Meine glorreiche Sieben

7 Dokus, die Matthias nicht mehr loslassen

Meine glorreiche Sieben der mitreißendsten Dokus
© Alamode/Salzgeber/Arsenal/Collage moviepilot
Meine glorreiche Sieben der mitreißendsten Dokus

Wer mit Dokumentarfilmen nur Langweile und zähen Informationsfluss verbindet, der hat vermutlich noch nie einen entsprechenden Film von Werner Herzog gesehen oder verschließt sich allgemein mit konsequentem Desinteresse dieser Gattung. Natürlich gibt es viele Dokumentationen, bei denen es schwer fällt die Augen offen zu halten, wenn sie nachts zwischen zwei und drei Uhr auf irgendeinem dritten Programm laufen. Trotzdem existiert auch eine Vielzahl dieser Filme, die sogar packend und mitreißend sein können. In der folgenden Auflistung habe ich Mockumentaries à la This Is Spinal Tap komplett ausgelassen und trotzdem versucht, eine möglichst illustre Auswahl zusammenzustellen. Dabei sei gleich vorweg gesagt, dass nicht jede der erwähnten Dokus ein klassischer Vertreter ist, sondern sich ebenfalls viele auf dem schmalen Grad zwischen zwei verschiedenen Gattungen befinden. Da sieben zu vergebene Plätze natürlich nicht ganz ausreichen, um alle erwähnenswerten Titel aufzuzählen, habe ich eine Liste der mitreißendsten Dokus erstellt, die ihr natürlich auch wieder kommentieren und mit eigenen Vorschlägen erweitern könnt.

Banksy – Exit through the Gift Shop
Wer ist dieser Banksy? Woher kommt, was sind seine Motivationen und was macht er? Auf diese Fragen gibt Banksy – Exit Through the Gift Shop nur bedingt Antwort. Denn Graffiti-Künstler Banksy höchst persönlich zeichnet für den ersten Dokumentarfilm auf meiner Liste, der auch gleich einer der Kandidaten ist, die zwischen vielen Stühlen stehen, verantwortlich und wollte eigentlich nur das Schaffen seines Kollegen Thierry Guetta alias Mr. Brainwash näher beleuchten. Was letzten Ende dabei herausgekommen ist, findet sich irgendwo zwischen Kunst, Leben und einem Witz wieder. Banksys Portrait/Entlarvung/Offenbarung lässt sich wirklich schwer beschreiben und deswegen soll der liebevolle Begriff Prankumentary an dieser Stelle für sich sprechen.

Year of the Horse – Jarmusch, Young und Musik
Jim Jarmusch hat vor allem Dank seiner einmaligen Indepentfilme im internationalen (Arthouse-)Kino einen prestigeträchtigen Ruf. Darüber hinaus überrascht er immer wieder mit seinem vorzüglichen musikalischen Vorlieben. Nachdem Neil Young bereits Dead Man mit seinen prägenden Gitarrenklängen bereichert hatte, setzt Jim Jarmusch dem Künstler und seiner Band Crazy Horse in Year of the Horse eine fantastisches Denkmal. Was letzten Endes übrig bleibt, ist eine wunderbare Komposition von Videomaterial, Interviews und starker Musik sowie für mich persönlich die Möglichkeit, an einer Epoche der Musikgeschichte teilzuhaben, die mir ansonsten so nie wieder begegnet wäre.

Life in a Day – Das Leben, nicht das Universum, aber dafür der ganze Rest
Vor gut über zwei Jahren hatte ich auf YouTube den Aufruf gelesen, dass jeder, der Lust und Laune hat, ein Video hochladen kann, das einen Ausschnitt des Tagesablaufs vom 24. Juli 2010 zeigt. Zu diesem Zeitpunkt war ich der festen Überzeugung, dass ich diesem Projekt nicht noch einmal begegnen würde. ‘Langweiliger Promotion-Gag oder so’, war vermutlich damals mein Gedanke, bis mir einige Monate später ein als Life in a Day – Ein Tag auf unserer Erde betitelter Film in die Hände fiel. Danach war ich ziemlich Begeistert von den Eindrücken, die der Dokumentarfilm in fast 100 Minuten entstehen lässt. Vermutlich würden die benötigten Worte, um dieses Portrait zu beschreiben, jeden denkbaren Rahmen einer glorreichen Sieben sprengen. Das wiederum beweist aber, wie klein und gleichzeitig doch unendlich groß die Welt und unser Leben ist.

Waltz with Bashir – Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
Es ist schwer, über seinen eigenen Schatten zu springen. Etwas nach einer Reflexion zugeben, über bestimmte Geschehnisse urteilen oder sogar verändernd in der Zukunft handeln. Ari Folman erinnert sich in Waltz with Bashir auch an vergangene Ereignisse – sogar an selbst erlebte Ereignisse während des ersten Libanonkriegs. Doch es geht nicht nur darum, die Vergangenheit Revue passieren zu lassen, sondern sich konkret an bestimmte Situationen und Handlungen zu erinnern, die er miterlebt – wenn nicht sogar zu verantworten hat. Die Dokumentation im Animationsgewand, die teilweise auch mit Spielfilmelementen gespickt ist, handelt vor allem davon, dass Vergangenes nicht verklärt werden soll, sondern stattdessen eine aktive Auseinandersetzung wichtig ist.

Hearts of Darkness – Die Hölle des Filmemachens
Obwohl Apocalypse Now regelmäßig auf sämtlichen Bestenlisten zu finden ist und der Ruf als Meilenstein der Filmgeschichte von vielen Cineasten anerkannt wird, sahen viele Verantwortliche sowie Außenstehende den Film während seiner Produktionszeit dem Scheitern nahe. Reise ins Herz der Finsternis dokumentiert eindrucksvoll die Hölle, die Francis Ford Coppola und sein Team durchgemacht haben, bis der Antikriegsfilm vollendet war. Die Tatsache, dass mitten während der Dreharbeiten die von der philippinischen Regierung geliehenen Helikopter abkommandiert wurden, um spontan gegen Rebellen ins Gefecht zu ziehen und dann anschließend wieder im Vietnam-Szenario als Attrappe zu dienen, gibt einen kurzen, aber auch sehr passenden Einblick in die chaotischen Produktionsumstände des visionären Films.

The White Diamond – von Werner Herzog
Um ehrlich zu sein, fällt es mir schwer, nur eine Dokumentation von Werner Herzog hier aufzuführen, da ich ich vermutlich eine komplette glorreiche Sieben nur mit seinen Filmen füllen könnte. Stellvertretend für Begegnungen am Ende der Welt, Grizzly Man und alle anderen erwähnenswerten Werke, habe ich mich für The White Diamond entschieden, der mich vielleicht am meisten gefesselt hat. Werner Herzog entführt mitten in den Regenwald irgendwo in Guyana, Südamerika, begleitet Graham Dorrington und sein mit Helium gefülltes Flugschiff auf Expeditionskursen und erzählt von den faszinierenden Geheimnissen dieser Welt inklusive selbstreflexiver Ebene. Erfahren, Nachdenken und Erleben in der zeitlosen Natur.

Man on Wire – Ein schwebender Drahtseilakt
7. August 1974, zwischen den Twin Towers, New York: Philippe Petit, der Man on Wire, balanciert auf einem zwischen den zwei Türmen des World Trade Centers gespanntem Drahtseil. Ohne Sicherheitsgurt und ohne Auffangnetz, sondern lediglich mit einer Stange zum Ausbalancieren hält sich Petit aufrecht stehend, fast schon schwebend in der Luft. Was sich nach einer guten, aber schnell wieder vergessenen Schlagzeile anhört, verwandelt James Marsh in einen Dokumentarfilm, der fast einem perfekten Heist-Movie ähnelt und dank dieser unkonventionellen Herangehensweise einen bleibenden Eindruck hinterlässt – nicht zuletzt wegen des wunderbaren Einsatzes von Erik Saties magischen Kompositionen.

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moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
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