Flammende Rede gegen Marvel und Co.: Meisterregisseur kämpft in Cannes um die Rettung des Kinos

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20.05.2022 - 15:30 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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In Cannes stellt Regisseur James Gray aktuell seinen neuen Film Armageddon Time vor. Bei der Pressekonferenz erntet er für ein Statement gegen das Franchise-Kino großen Beifall.

Die 75. Internationalen Filmfestspiele von Cannes sind im vollen Gange. Nachdem Tom Cruise mit Top Gun: Maverick seinen großen Momente auf dem roten Teppich hatte, feierte gestern Abend der neue Film von James Gray seine Premiere, Armageddon Time. Bei der heutigen Pressekonferenz stellte der Regisseur das Projekt näher vor.

Armageddon Time entführt ins New York der 1980er Jahre und erzählt eine persönliche Geschichte vor historischem Hintergrund. Während Gray viele Dinge seiner eigenen Kindheit und Jugend in der Metropole verarbeitet, widmet sich der Film gleichzeitig den aufwühlenden Themen und Fragen, die das Amerika jener Zeit prägten.

Armageddon Time-Regisseur James Gray kritisiert in Cannes das Franchise-Kino von Marvel und Co.

Der Kapitalismus spielt dabei eine entscheidende Rolle und beschäftigt Gray immer noch. Auf der Pressekonferenz zu Armageddon Time hält er eine flammende Rede, die den Bogen zur Gegenwart schlägt und von den Auswirkungen auf das Kino berichtet. Grays zufolge können die jungen Leute den Kapitalismus gar nicht mehr richtig einordnen.

Wo hat uns das alles hingebracht? Der springende Punkt ist, dass wir die Kreativität inspirieren müssen. Wir müssen eine Welt inspirieren, die mit rasantem Tempo Kunstschaffende hervorbringt. Wir lehren ihnen aber nur: 'Ah, das ist ein gutes Franchise. Du solltest in dieses Franchise einsteigen.' Früher dachten wir an McDonald's und Burger King, wenn es um Franchises ging. Jetzt reden wir vom Kino.

Neben den gesellschaftlichen und politischen Dimensionen des Kapitalismus bezieht sich Gray bei seiner Bestandsaufnahmen vor allem auf die aktuelle Blockbuster-Landschaft. Die Anzahl an Filmen mit einer originalen Idee werden von Jahr zu Jahr weniger. Stattdessen dominieren Comicverfilmungen aus dem Hause Marvel und DC sowie Ableger von beliebten Universen à la Star Wars, Harry Potter und Fast & Furious.

Gray analysiert weiter:

Wie konnte das passieren? Warum reden wir nicht mehr darüber? Wo ist die Kritik des Kapitalismus hin, der zu einer schrecklichen Ungleichheit geführt hat? Wenn ihr mich fragt, wo wir uns heute befinden ... wir sitzen gewaltig in der Patsche. Und es ist die Aufgabe der Kunstschaffenden, zu zeigen, was falsch läuft, weil es sonst von niemand anderem kommt. Das kann ich euch versichern.

Meine Kollegin Lisa Ludwig war bei der Pressekonferenz vor Ort und hat Grays Rede gefilmt. Nachfolgend könnt ihr euch das Video anschauen.

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Es ist geradezu ironisch, dass Grays neuer Film kurz nach der Top Gun-Fortsetzung in Cannes gezeigt wurde. Vor drei Jahren setzte der Regisseur mit seiner herausragenden Weltraum-Odyssee Ad Astra – Zu den Sternen dem Franchise-Kino einen spannenden Kontrast entgegen. An den Kinokassen konnte sich der rund 100 Millionen US-Dollar teure Film jedoch nicht behaupten und endete als finanzielle Enttäuschung.

Hier könnt ihr den Trailer zu Ad Astra schauen:

Ad Astra - Trailer (Deutsch) HD
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Ad Astra – Zu den Sternen war damals einer der Filme, der enorm unter dem Disney-Fox-Deal gelitten hat. Ursprünglich wurde das Projekt von Fox entwickelt und in Produktion geschickt. Nach der Übernahme des Studios wirkte es lange Zeit so, als wüsste Disney überhaupt nicht, was sie mit dem Film anfangen sollen. Grays erster Ausflug ins Blockbuster-Kino scheint eine unglückliche Erfahrung gewesen zu sein.

Mit Armageddon Time kehrt er in die Liga der Mid-Budget-Filme zurück, die bisher seine Karriere ausgezeichnet haben. Da verstecken sich Meisterwerk wie Two Lovers und The Immigrant. Vielleicht erwartet uns mit Armageddon Time bereits der nächste Geniestreich. Die Kritiken aus Cannes fallen überwiegend positiv aus.

Wie steht ihr zur aktuellen Situation des Blockbuster-Kinos?

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