961) meist dokumentarisch angereichert und ihre dokumentarischen Werke wie Lion’s Love (1969), Jane B. par Agnes V. (1987) oder Jaquot de Nantes (1991) mit Spielszenen gesprenkelt. 1
Auch wenn ihre Dokumentarfilme zu ganz unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Ländern entstanden sind, so weisen sie doch einige Gemeinsamkeiten auf: Vardas Dokumentarfilm beschäftigt nur selten Schauspieler und wird zumeist von Laiendarstellern, von Familienmitgliedern oder Freunden Vardas besetzt. Es handelt sich in der Regel um Filme, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Themen befassen.
QuellenVarda. Varda par Agnès. Paris: Seuil. Cahiers du Cinéma. 1994
Beylie. Une histoire du cinéma français. Paris: Larousse, 2005
1 Agnès Varda in der ZEIT (“Gedanken sind frei, Bilder auch. Agnès Vardas Dokumentarfilm Die Sammler und die Sammlerin”, von Merten Worthmann)
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