Detroit - Kritik

Detroit / AT: Untitled Kathryn Bigelow Project; Untitled Detroit Riots Movie

US · 2017 · Laufzeit 138 Minuten · FSK 12 · Historienfilm, Drama · Kinostart
Du
  • 7 .5

    Der Film ist wie ein Schlag in die Magengrube. Unfassbar, daß die Zustände in Detroit erst knapp 50 Jahre her sind. Wieder einmal ein sehenswerter Film von K. Bigelow.

    • 8 .5
      ProfessorAbronsius 13.06.2018, 03:28 Geändert 13.06.2018, 13:21

      DETROIT geht an die Nieren. Der Zuschauer wird durch ein ungemein authentisches Szenenbild gleich zu Beginn mitten hinein in die Aufstände des Jahres 1967 katapultiert, der Kessel kocht gerade so richtig über, weiße Cops mit massig Schaum vor dem Mund und der wütende größtenteils schwarze Mob stehen sich ohnmächtig in ihrem Hass gegenüber.
      Kathryn Bigelow -die ich für GEFÄHRLICHE BRANDUNG und vor allem den hier auch zu Beginn stilistisch oftmals zitierten STRANGE DAYS immer verehren werde- inszeniert das erste Drittel semidokumentarisch, fast im Oliver-Stone-Stil mit vielen schnellen Schnitten, ein hektisches nervöses Kaleidoskop aus Eindrücken und Momentaufnahmen und steigert sich dann langsam in eine Art Home-Invasion-Szenario der besonderen Art hinein in dem der junge Will Poulter, der mich schon in THE REVENANT überrascht hat, zeigt zu was die Bestie Mensch fähig ist.
      Meisterhaft, beängstigend und ernüchternd.

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      • 6 .5
        Underdog123 09.06.2018, 23:09 Geändert 09.06.2018, 23:29

        overacting von will poulter...
        ....aber atmosphärisch überzeugender Film...

        • 6

          Zur einen Hälfte Doku und zur anderen Hälfte Kammerspiel. Die 140 Minuten merkt man dem Streifen dabei spürbar an. Daran können die wirklich guten Darsteller auch nichts ändern.

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          • 8

            Nicht ganz das was ich erwartet hatte, ging fast in die Richtung eines "Home-Invasion" Thrillers, tolle Leistungen der Darsteller, mal wieder ein sehr guter Film von Kathryn Bigelow, auf die Frau ist verlass!

            • 8

              Ein Film der wütend macht. Eindringlich gespielt - Hut ab John Boyega - zeigt Kathryn Bigalow mal wieder was sie kann: böse Themen einfühlsam und brutal inszenieren! Gut, dass dieses Thema, dieser Teil der Geschichte einmal hervorgeholt wird. Denn Detroit, eindeutig im Norden der USA gelegen - ist der Beweis, dass Rassendiskrimminierung nicht nur in den Südstaaten stattfindet.

              Schauspielerisch hervorheben muss man noch Will Poulter, der das Mistschwein glaubwürdig und eiskalt spielt! Der Gastauftritt von Krasinski ist dagegen ein Witz...

              1+ mit Sternchen bekommt von mir die Musik! Motown at it´s best!

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              • 5
                Markbln 13.04.2018, 21:42 Geändert 13.04.2018, 21:47

                Gut inszeniert und noch besser gespielt. Aber der Film kriegt mich emotional überhaupt nicht. Der Auftakt enerviert mit Zitterkamera, der Mittelteil verkommt zur eindimensionalen Gruselshow und das Finale befasst sich zu kurz mit den Konsequenzen der furchtbaren Ereignisse. So bleibt die wütende Thematiserung von institutionellem Rassismus ohne tiefere Wirkung.

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                • 5
                  RockyRambo 11.04.2018, 10:44 Geändert 11.04.2018, 11:14

                  Hatte mir von Detroit dann doch etwas mehr erwartet.
                  Statt die Kammerspielartige Hotelstory so völlig in die Länge zu ziehen
                  das man trotz des dramatisch verlaufenden Konfliktes stellenweise echt
                  gelangweilt wird und sich fragt wie lange sich das noch zieht hätte man mehr Bilder vom Verlauf der Strassen Kravalle zeigen können. John Boyega macht hier wenig her in seiner Rolle und bleibt eine Randfigur. Will Poulter als rassistischer Cop mit Hang zum Sadismus hasst man von der ersten Minute an mit solcher Inbrunst das einen das Ende ohne Konsequenzen für ihn und seinesgleichen einfach nur schmerzt. Das so überzeugend rüber zu bringen schaffen so nicht viele Darsteller.
                  Diesen Kerl wird man als Zuschauer im Auge behalten müssen.

                  Kein Film für einen entspannten Kinoabend aber dennoch einer mit einer Botschaft. Allerdings auch kein Film den man sich zum Zweck der Unterhaltung mehrfach geben müsste.

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                  • 6 .5

                    [...] Die Geschichte hätte zum einen aus den Augen einer konkreten Hauptfigur erzählt werden können, zum anderen gleichmäßig in verschiedene Episoden aufgeteilt, oder auch möglichst allumfassend-dokumentarisch. „Detroit“ schwimmt aber irgendwo zwischen all diesen Varianten. Ein relevanter Film, dessen Botschaft ankommt. Bigelow und ihr Autor haben die historisch nicht komplett rekonstruierbaren Ereignisse respektvoll und plausibel aufgefüllt. Aber der bessere Rassismus-Film der vergangenen Saison bleibt „Get Out“, obwohl dieser gänzlich fiktiv ist.

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                    • 7 .5

                      [...] Wenn die Figuren erkennen, wie tief sie sich tatsächlich in den düsteren Gängen der von Flammen umschlungenen Häuser verirrt haben, läuft es auch uns Zuschauer eiskalt den Rücken hinunter, dass es kein Zurück mehr gibt. Es reicht der Tritt über die Türschwelle, die Überquerung einer Straße oder gar der schiere Blick aus dem Fenster, der unseren Blick auf die Leinwand widerspiegelt: Im Bruchteil einer Sekunde werden sämtliche Regeln der Zivilisation außer Kraft gesetzt, sodass ein unerbittlicher Überlebenskampf die folgenden zwei Stunden dominiert, bei dem die Vermischung von Blut und Schweiß die einzige Sprache ist, die jeder versteht, selbst wenn es dafür längst zu spät sein könnte. Exakt diesen Punkt arbeiten Kathryn Bigelow und Mark Boal jedoch in all der Hektik mit stechender Präzision heraus. Dann fallen Schüsse und es passiert, was nie mehr rückgängig gemacht werden kann, obwohl eben noch die Überzeugung herrschte, die Lage im Griff zu haben.

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                      • 8 .5

                        Ein Setting zum niederknien. Man hat den Eindruck direkt 1967 mit dabei zu sein. Die Schauspieler sind auch durch die Bank weg sehr gut.
                        Etwas weniger Gesang und die eine längere Szene (möchte nicht spoilern) hätte IMHO nicht sein müssen.

                        Ein Film der unter die Haut geht.

                        • 8

                          https://www.movie-infos.net/datenbank/Entry/148-Detroit/

                          Fazit

                          Detroit ist ein packend inszeniertes Drama, mit tollen Darstellern besetzt und einer verstörenden Geschichte. Kathryn Bigelow beweist wieder mal ihr Talent für eine solche Art Film, und das sollte mit einem Gang ins Kino auch gewürdigt werden.

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                          • MURICA! Völlig zurecht weltregierend, beste Exekutive, beste Judikative, was will man mehr! Achja und kompetentester Präsident.

                            • [...] Mit “Detroit” schickt der “Concorde Filmverleih” kurz nach “Suburbicon” den zweiten Film ins Rennen, der das Thema Rassismus beinhaltet. Ich war sehr gespannt auf den Streifen und wie sie diese Tragödie in Szene setzen.

                              Alles beruht auf einer wahren Begebenheit und wurde so wahrheitsgemäß geschildert, wie nur möglich. Der Cast, der durch Improvisations-Castings ausgewählt wurde, spielt alle Szenen erschreckend eindrucksvoll und realistisch. Alle gingen hierbei an ihre Grenzen.

                              Auch das Setting ist dem Original so detailiert es geht nachempfunden. Man fühlt sich mitten drin, im Jahr 1967 auf den Straßen Detroits. Und auch mitten in einem der schlimmsten Verhöre dieser Zeit. Dazu trägt die brillante Kameraarbeit einen gehörigen Teil bei.

                              Es werden gnadenlos die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche aufgedeckt und welcher nicht nur unterschwellige, sondern auch offene Rassismus die damalige Gesellschaft durchzogen hat. Gerade jetzt, im Jahr 2017, ist dieser Film wichtiger denn je. Wir erleben in den USA eine erneute Welle von rassistisch motivierter Polizeigewalt und diverse Behörden, die ihre schützende Hand darüber halten.

                              Für mich ist “Detroit” der verstörendste Film seit Jahren und ich denke schon, dass ich einiges ab kann. Gegen Ende hatte ich Kopfschmerzen, mir war heiß, mein Puls raste, ich verspürte Wut, Machtlosigkeit und wollte eigentlich nur noch aus dem Kinosaal. Dennoch blieb ich fassungs- und wortlos im Sessel sitzen, bis der Abspann vorüber war. Als ich mich umsah, merkte ich, dass es mir alle anderen gleich getan hatten. Niemand sagte ein Wort. So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt.

                              • 8 .5

                                Im August 1963 hielt Martin Luther King jr. seine berühmte "I Have a Dream"-Rede. Heute würde man meinen, dass durch diese fantastische Rede, die Millionen Menschen begeistert hörten, alles in den USA sofort völlig besser wurde. Aber die staatliche Gewaltspirale gegen die Bürgerrechte von Aforamerikanern ging auch vier Jahre danach weiter. Detroit erzählt dramatisch davon.

                                Das gesellschaftliche Klima war für Afroamerikaner eiskalt und konnte zugleich in Sekunden wie ein Lauffeuer entfacht werden. Jede Bewegung und jeder Blick wurde ihnen negativ angelastet. Ein solches Leben war nicht viel wert. Mit Gleichgültigkeit werden sie für einen einfachen Ladendiebstahl in den Rücken geschossen. Die Unsicherheit, Unübersichtlichkeit und Hilflosigkeit ist allgegenwärtig. Das Glück und der Genuss waren absolute Seltenheit und führten ein Nischendasein. Der Afroamerikaner war in einen öffentlichen Käfig gesperrt.

                                Trotz aller Errungenschaften seither werden weiterhin Afroamerikaner von Polizisten erschossen. Laut der Washington Post sind es 2017 in den USA etwa 987 Menschen gewesen wovon 22% schwarz gewesen sind. Die Brutalität in unserer Zivilisation scheint nachwievor nicht überwunden. Das macht ohnmächtig und ratlos. Heute wie damals fehlen mutige Lautsprecher, die gesellschaftliche Missstände benennen und bekämpfen.

                                Ästhetisch und musikalisch stimmt das Handwerk im Film Detroit jedenfalls. So lernt man z.B. die Stücke des bedeutenden Jazz-Musikers John Coltrane kennen. U.a. der Song Blue Train empfiehlt sich jederzeit: https://www.youtube.com/watch?v=XpZHUVjQydI

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                                • 8

                                  Ein ergreifender Film und jeder einzelne Schauspieler hat überragend abgeliefert Poulter, Boyega und Algee Smith stechen (auch auf Grund ihrer vielen Leinwandpräsenz) nochmal hervor.

                                  Schade das man von solchen Filmen im Vorfeld nie was hört, stattdessen wird man mit Werbung von Pacific Spacehulk und Trashformers gegen Captain Spiderdevil bombardiert.

                                  "Detroit" - klare Empfehlung.

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                                  • 8

                                    Ein herzzerbrechender Film mit einer Thematik, die leider momentan immer noch aktuell ist.
                                    Schauspielerisch mehr als genial und spannend bis zum Schluss.

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                                    • 8

                                      Eines der zahllosen traurigen Kapitel in der Unterdrückungsgeschichte der Schwarzen und in der Historie skrupelloser soziopathischer verbrecherischer Bullenschweine. Bigelow ist mal wieder ein Meisterwerk gelungen. Der erste Akt hätte etwas straffer sein dürfen, aber davon abgesehen: Alles perfekt.

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                                      • 7

                                        Kathryn Bigelow kann packende und spannende Filme inszenieren, auch wenn dieser nicht ganz so gut ist wie "The Hurt Locker".

                                        "Detroit" ist handwerklich perfekt umgesetzt, das ganze Szenario zieht den Zuschauer sofort in die Handlung rein und der wirklich sehr gute Cast lässt diesen da so schnell nicht wieder raus.

                                        Einerseits erhält man damit einen erstklassigen Schocker, der das Publikum zur Auseinandersetzung mit dem Thema zwingt.

                                        Andererseits, aus inhaltlichen Aspekten gesehen, wird es dann doch etwas fragwürdig. Auch wenn Bigelow relativierende Beiträge kurz einstreut und mal den Good Cop sprechen lässt, so wirkt es verklärend, wenn die Detroiter Polizei hier als Schuldiger für diese Rassenunruhe angeprangert wird.

                                        Generell war diese Zeit von Unruhen geprägt und Detroit war nur einer dieser Brennpunkte. Warum sich nun der Kern der Story um einen sadistischen Rassisten drehen muss, findet bei genauerer Betrachtung keinen logischen Grund, es sei denn man möchte mit Übertreibung die Stimmung anheizen. Besonders interressant ist dabei die Namensgebung des Officers "Krauss", die damit angedichtete deutsche Abstammung ist frei erfunden und bar jeglicher Realität, was die Geschehnisse im Algier Motel betrifft.

                                        http://www.historyvshollywood.com/reelfaces/detroit/

                                        Auch kann diese Eingrenzung des Scripts keine Erklärung dafür liefern, warum 6000 Polizisten damals nicht in der Lage waren, die Plünderung und die Brandschatzung zu verhindern, sodass nur noch der Einsatz der Nationalgarde die Anarchie abwenden konnte. Die anderen Geschädigten dieser "Revolution" erhielten leider keine Screentime, der Sachschaden belief sich auf 600 Millionen Mark, damals. Die damit zerstörten Existenzen fallen auch unter den Tisch.

                                        Fazit: Ist spoilerfrei nicht möglich

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                                        Die ausbleibende Verurteilung der Verantwortlichen im Algier Motel ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Menschen, unabhängig davon, welcher Rasse man angehört.

                                        Trotzdem krankt das gesamte Machwerk Bigelows zu sehr an Einseitigkeit, es spaltet mehr, als es versöhnt und es verschweigt die tatsächliche Ursache des Übels.

                                        https://bazonline.ch/ausland/amerika/schwarze-kriminalitaet/story/16501925

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                                          Im Geiste von Oliver Stones Filmen, schafft es hier Bigelow wie immer als brillante Filmemacherin zu überzeugen. Passendes Cast, perfekt inszeniert und einem irgendwie unpassenden Will Poulter. Gute Intensive Story mit längen, die de Zuschauer packt und Zeitgeschichte, wie immer auch heute noch aktuell aufarbeitet. Sehenswert.

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                                          • 7

                                            Auch wenn ich das Gefuehl nicht loswurde, dass Bigelow einen hier an die Hand nimmt und zeigt, was sie alles nicht gut findet, was ein "wenig" belehrend wirken kann, ist es fuer mich lobenswert einen Film ueber amerikanische Polizeitbrutalitaet zu machen.

                                            • 7

                                              Detroits Anfangsszenen sind intensiv und erdrückend: Ein Gewirr aus Stimmen, Sirenengeheul, Lärm – mit kühler und doch mitten in das Geschehen werfender Inszenierung und unruhiger Kamera rückt der Film die in Folge einer Polizeirazzia auf einen unlizensierten Club in Detroit langsam eskalierenden Rassenunruhen im Juli 1967 nah an den Zuschauer heran. Eingestreute Archivaufnahmen wirken nicht, wie so oft in anderen Filmen, wie ein Fremdkörper, sondern scheinen unmittelbar aus dem gezeigten Geschehen gegriffen. Das Geschäft der Polizei, völlig überfordert inmitten der Wirren, wird mit analytischem, distanziertem Blick eingefangen.
                                              Als die eigentliche Handlung des Films ins Rollen kommt, beginnen sich einzelne Figuren aus der Masse heraus zu schälen: Der Zuschauer ist dabei, wenn die aufgeheizte, zwischen Ausgelassenheit und Frustration schwankende Stimmung innerhalb eines primär von Schwarzen frequentierten Hotels zu im Grunde harmlosen Schüssen aus einer Startpistole und in weiterer Folge einem Anrücken aller sich in Ausnahmezustand befindlichen Kräfte (Detroit Police, State Police sowie Militär) führt. Treibende Kraft und Initiator des folgenden Geschehens: Philipp Kraus, gespielt von Will Poulter, Leiter der Einsatzkräfte aufseiten der Detroit Police. Auf der Ebene der handelnden Figuren, auf der sich der Film nun bewegt, trägt Kraus das meiste Gewicht im Bezug darauf, was uns der Film an Relevantem, speziell hinsichtlich aktueller Berichte über Polizeigewalt gegenüber Schwarzen in Amerika, mitteilen will: Kraus scheint geradezu das Idealbild des kleinen, von Ressentiment erfüllten weißen Mannes, dessen aufgestauten Minderwertigkeitskomplexe sich augenblicklich in sadistischen Gewaltausbrüchen entladen, sobald er in eine Autoritätsposition gelangt.
                                              In den nachfolgenden, sich immer weiter ins Extreme steigernden, durch psychologische Folter und Erniedrigung gekennzeichneten Verhören der Verdächtigen regt sich kaum Widerstand: Larry Reed, zunächst lässig, später tragisch gespielt von Algee Smith, aufstrebendes Mitglied der Soul-Gruppe The Dramatics, ist wie die anderen überwiegend schwarzen Besucher des Hotels zumeist hilfloses Opfer der sich zeitweise ins kaum Erträgliche steigernden Gewalt. Lediglich mit dem von John Boyega gespielten Wachmann Melvin Dismukes greift eine schwarze Figur in das Geschehen ein, die mehr als ein bloßes Opfer darstellt. Doch auch Boyegas Figur bleibt überwiegend auf ein entsetztes und ungläubiges Beiwohnen und dem vergeblichen Versuch einer Schlichtung beschränkt, auch wenn er dessen nachhaltige Verstörung, ja gar endgültige Gebrochenheit ob des von ihm Miterlebten eindrücklich darzustellen weiß.
                                              Bald wird deutlich, dass diese Passivität Methode hat, nicht nur bei den Opfern, sondern auch bei Dismukes: Geht es dem Film doch nicht nur um die Willkür einiger Weniger wie Kraus, sondern darum, ein institutionelles System als wirkliche Ursache des Problems zu identifizieren, ein solches, in dem eine institutionell gebilligte Gewalt einer bestimmten Randgruppe gegenüber so weit Normalität geworden ist, dass dem Einzelnen, mag er dieser nun selbst ausgeliefert sein oder nicht, kaum etwas anderes übrig zu bleiben scheint, als sie einfach hinzunehmen. So zeigen sich einige der anderen anwesenden Einsatzkräfte im Verlauf des Films etwa durchaus abgestoßen von Kraus’ immer drastischeren Methoden, lassen diesen aber schließlich doch gewähren oder sich von ihm gar mit hinabziehen.
                                              Letztlich offenbart Detroit so einen fragilen Balanceakt und scheint, mal der üblichen Dramaturgie nachgebend, das einzelne, niederträchtig agierende Individuum und mal das als Enabler fungierende institutionelle Gesamtsystem mehr in den Fokus der Betrachtung zu rücken. Abhängig davon, wie viel Analysetiefe man von dem Film letztlich in der ein oder anderen Hinsicht erwartet, ist man entweder enttäuscht von der Art, wie er das eine Thema (die gerade umrissene „Systemfrage“) mit den handelnden, teilweise recht grob gezimmerten Figuren ins Gleichgewicht bringt, oder man nimmt Abstriche großzügig in Kauf. Ein fesselndes Kinoerlebnis ist Detroit aber allemal.

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                                                Geistertexter 21.12.2017, 12:08 Geändert 21.12.2017, 12:20

                                                Wenn die überlangen und wohl bewusst entsetzlich anzuschauenden Folterszenen mit den Mitteln eines Action-Thrillers aufbereitet werden, verliert der Film seine Wahrheit und damit seine erzählerische Mitte aus den Augen. In diesen Sequenzen und auch in dem überflüssig ausgedehnten Gerichtsverfahren im letzten Drittel sind viele Szenen beliebig und klischeehaft. Bigelow möchte den Opfern rassistischer Gewalt und vor allem ihren Angehörigen eine Stimme geben, die gehört zu werden, heute wieder essentiell wichtig ist für die tief gespaltene amerikanische Gesellschaft. Auf diese Stimme hätte sie vertrauen sollen, die Opfer hatten genug zu erzählen. Vom Leiden an sich selbst. Nicht von Wut, Hass und Rache.

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                                                  thewolfman 16.12.2017, 21:23 Geändert 17.12.2017, 20:10

                                                  Bigelow kann es einfach.
                                                  Hervorragend besetztes und eindrucksvoll in Szene gesetztes Zeitdokument der Rassenunruhen der 60er in Detroit.
                                                  Einzig die wiederholten Gesangseinlagen nervten.

                                                  • 6 .5

                                                    Ja, das ist schon alles mitreißend, und der Cast spielt größtenteils absolut hervorragend (Boyega!). Eine gelungene Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema sieht aber anders aus. So ist der Film nicht an den eigentlich viel spannenderen gesellschaftlichen Verhältnissen und Rahmenbedingungen des dargestellten Konflikts interessiert, sondern nutzt ohne Hinterfragung seiner Entstehungsmechanismen ein moralisches Chaos, um eine historisch relevante Wende zu einem Gut-Böse-Kammerspiel zu reduzieren. Verstehen, was genau die Bevölkerung zu solch drastischen Aufständen und die Polizei zu dermaßen harten Reaktionen treibt, wird kein Zuschauer ohne gründliche Vorkenntnisse. Und einen zur Besonnenheit aufrufenden Beitrag zur friedlichen Klärung solcher Verwürfnisse kann diese Aneinanderreihung ungerechter und frustrierender Ereignisse auch kaum leisten. Vermutlich möchte Bigelow nicht weiter Öl ins Feuer gießen, liegen mit den Milwaukee Riots vergangenes Jahr ähnliche Ereignisse doch gar nicht allzu weit entfernt, über was mich ihr Film jetzt genau aufklären sollte, ist mir allerdings unklar. Konsequenterweise hätte ihr Film also nicht den Titel "Detroit", sondern "Algiers Motel" tragen sollen.

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