Einer der besten Sci-Fi-Filme von Netflix kommt in 8 Tagen: Das Weltraum-Abenteuer Spaceman ist ein Muss für Fans von Interstellar und Adam Sandler

22.02.2024 - 15:30 UhrVor 1 Monat aktualisiert
Spaceman: Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt
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Spaceman: Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt
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Netflix ist dieses Jahr u.a. mit dem von Adam Sandler angeführten Sci-Fi-Abenteuer Spaceman auf der Berlinale vertreten. Die berührende Weltraum-Odyssee punktet mit einer ganz besonderen Kreatur.

Der Sci-Fi-Film geht in die unterschiedlichsten Richtungen. Manchmal bewegen wir uns in einer nahen Zukunft auf der Erde. Manchmal tauchen wir in rätselhafte Welten auf einem fremden Planeten ein. Eine meiner liebsten Unterkategorien des Genres sind die traurigen Astronaut:innen, die in der Dunkelheit des Weltraums ihre persönlichen Konflikte verhandeln. Ich denke da etwa an Interstellar, Ad Astra und High Life.

Auf der Berlinale 2024 feierte der nächste Film dieser Gattung seine Premiere: Spaceman: Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt. In wenigen Tagen kommt die starke Weltraum-Odyssee zu Netflix. Besonders spannend: Als traurigen Astronauten bekommen wir Adam Sandler zu sehen, der bei dem Streaming-Dienst eher in Komödien unterwegs ist. Es ist eine seiner ungewöhnlichsten und besten Rollen bisher.

Neuer Science-Fiction-Film von Netflix auf er Berlinale: Adam Sandler erlebt in Spaceman sein eigenes Interstellar

Spaceman basiert auf der gleichnamigen Romanvorlage von Jaroslav Kalfař aus dem Jahr 2017. Die Geschichte erzählt von dem Astronauten Jakub Procházka (Sandler), der sich seit 189 Tagen auf einer wichtigen Mission im All befindet. Eine geheimnisvolle Wolke beunruhigt die Menschen auf der Erde. Jakub soll herausfinden, was es mit dem Gebilde auf sich hat, das in lila Farben den Sternenhimmel verzaubert.

Hier könnt ihr den Trailer zu Spaceman schauen:

Spaceman - Trailer (Deutsch) HD
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Alles läuft nach Plan – das erzählt zumindest die tschechische Raumfahrtbehörde, die sich verbiegt, um ihre Sponsoren zu halten und der koreanischen Konkurrenz davonzulaufen. Die Wahrheit sieht anders aus: Jakub ist emotional komplett durch den Wind. Die Einsamkeit und Kälte des Weltraums machen ihm zu schaffen. Denn er hat seine hochschwangere Frau, Lenka (Carey Mulligan), auf der Erde zurückgelassen.

Der Kontakt zwischen den beiden ist mehr als brüchig. Jakub zieht sich immer tiefer in die verschlungenen Gänge seines Raumschiffs zurück, unfähig, seine zerrissenes Inneres für sich, geschweige denn für andere zu formulieren. Die Erschöpfung ist Sandlers Astronaut ins Gesicht geschrieben. Selbst auf einer Berlinale, die mit Cillian Murphys müden Augen begonnen hat, beeindruckt die Traurigkeit, die Sandler in den Film trägt.

Dann kommt der große Schreck: Beim Blick in die Vorratskammer offenbart sich Jakub ein außerirdisches Wesen in Form einer Riesenspinne. Stellt euch Aragog aus Harry Potter und die Kammer des Schreckens vor: Genauso eklig ist die haarige Kreatur mit ihren langen Beinen und großen Augen. Es erklingt allerdings kein tiefes, bedrohliches Brummen, sondern die zärtliche Stimme von Paul Dano – eine herrliche Irritation.

Spaceman triumphiert, sobald Adam Sandler von einer riesigen Alien-Spinne in seinem Raumschiff therapiert wird

Die Albtraumgestalt, die von Jakub den Namen Hanuš erhält, verwandelt sich in einen unerwartet liebevollen Begleiter. Das ist nicht selbstverständlich. Immerhin kann Danos Flüstern vieles bedeuten. Mal gehört es einem schaurigen Bösewicht wie dem Riddler in The Batman, mal einer sich sorgenden Vaterfigur in Spielbergs Die Fabelmans. Adam Sandler hat Glück. Die Dano-Spinne will ihm nicht an den Kragen.

Spaceman: Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

Dank übernatürlicher Fähigkeiten kann Hanuš direkt Jakubs Gefühle und Erinnerungen anzapfen. Er stellt eine Art Brücke zu Lenka her und fungiert fortan als persönlicher Space-Therapeut des dünnen Menschen, wie er Jakub nennt. Hinter Hanuš plötzlichem Auftauchen steckt eine tragische Geschichte: Das Alien musste nach dem Angriff einer verfeindeten Spezies von seinem Heimatplaneten fliehen.

Die Beziehung zwischen Jakub und Hanuš ist das Herz des Films. Regisseur Johan Renck (Chernobyl) beobachtet in ruhigen Einstellungen, wie sich die beiden vorsichtig annähern und noch viel wichtiger: Wie die beiden schwerelos durch das Raumschiff gleiten. Große Teile des Films spielen in engen Räumen, die sich in ein grünlich-bräunliches Licht hüllen. Hier treffen zwei sehr ungleiche Körper aufeinander.

Auf der einen Seite ist da Sandlers vertraute Statur – ein Mensch, ganz greifbar. Auf der anderen Seite fasziniert Hanuš' CGI-Körper, der sich zunehmend vom Ekelcharakter verabschiedet. Später folgt sogar eine Umarmung dieser extrem ungleichen Figuren, einer der erstaunlichsten Momente des Films. Spätestens an diesem Punkt werden Tränen fließen. Hanuš ist jetzt schon einer der heimlichen Stars des Filmjahres.

Nicht so gut wie die Vorbilder, aber trotzdem ein würdiger Eintrag in den Kanon der traurigen Astronaut:innen-Filme

Das Problem ist: Je weiter diese Beziehung zwischen Jakub und Hanuš aufblüht, desto mehr rückt Lenka in den Hintergrund, obwohl sie ein ebenso wichtiger Teil sein sollte. Dieser Widerspruch wird nie aufgelöst. Carey Mulligan ist einmal mehr gefangen in der Rolle der leidenden Frau eines Mannes, der sie nicht sieht. Oder erst zu spät erkennt. Was für eine Verschwendung, resümiert Sandler treffend verloren im All.

Spaceman: Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

Wohler fühlt sich Renck, wenn er Jakubs Raumschiff durch grobkörnige Weltraumgemälde lenkt. Immer tiefer dringt es in die Wolke am Rand der menschlichen Vorstellungskraft ein, ehe uns eine jener rauschhaften Reisen durch Licht erwartet, die seit 2001: Odyssee im Weltraum in keinem dieser Filme fehlen darf. Getragen werden die Bilder von Max Richters nachdenklichem, geradezu meditativem Score.

Man muss sich definitiv auf das langsame Tempo und die in sich gekehrten Gedanken einlassen. Renck bringt weder die Wucht von Interstellar noch die Eleganz von Ad Astra mit. Was er aber richtig gut einfängt, ist das Gedankenverlorene, das Grüblerische, das sich auch durch wegweisende Sci-Fi-Geschichten wie Solaris (beide Verfilmungen!) zieht. Hier kann Sandler Jakubs Betrübtheit freien Lauf lassen.

500 Millionen Meilen entfernt von der Erde hört dich im Weltraum niemand Weinen. Aber mit etwas Glück triffst du auf das ekligste und liebevollste Geschöpf des Universums und bondest mit ihm über die tröstende Kraft von tschechischem Nutella. Ja, Spaceman hat definitiv einen Platz im Kanon der traurigen Astronaut:innen-Filme verdient.

Spaceman: Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt läuft in der Sektion Berlinale Special Gala bei den 74. Internationalen Filmfestspielen Berlin. In Deutschland startet der Film am 1. März 2024 bei Netflix.

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