Better Call Saul - Staffel 3, Episode 5 im Recap

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Better Call Saul - Staffel 3, Episode 5: Chicanery
10.05.2017 - 09:00 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Nachdem sich Better Call Saul zuletzt sehr nah an die Geschichte von Breaking Bad herantestete, geht es diese Woche alleine um das Schicksal von Jimmy McGill und seinem Bruder. Was folgt, ist ein exzellent ausgeführtes Drama.

Wenngleich Better Call Saul im Lauf der bisherigen Staffeln seinen ganz eigenen Stil entwickelt hat, näherte sich die Serie in den letzten Episoden stark an Breaking Bad an. Das ist natürlich völlig legitim - immerhin handelt es sich hierbei um ein Spin-off, das durchaus geneigt ist, sich in ein Prequel zur genannten Mutterserie zu verwandeln, die fünf Staffeln lang für Ausnahmezustand in der Serienwelt gesorgt hat. Dennoch erzählt die jüngste Schöpfung von Vince Gilligan nicht nur eine Vorgeschichte, die ausschließlich im Bezug auf das große Ganze funktioniert. Nein, Better Call Saul erzählt mittlerweile eine ganz eigene Geschichte, die sich völlig unabhängig von der Breaking Bad-Mythologie entfaltet, gleichwohl das Zusammenspiel gerne gesehen ist. Im Gegensatz zur letzten Woche konzentriert sich Chicanery, die 5. Episode der 3. Staffel, aber komplett auf diese eigenständige Seite der Erzählung und liefert ein packendes Drama ab.

Was auch immer Mike (Jonathan Banks) und der zwielichtige Gus (Giancarlo Esposito) gerade so treiben: Drehbuchautor Gordon Smith interessiert sich diese Woche alleine für den Streit zwischen zwei Brüdern, der tief in ihrer Beziehung seine Wurzeln geschlagen hat. Bereits im Prolog wird uns das überaus ambivalente Verhältnis zwischen Jimmy (Bob Odenkirk) und Chuck (Michael McKean) vor Augen geführt, indem er die beiden Brüder zu einer Zeit aufeinandertreffen lässt, in der die Fronten noch nicht so verhärtet waren wie zum aktuellen Zeitpunkt des Geschehens. Tatsächlich ist in den ersten Minuten von Chicanery sogar das Gegenteil der Fall, als Jimmy sorgend seinem Bruder den Rücken freihält, obgleich er kurz zuvor Zeuge davon wurde, wie dieser in Wahrheit von ihm und seiner Arbeit denkt. Trotzdem hält Jimmy vor Rebecca (Ann Cusack), Chucks Exfrau, dicht, als dieser im Angesicht eines Telefonats mit seinen Leiden konfrontiert wird.

Better Call Saul - Staffel 3, Episode 5: Chicanery

Chuck leidet an EHS (Electromagnetic Hypersensitivity), was bedeutet, dass er auf jegliche Form von elektrischen, magnetischen oder elektromagnetischen Feldern allergisch reagiert. Eine außergewöhnliche Krankheit, die sich Better Call Saul seit Einführung der Figur überaus geschickt zu Nutzen macht, da sie nicht einfach als nebenbei erwähnte Charaktereigenschaft fungiert, sondern maßgeblich den Tonfall und die Gestaltung der Serie beeinflusst. Da Chuck extrem empfindlich gegenüber jeglichen elektrischen Geräten ist, verwandelt er seine Wohnung in ein düsteres Schloss und verlässt sich ausschließlich auf das Licht von Kerzen oder jenen trüben Schein, der durch die stets verschlossenen Fenster fällt. Inszenatorisch wussten die verschiedenen Regisseure der Serie diesen Umstand bisher ausgesprochen gut zu nutzen: Sobald Chuck im Bild ist, verdunkelt sich Jimmys Welt und alle Farben des Lebens versinken im Schatten des großen Bruders. In Chicanery ist es nicht anders.

Ja, Chuck ist der Antagonist der Serie und wird auf dieser metaphorischen Ebene überaus clever in Szene gesetzt. Dennoch offenbart er sich abseits seiner hinterlistigen, gemeinen, boshaften Ader als tragische, vom Schicksal gebeutelte Figur, die sich nie über ihre eigenen Komplexe hinwegsetzen kann und wird. Vorsichtig bewegt er sich durch die Gegend, stets mit dem Blick auf ein klingelndes Handy oder eine unnatürliche Lichtquelle, die seinen instabilen Zustand aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Am liebsten würde Chuck vermutlich einfach nur schreien, wenn es nicht komplett seiner grummeligen Natur widersprechen würde - immerhin hat es sein kleiner Bruder, den er Zeit seines Denkens bevormundet und an der kurzen Leine hält, mittlerweile zum Anwalt geschafft und operiert in denselben Gefilden wie er. Irgendwo in Chucks Kopf muss sich die Welt gegen ihn verbündet haben, was ihn für alle Menschen in seinem Umfeld wie einen verbitterten alten Mann wirken lässt.

Chuck sitzt da, in seiner dunklen Höhle und wartet bloß darauf, dass endlich Recht gesprochen wird und er einen Teil der Gerechtigkeit abbekommt, an die er so unerschütterlich glaubt. Da jedoch niemand anderes Jimmy in seinem Temperament zügeln will, muss Chuck die Dinge selbst in die Hand nehmen, wie im Finale der 2. Staffel eindrucksvoll geschehen. Seitdem befindet sich ein Tonband zwischen den zwei Brüdern, auf dem deutlich Jimmys Geständnis hinsichtlich vergangener Taten zu hören ist. Chuck glaubt, endlich alle Beweise in der Hand zu haben, um vor Gericht die ihm zustehende Erlösung zu erlangen. Kaum betreten die Figuren in Begleitung ihrer Komplizen den - selbstverständlich komplett präparierten - Gerichtssaal, entflammt ein rhetorisches Inferno sondergleichen und die 3. Staffel von Better Call Saul erlangt ihren vorläufigen Höhepunkt, indem sie so nah bei ihren Figuren ist, dass wir Zuschauer die angespannte Stimmung förmlich fühlen können.

Better Call Saul - Staffel 3, Episode 5: Chicanery

Da sich ein Großteil der Better Call Saul-Episode an einem einzigen Ort abspielt, bleibt uns aber auch nichts anderes übrig, als uns mit den Figuren zu beschäftigen, die sich gerade dort aufhalten. Da wäre zum Beispiel Howard (Patrick Fabian), der sich mit ekelerregend gönnerischer Geste in den Zeugenstand begibt, um im Anschluss ganz bescheiden über Vetternwirtschaft zu urteilen, ehe er seine maßgeschneiderte Wahrheit ohne schlechtes Gewissen präsentiert. Außerdem dabei: Kim (Rhea Seehorn), die sich einmal mehr als perfekte Mitstreiterin entpuppt und alleine durch ihre Blicke mehr Verständnis für die Situation ausstrahlt, als es Chuck in seinem Selbstüberzeugung je könnte. Darüber hinaus befindet sich das Ensemble im stetigen Wandel - Figuren betreten und verlassen den Gerichtsaal, der zunehmend einem aufregenden Spielbrett voller Hindernisse und versteckter Falltüren gleicht, die es zu enttarnen gilt, ehe sich das Gegenüber einen Vorsprung verschafft.

Auf die Distanz funktioniert Chicanery wie ein klassisches Gerichtsdrama, das mit enthüllender Begeisterung der Wahrheit auf der Spur ist und den Moment gar nicht erwarten kann, wenn endlich einer der auftretenden Protagonisten ein Ass aus dem Ärmel zaubert. Daniel Sackheim ist sich dieser Sache überaus bewusst und unterstützt mit seiner Inszenierung den voyeuristischen Aspekt des hitzigen Treibens, bis die Kamera die Gesichter der Figuren gar nicht mehr loslässt - besonders eindrucksvoll in der finalen Einstellung, die jeden noch so unscheinbaren Augenblick von Chucks Zusammenbruch vor Gericht dokumentiert. Plötzlich geht es um all die Dinge, die sowohl den Figuren als auch uns Zuschauern längst bewusst sind, bisher jedoch nie ausgesprochen wurden. Teils aus der Not heraus, teils, um die andere Seite zu entwaffnen, kommen nun jedoch mehr Wahrheiten auf den Tisch als beabsichtigt. Am Ende summt das rote EXIT-Schild. Gänsehaut.

Was bisher in der 3. Staffel von Better Call Saul geschah:

Better Call Saul - Staffel 3, Episode 1: Mabel
Better Call Saul - Staffel 3, Episode 2: Witness
Better Call Saul - Staffel 3, Episode 3: Sunk Costs
Better Call Saul - Staffel 3, Episode 4: Sabrosito

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