Der neue Shyamalan-Thriller Trap stellt 3 der größten Horror-Filme auf den Kopf und das Ergebnis verblüfft

03.08.2024 - 12:13 Uhr
Trap: No Way Out
Warner Bros.
Trap: No Way Out
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M. Night Shyamalan meldet sich mit einem neuen Film im Kino zurück. Trap: No Way Out ist ein extrem spannender Thriller geworden, der sich gleich vor mehreren Horror-Klassikern verbeugt.

Einst wurde M. Night Shyamalan als neuer Spielberg gefeiert und stellte mit unerwarteten Twists unser Film-Verständnis auf den Kopf. Nach einer Reihe qualitativer und finanzieller Fehlschläge ließ Hollywood das Regie-Wunderkind fallen. Doch die Wahrheit ist: Kaum ein anderer Filmschaffender hat seine Blockbuster-Niederlage so eindrucksvoll genutzt, um sich im kleineren Rahmen neu aufzustellen, wie Shyamalan.

Knapp eine Dekade ist vergangen, seitdem der The Sixth Sense-Regisseur mit dem selbst finanzierten Schocker The Visit den Grundstein für den zweiten Akt seiner Karriere gelegt hat, der für viele vermutlich überraschender kam als so manche Wendung in einem seiner Filme. Anno 2024 ist klar: Der gescheiterte M. Night Shyamalan existiert schon lange nicht mehr. Und Trap: No Way Out ist das neueste beste Beispiel dafür.

Hier wird sogar einer der größten Horror-Momente der Filmgeschichte umgestellt.

In Trap spielt Josh Hartnett einen Serienkiller, der von der Polizei auf einem Konzert in die Falle gelockt wird

Trap: No Way Out ist bereits der sechste Film in Shyamalans Post-Blockbuster-Phase und schließt perfekt an die Vorgängerfilme Old und Knock at the Cabin an. Einmal mehr befinden wir uns in einem überschaubaren Setting, das mit einer Besonderheit aufwartet: Nach dem Strand, der die Zeit verdreht, und der Hütte im Wald, in der die Apokalypse droht, befinden wir uns nun auf einem Konzert mit einem Serienkiller.

Hier könnt ihr den Trailer zu Trap schauen:

Trap - Trailer (English) HD
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Cooper ist sein Name. Eigentlich ist er ein liebenswürdiger Familienvater. Der Eindruck entsteht zumindest, wenn sich Josh Hartnett in den ersten Minuten charmant um seine Filmtochter Ariel Donoghue kümmert, die es gar nicht erwarten kann, ihr großes Idol Lady Raven live auf der Bühne zu sehen. Für uns Zuschauende wird allerdings schnell klar, dass Cooper ein Killer ist. Und noch spannender: Er sitzt in der Falle.

Nicht nur ist da die auffällige Polizeipräsenz in den Rängen. Ehe sich Cooper versieht, wird das gesamte Gebäude von schwarzen Uniformen mit Sturmgewehren umstellt. Fortan schauen wir ihm dabei zu, wie er versucht, sich aus unmöglichen Situationen herauszumanövrieren. Der Clou: Shyamalan inszeniert den Thriller so clever, dass wir plötzlich mit dem Killer mitfiebern, obwohl er offenkundig gefährlich ist.

Taylor Swift feat. Clarice Starling x Hannibal Lecter: Trap ist ein völlig entfesselter Popkultur-Serienkiller-Ritt

Was wäre, wenn das Das Schweigen der Lämmer bei einem Taylor Swift-Konzert spielt? Shyamalan macht keine Geheimnisse aus seinen filmischen und popkulturellen Vorbildern. Gekonnt führt er Jonathan Demmes Meisterwerk um Serienkiller-Legende Hannibal Lecter und FBI-Ikone Clarice Starling mit einem Film zusammen, der eine weitere Obsession ins Zentrum rückt: die Beziehung zwischen Stars und Fans.

Coopers Tochter himmelt Lady Raven an, während Cooper selbst zum Star wird, der für das FBI unerreichbar bleibt. Zwischen kreischenden Fans und pulsierender Lichtshow scheint er allen einen Schritt voraus zu sein. Wann kommt es endlich zum Kontakt? Shyamalan spielt mit dieser Unerreichbarkeit und wartet mit einigen Wendungen auf, die das Überlebensgroße verblüffend auf eine menschliche Ebene bringen.

Schon lange gab es keinen Thriller mehr, der so viel Spaß hatte, seine Figuren von einem Ort zum nächsten zu scheuchen, ihre Rollen zu vertauschen und mit gewagten Sprüngen unsere Erwartungen auf den Kopf stellt. Trap ist ein auf maximale Suspense-Unterhaltung getrimmtes Leinwandabenteuer, der neben Das Schweigen der Lämmer vor allem an zwei weitere Horror-Klassiker erinnert: Psycho und Shining.

Nicht nur Taylor Swift: Auch Alfred Hitchcock und Stanley Kubrick haben bei Trap ein Wörtchen mitzureden

Dass Hitchcocks Besuch im Bates-Motel Pate für einen Serienkiller-Film steht, dürfte vermutlich niemanden überraschen. Das, sagen wir mal, problematische Verhältnis zwischen Norman Bates und seiner Mutter inspiriert seit über acht Dekaden das Kino. Auch in Trap hallen viele Echos wieder, besonders, wenn wir uns in der zweiten Hälfte des Films tiefer in der zersplitternden Psyche von Hartnetts Killer einfinden.

Hier kommt dann auch Shining ins Spiel. In der umstrittenen Stephen King-Verfilmung von Stanley Kubrick verwandelt sich Jack Nicholson in ein Monster, das mit seiner Axt durch die Badtür bricht und mit weit aufgerissenen Augen und gefletschten Zähnen zum ultimativen Bild des Bösen wird. Auch Trap wartet mit einer Szene auf, in der sich eine junge Frau in den kalten weißen Wänden eines Bades versteckt.

Genauso wie in Shining poltert der Mann auf der anderen Seite gegen die Tür. Jeden Augenblick rechnet man damit, dass ein völlig rastloser Josh Hartnett das Holz zerschmettert und eines der schönsten Hollywood-Gesichter zur Verkörperung des Grauens wird. Doch Shyamalan verwehrt uns den Blick auf den personifizierten Terror und lädt stattdessen zur noch furchteinflößenderen Mauerschau ein.

Shyamalans Trap überspannt den Bogen bewusst und ist genau deswegen so unerechenbar wie unterhaltsam

Auf der anderen Seite der Tür tobt ein Ungeheuer und wir wissen nicht, wie weit es geht, bis die unangenehmste Stille des Films einbricht. Gleichzeitig öffnet Shyamalan den engen Raum über ein Smartphone und aktiviert sämtliche Fans im Internet in einer absolut unglaublichen Live-Schaltung, um den Killer, der durch seine Unsichtbarkeit gerade wieder gigantisch geworden ist, klein, greifbar und auffindbar zu machen.

Ein ganz großer Moment, in dem Shyamalans wilde Serienkiller-Popstar-Fantasie komplett aufgeht und niemanden mehr die Logik des Geschehens hinterfragen lässt. Viel zu fesselnd sind die Close-ups auf die Gesichter und allgemein die vibrierenden Bilder von Sayombhu Mukdeeprom, dem Stammkameramann von Luca Guadagnino (!) und Apichatpong Weerasethakul (!!). Allein dieses Engagement ist ein Geniestreich.

Trap: No Way Out läuft seit dem 1. August 2024 in den deutschen Kinos.

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