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Meine glorreichen Sieben

7 Filme, die Torsten Berlin näher bringen

16.08.2012 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Berlin, Berlin
© Universal Film/StudioCanal/moviepilot
Berlin, Berlin
Berlin pulsiert. Kein Ort in unserer Republik hat in den letzten 100 Jahren eine bewegtere Geschichte erlebt. Grund genug, euch in meiner heutigen glorreichen Sieben Filme über die Hauptstadt zu präsentieren, die euch ein Bild der Historie liefern.

Kaum eine andere Stadt verändert sich schneller als Berlin. An vielen Orten erinnert heute nur noch wenig an frühere Epochen der Bundeshauptstadt. Neben Fotos sind Filme die wohl besten Zeitdokumente, um uns an das alte Berlin zu erinnern. Deshalb möchte ich euch in meinen ersten glorreichen Sieben Filme über die faszinierende Metropole an der Spree vorstellen, die mein persönliches Interesse an der Stadt geweckt haben und die Vergangenheit und Gegenwart wieder heraufbeschwören. Ach ja, und die Liste ist auf Spielfilme begrenzt, denn ich erlebe Berlin-Impressionen lieber in Verbindung mit einer spannenden Geschichte als in einer reinen Dokumentation. Für meinen Geschmack erfüllen diese glorreichen Sieben beide Kriterien und liefern einen guten Überblick über verschiedene Aspekte der Stadt zu unterschiedlichen Zeiten. Ansonsten kann ich euch natürlich noch die Liste der Berlin-Filme von Ines wärmstens ans Herz legen.

M – Eine Stadt sucht ihren Mörder
Ganz Berlin ist in Aufruhr. Ein Kindermörder geht um! An jeder Ecke vermuten die Bewohner den brutalen Killer. Als die Polizei durch ständige Razzien beinahe die ganze Stadt lahmlegt, beschließt die Unterwelt schließlich, selbst auf die Jagd nach der Bestie zu gehen. Mit M – Eine Stadt sucht einen Mörder produzierte Fritz Lang nicht nur seinen ersten Tonfilm, sondern lieferte gleichzeitig sein wohl größtes Meisterwerk neben Metropolis ab. Hier zeichnet der Regisseur ein Bild der turbulenten, aber interessanten Spätphase der Weimarer Republik. Die Rolle des Mörders machte Peter Lorre zu einem internationalen Star, der später in Filmen wie Die Spur des Falken und Casablanca zu sehen war. Kurz nach M kamen die Nazis an die Macht. Viele Künstler verließen das Land. Auch Fritz Lang und Peter Lorre gingen ins Exil, feierten Erfolge in Hollywood und starben schließlich in Los Angeles.

Der Himmel über Berlin
Zwei Engel laufen durch das geteilte Berlin. Sie beobachten die Menschen und hören ihnen Gedanken zu. Einer von ihnen verliebt sich in eine Trapezkünstlerin und möchte ab sofort seine Unsterblichkeit aufgeben. Das in schwarz-weiß gehaltene Kunstwerk Der Himmel über Berlin von Wim Wenders ist eine Elegie auf die Zeit der Mauer. Es gibt wohl kaum eine poetischere, aber traurigere Darstellung der Stadt während des Kalten Krieges. Wir sehen die Trümmerhaufen auf dem Potsdamer Platz, der damals Grenzgebiet war. Ironischerweise ist er heute ein Ort des Films. Neben der Deutschen Kinemathek stehen dort gleich mehrere Multiplex-Kinos. Bruno Ganz, der hier einen Engel spielt, wurde später in einem anderen Berlinfilm zur personalisierten Reinkarnation des Bösen – als Adolf Hitler in Der Untergang.

Berlin Alexanderplatz
Franz Biberkopf wird aus dem Gefängnis entlassen und möchte endlich ein anständiges Leben führen. Doch seine ruchlose Vergangenheit sucht ihn immer wieder heim. Mit Berlin Alexanderplatz wagte sich Rainer Werner Fassbinder an den Romanklassiker von Alfred Döblin und ging damit ein massives Risiko ein. In 14 Episoden mit über 15 Stunden Spielzeit verfilmte der Regisseur das komplexe modernistische Buch über Berlin in den späten 1920er Jahren im wohl längsten narrativen Spielfilm aller Zeiten. Weil der Alexanderplatz zum Zeitpunkt des Drehs in der DDR lag, stellte Rainer Werner Fassbinder manche Handlungsorte in den Bavaria-Filmstudios nach. Sein Werk ist sicher keine leicht verdauliche Kost, aber ein sehenswerter Abgesang auf die Weimarer Republik und eine Warnung vor dem, was danach kam.

Das Leben der Anderen
Ein linientreuer Abhörexperte der Stasi hat keinen anderen Lebenssinn als Staatsfeinde ausfindig zu machen. Als er auf einen Dramatiker und eine bekannte Schauspielerin angesetzt wird, ändert sich seine Sichtweise. Er ist fasziniert von den Freigeistern und hinterfragt schließlich sein eigenes Dasein. Das Leben der Anderen von Florian Henckel von Donnersmarck ist eine Abrechnung mit der DDR und eine erfrischende Alternative zu den sonstigen ‘Ostalgie’-Filmen des vergangenen Jahrzehnts. Er verklärt den sozialistischen Überwachungsstaat nämlich nicht zu einem Ort der Nächstenliebe jenseits der Mauer. Alleine dafür gebührt ihm Respekt. Mit seiner ruhigen Erzählweise und der guten Leistung der Schauspieler gewann das Debüt des Regisseurs einen Oscar als Bester Ausländischer Film.

Berlin Calling
Der Berliner Elektronik-DJ Ickarus tourt mit seiner Freundin und Managerin durch die Clubs des Globus. Ihre größte Albumveröffentlichung steht kurz bevor. Nach einem Drogenrausch wird der Musiker in eine Berliner Nervenklinik eingeliefert und muss seine Prioritäten überdenken. Berlin Calling von Hannes Stöhr ist nicht nur ein Porträt des wiedervereinigten Berlins und der Techno- und Drogenkultur in den Jahren nach der Wende, sondern eine Charakterstudie mit Tiefgang. Kult-DJ Paul Kalkbrenner, seines Zeichens kein gelernter Schauspieler, liefert eine überzeugende Leistung als Ickarus ab – und zeichnet sich obendrein noch für den grandiosen Soundtrack zum Film verantwortlich.

Herr Lehmann
Kreuzberg kurz vor der Wende: In einer kleinen Parzelle nahe der Mauer haben es sich einige Lebenskünstler gemütlich gemacht. Die Welt abseits ihres beschaulichen Mikrokosmos, in dem die Zeit stillzustehen scheint, ist fast schon befremdliches Feindesland. Frank Lehmann ist einer dieser Bohemiens, die Veränderungen mit Misstrauen begegnen. Ausgerechnet in dieser hektischen weltpolitischen Phase muss auch er sich zahlreichen Herausforderungen stellen. Mit Herr Lehmann beschwört Leander Haußmann eine längst vergangene Ära herauf. Die Verfilmung des Romans von Kultautor Sven Regener lebt und stirbt mit Christian Ulmen. Er verleiht der schrulligen Hauptfigur genug Tiefgang und Sympathiewerte und rettet den Film damit vor der Plattheit von Haußmanns Sonnenallee.

Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Im West-Berlin der 1970er Jahre steigt Teenager Christiane F. in den Drogensumpf ab. Aus Hasch wird Heroin. Bald zwingt sie die Sucht dazu, auf den Kinderstrich rund um den Kurfürstendamm und den Bahnhof Zoo zu gehen. Mit Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo verfilmte Uli Edel die wahre Geschichte der Jungprostituierten. Die geteilte Stadt erscheint dabei als düsterer, beklemmender Ort, vom Regisseur immer authentisch, erschütternd und ohne jegliche Beschönigung inszeniert. Der grandiose Soundtrack von David Bowie leistet sein Übriges, um den Film atmosphärisch unglaublich dicht zu gestalten. Der Rockstar lebte in der damaligen Zeit selbst eine Weile in Schöneberg, um seine Heroinsucht zu bekämpften und setzte sowohl sich selbst als auch der Berliner Mauer mit ‘Heroes’ ein musikalisches Denkmal.

Was sind eure Lieblingsfilme über Berlin?

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