Avengers 4: Endgame - Warum die einfachste Captain America-Szene die schönste ist

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Avengers 4: Endgame
03.05.2019 - 08:50 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Captain America gehören einige der emotionalsten Szenen in Avengers 4. Die Poesie der letzten Minuten zählt zu den schönsten, aber auch tragischsten des ganzen MCU.

Achtung, Spoiler zu Avengers 4: Endgame: Wer hätte gedacht, dass Avengers 4: Endgame ausgerechnet mit seinen stillen Tönen am meisten zu überzeugen vermag? Am Ende ist es nicht der Kampf gegen Thanos und seine gesichtslose Gefolgschaft, der für Gänsehaut sorgt, sondern das Close-up zweier Menschen, die im Tanz vereint sind.

Keine Explosionen, keine Superkräfte und auch keine Lichthülsen, die in den Himmel ragen: Zurückgezogen in einem Wohnzimmer der 1940er-Jahre findet dieser Moment statt, während im Hintergrund It's Been a Long, Long Time, eingespielt von Harry James and His Orchestra, zu vernehmen ist.

Avengers 4: Endgame findet in der Ruhe seine Stärke

Lange hat das Marvel Cinematic Universe auf diesen Tanz hingearbeitet, jetzt dürfen wir ihn schließlich bezeugen, wenn auch nur für wenige Sekunden, ehe das Schwarz des Abspanns übernimmt und den Rest der Geschichte unserer Fantasie überlässt.

Steve Rogers (Chris Evans) lebt endlich das Leben, von dem Tony Stark (Robert Downey Jr.) immer geschwärmt hat - nämlich jenes zusammen mit seiner großen Liebe, Peggy Carter (Hayley Atwell), von der Steve die meiste Zeit seines irdischen Daseins getrennt war. Ein hoffnungslos romantisches, regelrecht kitschiges Ende, doch auch eines, das sich richtig anfühlt.

Avengers 4: Endgame

Irgendwann im Verlauf von Avengers 4: Endgame bemerkt Tony Stark sarkastisch, dass er Captain Americas unverbesserlichen Optimismus beinahe vermisst habe, als sich die beiden nach langer Zeit in einer dramatischen Situation wiedersehen.

Die Hälfte des Universums wurde durch Thanos' verheerenden Fingerschnipp ausradiert und trotzdem steht Captain Americas Gewissen voller Hoffnung da und blickt nach vorne. Etwas Klares, etwas Einfaches durchströmt seine Figur, was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass sie weniger komplex ist als etwa Iron Man.

Die Poesie von Captain Americas Abschied aus dem MCU

Stattdessen lässt uns Avengers 4: Endgame bewusst werden, welche Entwicklung Captain America in den vergangenen Jahren (wobei bei ihm Jahrzehnte angemessener wären) durchgemacht hat und wie tragisch diese selbst (oder gerade wegen) ihrer einfachen, klaren Struktur ist.

Stets ein Fremder in der Welt, darf Steve Rogers in den finalen Minuten des Films wieder dorthin zurückkehren, wo er herstammt. Ein erlösender Augenblick, vielleicht aber auch eine Flucht in die Vergangenheit, in eine Zeit, wo noch keine tonnenschweren Raumschiffe den Himmel verdunkelten und Titanen mit dem Finger schnippten.

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Unabhängig davon, wie Captain Americas Abstecher die Logik von Avengers 4: Endgame auf den Kopf stellt, beeindruckt die Sehnsucht, die in den letzten Minuten des Films so deutlich wird wie nie zuvor im MCU - vor allem auch aufgrund des verwendeten Songs. Schon allein der Titel ist ein sprechender: Es ist viel, sehr viel Zeit vergangen.

Ursprünglich mit Blick auf das Ende des Zweiten Weltkriegs geschrieben, erzählt das Lied aus der Feder von Jule Styne und Sammy Cahn auch in Avengers 4: Endgame von dem Ende eines Krieges. Noch mehr bringt es aber die Zerrissenheit zweier Figuren zum Vorschein, die endlich durch das Versprechen vereint werden, das in den vergangenen Dekaden zum Ausdruck der Unvereinbarkeit ihrer Liebe wurde.

Der Tanz, der Steve Rogers und Peggy Carter vereint

Die schlichte Schönheit des Tanzes in Verbindung mit It's Been a Long, Long Time besteht folglich in der Vereinigung von Widersprüchen. Sowohl die düsteren als auch die hellen Seiten der Infinity-Saga kommen hier zusammen. War der Tanz bei Steves erster Begegnung mit Peggy in Captain America - The First Avenger noch ein Ding der Unmöglichkeit, fungiert er nun als versöhnende wie erlösende Geste.

Gleiches trifft auf den Song zu, der im MCU erstmals in The Return of the First Avenger ertönte, wenn sich Nick Fury (Samuel L. Jackson) nach dem HYDRA-Attentat in Steves Apartment versteckt und hofft, durch die Musik potenzielle Mithörer vom Inhalt des geführten Gesprächs abzulenken. Im Angesicht der Gefahr legt sich die Musik wie ein schützender Mantel um die Figuren.

Avengers 2: Age of Ultron

In den finalen Atemzügen von Avengers 4: Endgame vereint sie dann schließlich auch Steve und Peggy an einem Ort, der für alle anderen nicht mehr erreichbar ist. Abgeschirmt vom Rest der Welt und mit dem Wissen um den Lauf der Dinge kann Steve endlich das genießen, was ihm seine Pflicht bisher verwehrt hat. Für ihn dreht sich jetzt alles in einem kleinen, intimen Kreis.

Im Kontrast zu Tony, der selbst nach seinem Tod mittels moderner Technologie weiterleben kann, fasziniert Steves Rückkehr an einen versteckten Ort als eines der wenigen echten Geheimnisse des MCU. Hier muss nichts reißerisch angeteasert werden.

Stattdessen ist es die Ruhe und Gelassenheit des altmodischen Helden, die uns neugierig macht, aber trotzdem mit der Gewissheit (und den Klängen von It's Been a Long, Long Time) in den Abspann entlässt, das alles gut ist. Wie schön. Zum Glück gab es keine Szene nach dem Abspann, die das Ausklingen dieses ruhigen Moments unterbrochen hat.

Hier findet ihr noch mehr emotionale Momente in Avengers 4: Endgame, der seit dem 24.04.2019 in den deutschen Kinos läuft.

Wie hat euch Captain Americas Abschied gefallen?

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