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A Star Is Born - Willkommen zur ultimativen Barbra Streisand-Show

A Star Is Born - Trailer (English)
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© Warner Bros.
A Star Is Born (1976)
02.10.2018 - 08:50 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Die A Star Is Born-Verfilmung mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson ist unter Kritikern die unbeliebteste von allen. Aus vielen Gründen ist sie aber auch ein großes Fas­zi­no­sum, das mit einem Herz für Klassiker gewürdigt werden will.

Es gibt in der Unterhaltungsindustrie nur wenige Persönlichkeiten, deren entwaffnender Schwall an Starpower ein Projekt nicht nur mühelos trägt, sondern es zu jeder Sekunde auch zu überschatten droht. Dieses potentiell Fluch wie Segen spendende Merkmal war bei Barbra Streisand bereits offensichtlich, als die Karriere der Leinwand-Ikone eigentlich noch ganz am Anfang stand. Ihren frechen Silberblick nicht erwidern zu wollen ist ebenso unmöglich wie ihr forsches Temperament zu ignorieren, das unweigerlich auf die Leinwand durchschlägt. Und damit haben wir noch gar nicht ihre Nase erwähnt, der allenfalls die von Lady Gaga das Wasser reichen kann. Wenn jemand von Streisands Kaliber dazu ansetzt, in einem Film nicht nur die Hauptrolle zu übernehmen, sondern auch Songs beizusteuern, selbige persönlich auf der Bühne zu schmettern und alles obendrein mitzuproduzieren, zeichnet sich schnell ab, wohin das führen muss. Kurzum: A Star Is Born ist die ultimative Barbra Streisand-Show - hochprozentig megalomanisch, manchmal unberechenbar und voller Hingabe, nach außen manifestiert durch die wilde Dauerwellenpracht der Darstellerin.

A Star Is Born ist ein Liebesfilm mit Obskuritäten

Auch dank Barbra Streisand ist die 1976er Version der tragischen Romanze A Star Is Born bislang die im besten Sinne unkonventionellste. Momente wie jene, in denen die von Streisand verkörperte Esther Hoffman als Mitglied des Musiktrios Oreos (nicht zu verwechseln mit der Keksmarke) Werbung für Katzenfutter einsingt oder ihren Gatten ermahnt, sie werde ihn töten, sollte er sterben, verschließen sich einer logischen Einordung. Warum genau die Schauspielerin und Sängerin in Personalunion ihrem Co-Star an anderer Stelle bei einem Badewannen-Date falsche Augenbrauen aufklebt und seine Wangen mit Rouge verziert, zählt ebenfalls zu den diversen Fragen, die der Film aufwirft. Aber es sind Mythen, die es mit Inbrunst zu umarmen gilt.

Barbra Streisand in A Star Is Born

Eine Sache gibt es da wahrscheinlich aber doch, die Schritt halten kann mit Barbra Streisands ausgefallener Grandezza: Der endlose Glanz einer zeitlosen Liebesgeschichte, die bereits in zwei (genau genommen sogar drei) Variationen erzählt worden war und just in diesem Jahr von Bradley Cooper erneut eine Frischzellenkur verpasst bekommt. Nachdem sich zuvor William A. Wellman und (zweimal) George Cukor an der Unvereinbarkeit von Ruhm und anhaltender Glückseligkeit abgearbeitet hatten, verlagerte Regisseur Frank Pierson das A Star Is Born-Szenario von Hollywood erstmals in den von Bier- und Schweißgeruch geschwängerten, keineswegs minder aufwühlenden Kosmos des Stadionrocks. Hier zumindest beginnt alles, als John Norman Howard mit mehrstündiger Verspätung die Bühne stürmt und Esther nach dem Konzert in einem Nachtclub kennenlernt.

Bitte überseht in A Star is Born nicht Kris Kristofferson

Zu diesem Zweck musste ein Darsteller her, der singen kann, idealerweise aber auch schon für einen Film vor der Kamera stand: Kris Kristofferson (Heaven's Gate) bekam nach einer Absage aus Image-Gründen von Elvis Presley am Ende das Engagement. Er spielt den abgewrackten Gitarren-Antihelden John Howard mit innigem Understatement und einer glaubwürdigen Lebensmüdigkeit, welche sämtliche Klischees rund um die sich selbst bemitleidende Figur sanft in den Hintergrund rücken lässt. Vincent Canby konstatierte einst für die New York Times , Kristofferson scheine gelangweilt durch den Film zu wandeln. Für mich tut der heute 82-Jährige das exakte Gegenteil. Wenn er in seinem Sportwagen symbolträchtig dem Horizont entgegen rast, zerreißt es mir das Herz.

Kris Kristofferson in A Star Is Born

Kristofferson und Streisand sind wie Pole desselben Magneten. Rein gar nichts spricht dafür, dass sie zueinander finden und trotzdem agieren sie irgendwie zusammen, bedingen einander. John bringt seinen Manager mit Undiszipliniertheit auf die Palme, steckt voller Weltschmerz und trägt seine Klamotten so lässig wie seine Instrumente. Die organisierte Esther hingegen mag vieles sein, so wie er ist die aufstrebende Künstlerin allerdings definitiv nicht. Ihre exquisite Garderobe stammt direkt aus dem Kleiderschrank des sie verkörpernden Stars, wie uns die Credits selbstironisch verraten.

Barbra Streisand und Kris Kristofferson sind (k)ein Traumpaar

Die widersprüchliche Besetzung von A Star Is Born sticht ins Auge, entspricht in ihrer Radikalität aber dem irrationalen Wesen der Liebe. Ihr könnte es kaum egaler sein, ob beide gern ausgewaschene Jeans tragen oder nicht. Der Film ist sich der Gegensätzlichkeit seiner Aushängeschilder übrigens durchaus bewusst und spielt mit ihr, wenn etwa John die an diesem Tag fein in weiß gekleidete Esther nach einem vorgetäuschten Unfall in eine buchstäbliche Schlammschlacht hineinzieht. Die Vorstellung, dass es im Verlauf der Menschheitsgeschichte einen Augenblick gab, in dem Barbra Streisand im Studio performt und sich dabei die Finger von Kris Kristofferson in den ihrigen verhakten, ist ebenso obskur wie schön.

A Star Is Born

Ein Stern geht auf, ein anderer geht unter. Wie seine Vorgänger ist auch A Star Is Born von 1976 als Anklage gegen die Unterhaltungsindustrie lesbar, wo an allem und jedem ein nicht allzu fernes Verfallsdatum klebt, nach dessen Ablauf die Betroffenen bis zur Unkenntlichkeit zerkaut wieder ausgespuckt werden. Mehr noch als die früheren A Star Is Born-Filme aber vermittelt Frank Piersons Interpretation, wie sehr die magischen Schnittpunkte zählen, wobei er auf übergeordneter Ebene aus den Grenzen des Showbusiness' ausbricht. Um die Vergänglichkeit von Glück und die Sehnsucht nach Geborgenheit zu fühlen, muss schließlich niemand erst Berühmtheit erlangen. Zufällig sind Musik und Film eine sehr schöne Ausdrucksform dafür, insbesondere in Kombination. An genau diesem Punkt treffen sich A Star Is Born und seine wundervolle Hauptdarstellerin, wenn Barbra Streisand in der finalen Szene ganze acht Minuten lang ein Lied auf die Liebe singt.

Wie gefällt euch A Star Is Born von 1976?

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