Zum Kinostart von Micmacs

Die fabelhafte Welt des Jean-Pierre Jeunet

Jean-Pierre Jeunet neben seiner Amélie
© Universal Pictures
Jean-Pierre Jeunet neben seiner Amélie

Das französische Kino zählt seit der Entstehung des Films zu den weltweit bedeutendsten Filmlandschaften. Auch bei uns in Deutschland erfreuen sich die Filme unseres Nachbarlandes einer besonderen Popularität. Dafür spricht die aktuelle Präsenz der französischen Filme in den deutschen Kinos, die wohl lange nicht mehr so ausgeprägt war wie heute. Entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung hat Jean-Pierre Jeunet, den der bekannte Filmkritiker David Thomson als den dominanten Regisseur des französischen Kinos der letzten 20 Jahre bezeichnet. Anlässlich des Kinostarts seines neuen Films Micmacs – Uns gehört Paris wollen wir euch einen Einblick in das Schaffen des außergewöhnlichen Jean-Pierre Jeunet geben.

Die Person hinter dem Namen
Als der 1953 in Roanne geborene Jean-Pierre Jeunet zum ersten Mal in Berührung mit einer Filmkamera kommt, ist es um den Teenager geschehen. Sein beruflicher Werdegang ist damit vorbestimmt. Ohne jemals eine Filmschule zu besuchen, bringt er sich sämtliche Fertigkeiten selbst bei. Zunächst produziert er Werbespots und Kurzfilme und lernt dabei den Künstler und Designer Marc Caro kennen. Die beiden entwickeln in erfolgreicher Zusammenarbeit einige Animations- und Kurzfilme, bevor sie 1991 ihren ersten gemeinsamen Spielfilm drehen: Delicatessen.

Delicatessen: Ein überzeugendes Debüt
In einer postapokalyptischen Gesellschaft tritt ein ehemaliger Clown (Dominique Pinon) seinen neuen Job in einer Metzgerei an, ohne zu wissen, dass sein Chef die neuen Gehilfen regelmäßig an die bizarren Mieter des Wohnhauses verfüttert. Die fantasievolle schwarze Komödie Delicatessen weist bereits zahlreiche Stilelemente und Motive auf, die auch in den späteren Filmen von Jean-Pierre Jeunet zu finden sind: Skurrile Figuren, eine ausgeprägte visuelle Gestaltungskraft sowie eine erstaunliche Liebe zum Detail. Die Kritiker und das Publikum zeigen sich gleichermaßen begeistert. Dabei muss Jean-Pierre Jeunet bei Delicatessen sparen, wo es nur geht, um im Anschluss das eigentlich zuerst geplante, weitaus kostspieligere Projekt verwirklichen zu können: Die Stadt der verlorenen Kinder.

Die Stadt der verlorenen Kinder: Ein düsterer Sci-Fi-Ausflug
Ausgestattet mit dem Komponisten von David Lynch, den Kostümen des französischen Stardesigners Jean-Paul Gaultier und einem für damalige Verhältnisse beachtlichen Budget von 18 Millionen Dollar schaffen Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro mit Die Stadt der verlorenen Kinder eine skurrile Sci-Fi-Fantasy-Komödie mit einer ähnlich düsteren Atmosphäre wie schon in Delicatessen. In einer surrealistischen Gesellschaft kidnappt der verrückte Wissenschaftler Krank Kinder, um ihnen ihre Träume zu stehlen, weil er glaubt, dass er dadurch seinen Alterungsprozess verlangsamen kann. Der Erfolg des Films und der einzigartige visuelle Stil von Jean-Pierre Jeunet sprechen sich bis in die USA zu den Machern des vierten Teils der Alien-Saga herum.

Alien – Die Wiedergeburt: Sein größter Flop?
Jean-Pierre Jeunet feiert bei Alien – Die Wiedergeburt seine Premiere als allein- verantwortlicher Regisseur. Doch seine Zusage zum Projekt sorgt generell für große Verwunderung in der Filmwelt, gilt Jean-Pierre Jeunet doch seit jeher als kompromissloser Verfechter seiner künstlerischen Freiheit. Hier arbeitet er nun zum ersten Mal mit einem fremden Drehbuch in einem Land, dessen Sprache er nicht beherrscht. Dementsprechend gehen die Meinungen auseinander, was Alien – Die Wiedergeburt angeht: Die einen finden ihn uninspiriert und überflüssig, während andere ihn gar auf eine Stufe mit dem Original Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt stellen.

Die fabelhafte Welt der Amélie: Sein internationaler Druchbruch
Der durchwachsene Erfolg von Alien – Die Wiedergeburt scheint Jean-Pierre Jeunet nicht zu beeindrucken. Im vertrauten Umfeld seines Heimatlandes und mit eigenem Drehbuch erzählt er in Die fabelhafte Welt der Amélie die Geschichte der naiv-süßen Pariserin Amélie (Audrey Tautou), die ihrem Umfeld in Liebesdingen stets mit Rat und Tat zur Seite steht und dabei ihr eigenes Glück vernachlässigt. Natürlich muss sich diese wilde Achterbahnfahrt durchs Glück auch Kritik gefallen lassen, aber Tatsache ist: Jean-Pierre Jeunet wird mit Die fabelhafte Welt der Amélie endgültig zum international gefeierten Regisseur, auch dank der fünf Oscarnominierungen.

Mathilde – Eine große Liebe: Sein ernsthaftester Film
Das US-Studio Warner macht’s möglich: Jean-Pierre Jeunet darf sich mit 40 Millionen Dollar über sein bisher bei weitem größtes Budget freuen. Daraus formt er das vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs spielende Liebesdrama Mathilde – Eine große Liebe und besetzt erneut Audrey Tautou in der Hauptrolle der diesmal willensstarken Mathilde, deren Verlobter angeblich im Krieg gefallen sein soll. Sie glaubt jedoch nicht an seinen Tod und versucht, die Wahrheit herauszufinden. Der Film gilt als das bisher reifeste Werk von Jean-Pierre Jeunet und wurde mit zwei Oscarnominierungen bedacht.

Micmacs – Uns gehört Paris: Der neueste Streich
Nach einer schöpferischen Pause von fünf Jahren dürfen wir uns nun auf den neuen Film von Jean-Pierre Jeunet freuen: Micmacs – Uns gehört Paris, eine Satire auf den weltweiten Waffenhandel. Der neue französische Comedy-Star Dany Boon (Willkommen bei den Sch’tis) spielt den Pechvogel Bazil, der von einer verirrten Pistolenkugel getroffen wird. Diese steckt fortan in seinem Kopf und er muss mit der Angst leben, dass sie ihn doch noch tötet. Davon lässt sich Bazil jedoch nicht unterkriegen und verbündet sich mit einigen auf einer Schrotthalde hausenden, wunderlichen Außenseitern, um den verantwortlichen Waffenhändlern eins auszuwischen.

Heute startet Micmacs – Uns gehört Paris in den deutschen Kinos. Die Spielzeiten erfahrt ihr wie immer in unserem Kinoprogramm.

Was haltet ihr von den skurrilen und vor Ideen nur so übersprühenden Filmen von Jean-Pierre Jeunet? Welcher ist euer Lieblingsfilm?

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