Der König der Löwen 2: Das vergessene Sequel sollte niemand unterschätzen

Der König der Löwen 2: Simbas Königreich
© Disney
Der König der Löwen 2: Simbas Königreich
Moviepilot Team
StrawStar Esther Stroh
folgen
du folgst
entfolgen
Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.

Viele kennen und lieben die klassischen Zeichentrickfilme von Disney. Während Kinofilme wie Der König der Löwen, Das Dschungelbuch und Aladdin sich großer Beliebtheit erfreuen, fallen ihre direkt im Heimkino veröffentlichten Zeichentrick-Fortsetzungen aber schnell in die "Muss ich nicht gesehen haben"-Schublade. Schließlich hat das Sequel es nicht ins Kino geschafft.

Ich will an dieser Stelle aber gegen diese falsche Schlussfolgerung anbrüllen und eine Lanze für Der König der Löwen 2: Simbas Königreich aus dem Jahr 1998 brechen, der als Sequel im großen König der Löwen-Franchise so viel mehr bereithält, als ein Direct-to-Video-Start vermuten ließe.

Der König der Löwen 2: Eine Story mit Substanz

Der König der Löwen 2: Simbas Königreich schließt nahtlos an das Original aus dem Jahr 1994 an: Der ewige Kreis wird fortgesetzt. Simba und Nala bekommen eine Tochter, Kiara, die in ihre Rolle als Thronfolgerin hineinwachsen muss, anders als der junge "Ich will jetzt gleich König sein"-Simba diese Verantwortung aber überhaupt nicht begehrt.

Kiara trifft auf Kovu, einen ausgestoßenen Löwen, der Scars sehr ähnlich sieht. Kovu lebt außerhalb des Königreichs und wird von seiner Mutter Zira dazu gedrängt, Simba zu stürzen. So treffen Simbas Tochter und Scars Nachfolger aufeinander ... und den Plänen, einen König zu töten, kommt die Liebe in die Quere.

Wir haben also erneut eine Story königlicher Intrigen, die - wie schon Der König der Löwen - von klassische Vorbildern inspiriert wurde. Diesmal hat allerdings statt Shakespeares Hamlet eher Romeo und Julia Pate gestanden.

Die sodann folgende Tiefe der Geschichte findet sich bereits im doppeldeutigen Originaltitel: Simba's Pride kann sowohl als Simbas Löwenrudel als auch als Simbas Stolz übersetzt werden - beides wichtige Elemente der Erzählung. Spielerisch werden komplexe Themen wie Vorurteile und Vergebung verarbeitet.

Der fehlbare (Löwen-)Held als nahbare Figur

Neben einer sympatischen und selbstbestimmten weiblichen Hauptfigur, Löwin Kiara, spielt auch Simba, wie der Titel richtig vermuten lässt, eine große Rolle in Der König der Löwen 2.

Statt wie sein Vater Mufasa den weisen entrückten Anführer zu verkörpern, zeigt das Sequel jedoch, dass auch Simba als Herrscher und Vater Fehler hat, die er überwinden muss, um ein besserer Mensch - äh, Löwe - zu werden (ich nenne es mal das Cursed Child-Paradox: Kindheitshelden auf dem Boden der Tatsachen).

Überhaupt spielen Identitätsfragen wie schon im 1. Teil eine wichtige Rolle: Kiara ist die Tochter des Königs, will sich aber nicht allein als "Prinzessin" definieren. Simba schwankt zwischen der Rolle als Vater und als König. Zira wiederum hält an einem Idealbild ihres verstorbenen Partners fest. Und obwohl sie tot sind, bleiben tote Vaterfiguren wie Mufasa und Scar als (a)moralischer Kompass stets stark präsent.

Am interessantesten ist aber wohl Kovu, der wie Scar aussieht und deshalb mit dem Gesicht seines Vater auch dessen Ruf erbt. Fremdwahrnehmung trifft hier auf Selbstbild. Auch die nature versus nuture-Debatte (Vererbung vs. Erziehung) findet in dem Kinderfilm einen Widerhall, wenn Zira den eigentlich sanften Kovu zum Kämpfer heranzüchtet.

Zählen wir dann noch die gutgelauten Wiedersehen mit Timon, Pumbaa, Zazu und Rafiki dazu, könnte Der König der Löwen 2 mit seinen Charakteren nicht sympatischer daherkommen.

Der König der Löwen 2: Ein musikalischer Genuss

Wer den ersten König der Löwen-Film so sehr liebt wie ich, kommt außerdem an den Musical-Einlagen nicht vorbei - und zum Glück besitzt auch Der König der Löwen 2 hochwertige Songs mit Ohrwurmpotenzial, die immer wieder gehört werden können und zu Herzen gehen:

  • Er lebt in dir (He Lives In You)
  • Wir sind eins (We Are One)
  • Mein Wiegenlied (My Lullaby)
  • In Upendi (In Upendi)
  • Verbannung (Not One Of Us)
  • Liebe triumphiert (Love Will Find A Way)

Wie schon ihre Vorgänger bewegen die Lieder den Zuschauer musikalisch und setzen zugleich thematisch die Botschaft des Zusammenhalts fort, indem sie nahtlos an Der König der Löwen anknüpfen und teilweise sogar ihre musikalischen Entsprechungen finden. Er lebt in dir ist zum Beispiel das neue Der ewige Kreis und Mein Wiegenlied spiegelt als Bösewicht-Song Seid bereit.

Der König der Löwen 2: Der Grenzgang zwischen Altem ...

Etwas, was Der König der Löwen: Simbas Königreich dabei bewältigen muss, ist, zugleich den Originalfilm wachzuhalten und eigene Wege zu gehen. Denn ich als Zuschauer schaue eine Fortsetzung natürlich, um das Gefühl des verehrten Vorgängers im günstigsten Fall wieder wachzurufen, zugleich aber keine reine Kopie desselben zu sehen.

Das gelingt dem Sequel gut: Zunächst sind die augenzwinkernden Anspielungen auf Teil 1 natürlich nicht zu übersehen, wenn Zira in Scars-Bösewicht-Rolle (samt eigenem Machtfantasien-Lied) schlüpft und ihre Krallen tafelkreidenschaurig an Stein wetzt oder Kira Kovu beim spielerischen Kampf auf dem Boden festnagelt.

Verschwimmende Reflexionen auf Wasseroberflächen dürften in Fans berührende Erinnerungen wecken. Das Altern der Hauptfiguren Kiara und Kovu von Kindern zu Erwachsenen weist auch das Sequel als einen Film für alle Generationen aus. Während Timon und Pumbaa als Comic Relief wie gewohnt Käfer essen und scherzen, zeigt Rafiki sich in seiner Verrücktheit erneut als weise und auch ikonische Déja-vu-Momente am Abgrund dürfen nicht fehlen.

... und Neuem

Trotzdem bewahrt Der König der Löwen 2 sich seine Eigenständigkeit. Mit dem Schattenland und seinen Termitenhügeln sowie Flüssen voller Krokodile kann der Trickfilm dem vertrauten Handlungsort bislang ungesehene Afrika-Elemente hinzufügen.

Zu der neuen Verschwörungsgeschichte infiltrierter Löwenrudel gesellen sich darüber hinaus die zusätzlichen Figuren der Löwengeschwister Vitani und Nuka sowie neue starke Bilder wie grüne Pflanzen, die aussagekräftig unter scheinbar toter Erde versteckt liegen.

Dass für die Fortsetzung minimale Änderungen am Original vorgenommen werden (Baby Kiaras Fellfarbe ist z.B. in der "Wiederholung" heller als noch am Ende von Der König der Löwen) stört deshalb gar nicht. Auch neu erdachte Story-Elemente (wie das verstoßene Löwinnen-Rudel) werden logisch begründet.

Der ewige Kreis wird so im Sequel Der König der Löwen: Simbas Königreich von Darrell Rooney erneut zu einer runden Sache. Auch wenn es sich hier "nur" um einem Heimkinostart handelt, zeigt die Fortsetzung einen würdigen Umgang mit der geliebten Geschichte. Mal sehen, ob Disneys König der Löwen-Remake diesem Anspruch auch gerecht wird.

Kennst du die König der Löwen-Fortsetzung Simbas Königreich? Magst du Teil 2?

Moviepilot Team
StrawStar Esther Stroh
folgen
du folgst
entfolgen
Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.
Deine Meinung zum Artikel Der König der Löwen 2: Das vergessene Sequel sollte niemand unterschätzen
A484535b96c54d1ca6e9f241ed14f154