Avengers 4: Das Schicksal von Captain America ist Fluch und Segen zugleich

Avengers: Endgame
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Volontär beim Moviepilot. Betrachtet das Leben in 2.35:1 und hat in Programmkinos aufgrund der freien Platzwahl Angst vor einem Kontrollverlust.

Achtung, massive Spoiler zu Avengers 4: Mit Avengers: Endgame geht eine Ära zu Ende. Das gilt zwar nicht für das MCU - Disney hat gerade erst einen üppigen Dreijahresplan verkündet. Wohl aber für die Helden, die dieses schon mehr als eine Dekade bestehende Filmuniversum aufgebaut haben. Neben den tödlichen Abgängen von Iron Man und Black Widow versiegt in Avengers 4 auch endgültig die erzählerische Quelle von Captain America.

Das emotionale Ende von Captain America ist das Highlight im MCU

Chris Evans als Steve Rogers erhält seinen würdigen Abschied und darf im Gegensatz zu Tony Stark (Robert Downey Jr.) und Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) nach dem Sieg über Thanos (Josh Brolin) weiter unter den Lebenden weilen.

Die drei wichtigsten Punkte zum Ende von Captain America

  • Steven Rogers wird emotional wie gebührend aus dem MCU verabschiedet.
  • Mit der Tanzszene schafft Marvel endlich mal einen großen Kino-Moment.
  • Mit der Wahl des neuen Captain Americas stößt Avengers 4 Fans vor den Kopf.

Zugleich macht sich der Anführer der Avengers ein letztes Mal die Zeitreisen-Technologie der Quantendimension zu Nutze und kehrt nach einem für den Betrachter nur wenige Sekunden andauernden Ausflug in die Vergangenheit als sichtlich gealterter Mann zurück.

Die Regie führenden Russo-Brüder meistern diesen finalen Akt mit leisen Tönen. Viel wurde spekuliert über Captain Americas möglichen Tod, auch weil Chris Evans im vergangenen Jahr via Twitter seinen MCU-Ausstieg angedeutet hat. Das tatsächliche Ende von Steve Rogers nimmt einem Angst und Last, in Endgame werden die persönlichen Reisen der Helden elegant wie versöhnlich ins Ziel geführt. Zumindest größtenteils.

Iron Man durfte sich im letzten Atemzug zu Gunsten aller Lebenden opfern und damit ein für alle Mal unter Beweis stellen, dass “Tony Stark ein Herz hat”, was noch mal eine schöne Momentaufnahme visuell verdeutlicht. Der anschließende Abgang von Steven Rogers krönt diesen Augenblick mit der wohl schönsten Sequenz, die dem Captain im gesamten MCU vergönnt war. Auch Kollege Matthias zeigt sich von der Tanzszene, die passenderweise den Film abblendet, emotional ergriffen.

Falcon wird der neue Captain America, das Ignorieren von Bucky frustriert

Doch selten weilt ein Licht, ohne Schatten zu werfen und so hinterlässt der Epilog von Captain America kurz vor dem erinnerungswürdigen Schlusspunkt auch seinen faden Beigeschmack. Denn während da der in den Ruhestand abgetretene Rogers auf einer Bank verweilt, reicht er seinen ikonischen Schild an seinen Nachfolger weiter: Es ist ..., Moment, Sam Wilson?

Es folgt einer der fragwürdigsten Momente in Avengers 4: Rogers ernennt nicht Bucky Barnes (Sebastian Stan), sondern den von Anthony Mackie gemimten Falcon zum neuen Cap und das gefühlt eigentlich nur, weil dieser gerade zufällig neben ihm steht.

Nur wenige Meter entfernt sieht Buck teilnahmslos zu und wird schlichtweg übergangen. Nicht, dass der Flügelflitzer Sam so gar nicht in Rogers’ Fußstapfen treten könnte - doch wieso denkt dieser nicht eine Sekunde an seinen besten Freund?

Seit dem ersten Captain America-Film verbindet Steve und Bucky eine unvergleichliche Freundschaft. Nicht einmal eine nahezu 70 Jahre währende, unfreiwillige Trennung der beiden Gefährten oder ein Eingriff der Geheimorganisation HYDRA können daran etwas ändern. Auch als Buck sich als Winter Soldier scheinbar der bösen Seite verschrieben hat und sogar Tony Stark ihn zeitweise kaltmachen will, entscheidet sich Cap dennoch für seinen Freund und gegen sein Team.

Ein Blick in die Marvel-Comics verschafft Klarheit

Kaum etwas wäre also naheliegender, als dass Bucky von Rogers zum neuen Captain ernannt wird. Doch dazu kommt es nicht. Vielleicht will der Winter Soldier ja auch gar nicht diesen Titel und weiterhin den roten Stern und nicht den weißen tragen? Die Lösung könnte in den Comics liegen.

In der Marvel-Literatur ist die Beziehung zwischen Cap und Falcon nämlich eine deutlich stärkere, als wir sie aus den Filmen kennen. Ende der 1960er-Jahre wird Wilson erstmals in die Captain America-Reihe eingeführt und weicht fortan kaum noch von der Seite des Ersten Avengers.

Ab Ausgabe 134 benennt Marvel dessen Comics sogar plötzlich in Captain America and the Falcon um. Und Ende 2014 passiert es nach einem Relaunch tatsächlich genauso wie in Endgame: Rogers geht in Rente und sein treuer Freund Sam wird der neue Captain America.

Warum also sich dann aufregen?

Gehen wir nach dieser Vorlage, ist das Ende von Rogers in Avengers 4 also absolut logisch. Doch warum ist es trotzdem weiterhin so unbefriedigend? Der Anstoß ist in erster Linie bei der Selbstverständlichkeit zu finden, mit der dieser einschneidende Wendepunkt kommentarlos transportiert wird.

Denn nur absolute Comic-Kenner werden die Überraschung wirklich nachvollziehen können. Dabei zeichnete sich das MCU eigentlich immer damit aus, die breite Masse zu bedienen und brachte aus dieser auch seine gegenwärtigen Fans hervor.

Wir dürfen die These wagen, dass von all den Verehrern der Avengers-Filme, die auch bei Thor und Ant-Man konsequent bis nach dem Abspann sitzenbleiben und sich an jeder noch so trivialen Post-Credits-Szene erfreuen, nur ein überschaubarer Teil wirklich all die alten Comic-Hefte und Graphic Novels gelesen hat.

Bucky Barnes der wahre neue Captain America

Deshalb greifen die MCU-Filme diese auch nur lose auf: Im Bücherregal findet man zwar titelgleiche Vorlagen zu Infinity War, Age of Ultron oder Civil War - diese haben jedoch nur bedingt etwas mit den Filmumsetzungen gemein.

Kevin Feige hat für sein 2008 durch Iron Man gestartetes Marvel Cinematic Universe im Laufe von 22 Kinoveröffentlichungen (plus einiger Serien) mit Hilfe der Autoren eine ganz eigene Logik geschaffen, in der Superhelden-Legenden längst vergangener Tage neu interpretiert werden. Und wenn wir uns auf jene Logik beziehen, dann ist Bucky Barnes der wahre neue Captain America.

Vielleicht ist Anthony Mackie genau der richtige Cap für das neue MCU, auch weil sein Charakter mit mehr Optimismus und Führungskraft als der eher düstere Einzelgänger Buck daherkommt. In Avengers 4 wird diese Entscheidung aber nur wenig überzeugend vermittelt, die Russos platzieren sie mit einer Identität, dass nur ein großes Fragezeichen bleibt. Da kann der Captain nachher in der Schlussszene noch so schön das Tanzbein schwingen.

Avengers 4: Endgame läuft seit dem 24.04.2019 in den Kinos.

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